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Die Welt · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Wie es ums Herz ist, wenn dem Teuersten Gefahren dröhn! Sind wir auch andern Glaubens So dankt doch Spanien seine Blüte uns! Ihr bleibt hier ohne Handel, ohne Steuern, Zur Wüste wird das Land euch, wenn wir gehn!" Der König schwankt, ich seh's, - schon schöpf ich Hoffnung. Da — wie ein Ungetüm aus Daniels Traum, Wie ein Dämon in flatternden Gewändern, Stürzt Torquemada in den Saal und schwingt Ein Kruzifix: „Für dreißig Silberlinge Hat Judas Ischariot den Herrn verkauft! Ihr wollt's für dreimalhunderttausend tun? Hier ist er! Nehmet und verkaufet ihn!" Und wirft mit mächt'ger Hand das Kruzifix Zu Boden Da war es um mein Volk geschehn. (Stumme Pause; hierauf losbrechendes lautes Jammern. Besonders im Schiff der Synagoge sieht man Leute, die sich wehklagend die Haare raufen, an die Brust schlagen, den Oberkörper wie im Gebet mehrmals nach vorne neigen.) Viele Stimmen: Weh! Weh! Weh! Wir müssen fort! Wir müssen fort! Weh! Weh! Weh! Senior: Am neunten Ab, Dem Tag, wo zweimal unser Tempel fiel. iVWißt ihr von hinnen gehn. Was ich für euch Noch tun kann, tu' ich. [m\t tränenerstiekter stimme; Zieht mit Gott! (Wendet sich jnit .seinen Sühnen zum Weggehen.) Abarbanel: Und ihr? Und ihr? Ihr geht nicht? Senior: Ich muß bleiben. Abarbanel: Ha! ha! Cendor (mit mächtiger stimme;: Br tauft sich! Stimmen: Br tauft sich! Tauft sich! Bar-Elisa und seine Umgebung: Der Verräter! Viele Stimmen (in immer mächtigerem Chor): FlllCh ihm! Fluch! Senior: Der König zwang mich. Hört mich an! Ich tat's Für euch! Bs blutet mir das Herz. Schon wollt' ich Gehn. Da rief der König: „Bleibt! Noch eines: Bs wäre seltsam, wenn die heil'ge Kirche, Die euch die Arme öffnet, euch im Land Als Christen gern belassen will, nicht einen Von euch zum Sohn gewänne. Ihr müßt bleiben, Wenn ihr nicht wollt, daß es noch schlimmer werde!" Abarbanel: Ah, ha! Ich riet euch, nicht zu gehn! Senior: ich muß mich opfern .... Aber unter euch Darf ich mit meiner Schmach nicht bleiben! (Entfernt .sich gebeugten Hauptes mit seinen Söhnen.) Bar-Blisa und seine Umgebung: Verflucht seist du! Verflucht! Verflucht! 3. Szene Die Vorigen, ohne Senior und seine Söhne. Abarbanel: Was nun? Habt ihr noch immer Hoffnung? Alfaro: Ja! Bs gilt nur einen schlimmen Augenblick zu überwinden! Montalto und seine Umgebung: So ist's. Alfaro: Finden wir das Mittel, sie nur heut zu überlisten, So oder so die Klippe zu umgehn, So ist es morgen, wie es gestern war. Stimmen in Montaltos Umgebung: Gewiß! Doch wie? Alfaro: Es gibt ein sich'res Mittel: Wenn alle, — bloß zum Schein! wie Senior tun . . . (Ungeheurer Tumult. Cendor und die Umgebung Bar- Blisas wollen sich auf Alfaro stürzen, werden jedoch von den Dazwischenstehenden zurückgehalten. Nachdem sich der Tumult ein wenig gelegt, werden nachstehende Worte verständlich): Abarbanel: Ja, das ist eurer Denkart Schluß und Ziel! Bar-Elisa und seine Umgebung: Erwürgt ihn! Steinigt ihn! Cendor: Schlagt ihn zu Boden! Aboab (hat früher Abarbanel mit sichtlicher Freude, Montalto gesenkten Hauptes, Senior mit lebhafter »Spannung zugehört; nun erhebt er sich in höchster Erregung im 1 wendet sieh gegen Alfaro): Verführer! Montalto (ebenfalls