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Die Welt · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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(1902) stellt einen wertvollen Beitrag zur arabischen Literaturgeschichte dar; die Einleitung gruppiert die Gesichtspunkte für eine Kulturgeschichte der Juden unter arabischer Herrschaft, und der Hauptteil des Buches verzeichnet Schriften von bekannten Autoren in geographisch-chronologischen Abteilungen mit Mitteilungen über die Verfasser und die Quellen. Von dem neuesten Buche Steinschneiders „Die Geschichtsliteratur der Juden" (1905) ist erst die erste Abteilung, die die Bibliographie der hebräischen Schriften gibt, erschienen. Das Buch bedeutet weit mehr als eine bloß chronologisch geordnete Zusammenstellung von Handschriften und Druckwerken in der Form von Regesten. Steinschneider geht vielmehr auf den Inhalt alles dessen näher ein, was eigentliche Geschichte oder dieser nahestehende Materie behandelt, und er gibt eingehende Beurteilungen dieser Literatur unter steten Hinweisen auf die Quellen. Von größeren zusammenfassenden Arbeiten, die in Zeitschriften erschienen und fast sämtlich erst in den letzten Jahren zum Abschlüsse gekommen sind, sind noch zu nennen: „Die Mathematik bei den Juden", „Die Heilmittelnamen der Araber", „Allgemeine Einleitung in die jüdische Literatur des Mittelalters", „Die italienische Literatur der Juden vom XVI. bis zum Ende des XVIII. Jahrhunderts", „Christliche Hebraisten", sowie eine gleichfalls von der Acad6mie des Inscriptions preisgekrönte Arbeit: „Die arabischen Übersetzungen aus dem Griechischen", die abschnittweise (Philosophie, Mathematik, Medizin) in verschiedenen Zeitschriften erschien. Zu dieser großen Zahl von fachwissenschaftlichen Arbeiten aus den Gebieten der orientalischen Literatur- und Kulturgeschichte sowie der hebräischen Bibliographie kommt noch eine Reihe von Arbeiten allgemeineren Inhalts, die Steinschneiders Vielseitigkeit, seine Vertrautheit auch mit Materien, die seinem eigentlichen Studienkreise nicht angehören, die Tiefe seiner philosophischen Erkenntnis und die Abgeklärtheit seiner Lebensanschauungen im schönsten Lichte zeigen. Hierher gehören ein in Virchow-Holtzendorffs Sammlung gemeinverständlicher Vorträge erschienener Vortrag „Über Bildung und den Einfluß des Reisens auf die Bildung" und eine Abhandlung über den „Aberglauben" die Steinschneider mit den schönen Worten schließt: „Es ist nichts unerquicklicher als über den Glauben streiten, nichts edler als seinen eigenen Glauben läutern vom — Aberglauben." Steinschneider ist in seiner Darstellung knapp, schlicht und ungekünstelt, jeder auch nur phrasenhaft klingende Ausdruck wird sorgfältigst vermieden, er ist ein Meister auch in der äufoeren Form. Sein rastloser Fleiß beschenkt die Wissenschaft, vor allem die, die er begründet und ausgebaut, noch dauernd mit neuen grundlegenden Ergebnissen seiner Forschung. Unser Wunsch zu seinem 90. Jubeltage ist es, daß das noch lange Jahre so bleiben möge. o( o □□□□□□ FEUILLETON □ □□□□□ jj o ABARBANEL DAS DRAMA EINES VOLKES Von Alfred Nossig (Schluß) 2. Szene Die Vorigen. Senior und seine beiden Söhne. (Durch den Eingang links tritt Senior, gebrochen und totenbleich, gestützt auf seine Söhne, ein. Man macht ihm Raum und läßt ihn zur Estrade vorschreiten, die er von der linken Seite besteigt.) Stimmen (links, während die Seniors vorbeischreiten): Was bringt ihr? Sprecht! (Senior schreitet unbeweglich weiter, seine Söhne wenden die Köpfe weg.) Montalto (als Senior die Estrade betritt): Don Abraham! Ein Wort! Senior (macht eine abwehrende Handbewegung). Viele Stimmen: Sprecht! Sprecht! Senior (mit offenbarer Mühe sich zum Sprechen aufraffend): Ich will euch alles, wie es kam, erzählen. (Tiefe smie.) Man führte mich zum König in den Saal. Er war allein. Viele VOn den Versammelten (halblaut, einander erfreut zuwinkend): . f Er war allein! Senlor: \ Ich faßte Mut . . . ,Was wollt Ihr noch?" so fragt' er stirnerunzelnd. — „Sire! Erbarmen!" — „Wir ändern nichts an dem Edikt." — „Ein ganzes Volk dem Hunger preisgegeben! Laßt eure Großmut sprechen!" „Ihr — oder wir! So steht die Frage heut." — „Es gibt noch Wege" — „Ja, Ein's. Die Taufe!" „Zu allen Opfern sind Wir für den Staat bereit, — nur laßt uns hier!" „Man kennt die Opferfreudigkeit der Juden!" „Bestimmt die Steuer selbst, — wir zahlen sie!" Montalto: So viel er will! Stimmen in seiner Umgebung: Gewiß! Senior: Der König schwieg. Da sagte ich: „Für jedes Judenhaupt ein Goldstück!" Die Versammlung ^mm-meind): Ah! Montalto: Nun? Senior: Und wieder schwieg der König. Montalto (triumphierend): Er ist für II IIS! Senior: Er schien zu überlegen. Da geht ein Vorhang auf — Montalto: Die Königin! Senior: Sie war's. Ich zitterte. — „Sie bieten Gold?" Ruft sie mit Hohn. — „Sie bieten viel!" — so murmelt Der König. —- „Nicht um alle Schätze!" kreischt Sie wild. — „Und doch ist Gold im Staat ein Hebel!" Sagt sinnend Ferdinand. Montalto: Wie? Sagt' ich's nicht? Stimmen in seiner Umgebung: Er ist für uns! Senior: Doch sie drauf: „Was ist Gold! Es geht um Gott! Wir haben Gold, soviel wir wollen! Schwimmt Der Genueser heute nicht nach Indien? Er bringt uns mehr als alle Judenschätze!" „Und wenn er untergeht? Und wenn er heimkehrt Mit leeren Händen?" Montalto: So sagte Ferdinand? Viele Stimmen: Hoch! Hoch der König! Hoch! Senior: - „Dann nehmt," ruft sie, — „was ich besitze! Da! Das Halsband!" — Und streift es ab — „Das Diadem! Die Ringe! Die Ohrgehänge! Alles, was mein Schatz Enthält, — nur fort mit diesen Heiden!" Viele Stimmen (wehklagend)): ) Weh! Viele Stimmen (empört): ) Ah! Senior: Der König schwieg und schüttelte das Haupt. Da stürzt' ich auf die Knie: — „Laßt euch rühren! Ihr hattet Eltern, habet Kinder, wißt,

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