erhoben, empört): Schmach! Cendor und seine Umgebung: Hinaus! Hinaus! (Drängen mit F. a r - E 1 i s a s Umgebung vor.) Montalto (mit abwehrender Handbeuegung zu Alfaro, der spreche! will): Zerschnitten ist das Band! Ihr habt mit uns nichts mehr gemein! Wir schütteln euch ab! Alfaro: Ihr mißversteht mich! Cendor und seine Umgebung: Brecht ihm die Glieder! Bar-Elisa und seine Umgebung: Steinigt ihn! Aboab (erhebt beide Arme feierlich): Aus unserm Bunde stoße ich Euch aus! Ihr sollt gemieden sein wie Pest und Fieber Und euer Name soll vernichtet sein Wie ich dies Kleid vernichte! (Faßt einen seiner Koekschölie und zerreißt ihn ) Bar-Elisa und seine Umgebu ng: Jimäch sch'mo! Jimächsch'mo! Cendor und seine Umgebung: Hinaus! Hinaus! ^sie Imbun die Dazwischenstehenden weggedrängt, fassen Alfaro, der sieh vcigobens wehrt und schleppen ihn unter Mißhandlungen zum Ausgang linke, wo er hinausgestoßen wird): Hinaus! Aboab (nach einer Weile, während der wüster Lärm herrschte!»: Und nun, ihr Brüder, laßt uns schlüssig werden. Stimmen: Sprecht, Rabbi Aboab! Sprecht, Zadoc! Sprecht! (Man drängt sich in Aboabs Nähe.i Aboab: Erinnert euch des Bundes, den am Sinai Der Ewige mit unsern Vätern schloß: Wer an ihm festhält, lebt; wer von ihm weichet, stirbt. Doch keinen Zwang kennt unsre Thora: freiwillig Aus Einsicht und aus Liebe folgen wir. Drum frag' ich heute alle, wie in Sichern Einst Josua: Wollt ihr beim Bunde bleiben? / Ja! Stimmen in mä,htigem Chor): w.r wol]en es, Aboab: Wem es zur Last ist, gehe! Stimmen (die ganze Versammlung): Wir bleiben alle, alle,! Aboab: Dann sei der Bund Heut feierlich durch einen Eid erneuert. 1 Wendet sich dem Thoraschrein zu. David zieht den Vorhang zur Seile und öffnet den Schrein. Man erblickt die reihenweise aufgestellten, in kostbare Stoffe gehüllten Thoraroiien.) An unsre Heiligtümer laßt uns denken! (Nimmt eine Thorarolle heraus und führt sie an die Lipren): Bevor wir ziehn, wird manches noch geschehn, Uns zu erschüttern: wenn man lockt und droht, Dann lebe dies Gesetz in eurem Geiste! (lieht die Thoraroiie hoch.) Bei dieser alten Thora laßt uns schwören: Wir halten fest an Gott und unserm Bund! Alle Versammelten: Wir schwören es! Aboab: Berühre denn ein jeder Zum Zeichen seines Eides das Gesetz! (Er reicht die Thora, nachdem er sie wieder geküßt, David, der sie langsam durch die Versammlung trägt. Jeder berührt sie mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger, die er dann an den .vlund führt. Diese Zeremonie wird von mehreren Umstehenden gleichzeitig vorgenommen.) Und nun, da wir in Jakob uns vereint, In diesem Augenblick, wo unser Schicksal Sich für Jahrhunderte, vielleicht für immer wendet: Schaut euch den Felsen an, von dem ihr stammt, Den Quell, aus dem ihr flösset, und das Ziel, Dem Israel sich stetig nähern muß: Von Zion kommen wir, -• wir gehn nach Zion! Montalto (faßt Aboab am Arme): Was tut Ihr, Rabbi? Stimmen (in der Umgebung Montaitos;: Er dient Abarbanel! Aboab (sich losmachend): Nur Gottes Stimme höre ich heut, nicht euch! Bar-Elisa: Ihr lästert wie Abarbanel! Aboab: Nein, mein frommer Bar-Elisa! „Vollenden ist nicht unsere Pflicht, jedoch Beginnen." „Wie die Sonne langsam aufgeht, So naht uns nach und nach nur die Erlösung."

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