Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 14 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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dreizehnten Lebensjahre an die Talmudvorträge des durch seine Glossen und Scholien zu Mose Maimünis „ Jad-hachasaka" bekannten jüdischen Gelehrten Nehemia Trebitsch, dem er im Jahre 1832 nach Nikolsburg folgte. Nach einer einjährigen Tätigkeit als Lehrer des Französischen und Italienischen begab sich Steinschneider 1833 nach Prag, wo er bis zum Jahre 1836 Philosophie, Ästhetik. Pädagogik und neuere Sprachen studierte. Von 1836 bis 1839 betrieb er in Wien geschichtliche Studien. Hier war es, wo ihn der ausgezeichnete Literarhistoriker und Lexikograph Leopold Dukes auf die orientalische Literatur und Bibliographie hinwies. Steinschneiders Absicht, in die orientalische Akademie zur gründlichen Erlernung der orientalischen Sprachen einzutreten, scheiterte daran, daß man ihn als Juden nicht aufnahm. Dagegen hörte er an der Wiener Universität bei dem Theologen Karle Hebräisch, Syrisch und Arabisch. Steinschneider hatte damals die Absicht, sich zum Rabbiner und Prediger heranzubilden; er mußte jedoch diesen Plan zuuächst aufgeben, weil ihm die Wiener Polizei, nachdem er seine Studien zum Abschluß gebracht hatte, den weiteren Aufenthalt in Wien untersagte, und nur unter allerlei Fährnissen gelang es ihm, bis nach Leipzig zu kommen, wo er sich zu bleiben entschloß, um hier unter dem berühmten Semitisten Fleischer das Studium des Arabischen fortzusetzen. In die Leipziger Zeit fällt der Versuch einer wörtlichen Übertragung des Korans ins Hebräische und die Beteiligung an der von Delitzsch begonnenen Herausgabe des religionsphilosophischen Systems des Karäers Ahron ben Elija. Im Jahre 1839 kam Steinschneider mit einem Leipziger Universitätspasse nach Berlin, wo er vergleichende Sprachkunde bei Bopp studierte und mit Leopold Zunz und Abraham Geiger in nähere Verbindung trat. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Prag, wo er als Lehrer am Pädagogium wirkte, kehrte Steinschneider 1845 nach Berlin zurück, und nachdem er eingesehen hatte, daß der Beruf als praktischer Theologe ihm keine rechte Befriedigung werde geben können, legte er das Rektoratsexamen ab. In dieser Zeit erlangte er auch, nach Besiegung nicht unerheblicher Schwierigkeiten, das preußische Bürgerrecht. Im Jahre 1848 erhielt Steinschneider den Auftrag, die hebräischen Bücherbestände der „Bodleiana" in Oxford zu sichten und zu katalogisieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist der in den Jahren 1852 bis 1860 erschienene „Catalogus librorum hebraeorum in Bibliotheca Bodleiana", ein Werk, das weit über 3000 Quartspalten umfaßt und das Standard work der hebräischen Bibliographie überhaupt darstellt. Es verzeichnet 7600 Titel, denen großenteils, oft vollkommen neue Resultate gebende biobibliographische Notizen über die Autoren, Nachweise literarhistorischer und geschichtlicher Art hinzugefügt sind. 1850 erhielt Steinschneider von der Universität Leipzig die philosophische Doktorwürde. Seit 1859 hält Steinschneider literarhistorische und philologische Vorlesungen an der Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt in Berlin, und seit 1869 bearbeitet er die Judaica und Hebraica der Königlichen Bibliothek. Von 1859 bis 1882 gab er die „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" heraus, und von 1869 bis 1890 leitete er dieTöchterschule der Berliner jüdischen Gemeinde. Seitdem lebt Steinschneider lediglich seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Die Zahl der Steinschneiderschen Schriften, sowohl [der (selbständigen wie der Beiträge zu Sammelwerken, Gelegenheitsschriften, vor allem aber zu wissenschaftlichen Zeitschriften und periodischen Publikationen ist überaus groß, und nur einiges wenige kann darum hier genannt werden: Steinschneiders Erstlingsarbeit, mit der er sich in der wissenschaftlichen Welt einführte, war ein Vortrag über die „Fremdsprachlichen Elemente im Neuhebräischen", den er im Jahre 1844 vor der Dresdener Orientalisten Versammlung hielt. Durch Betrachtungen der Diätetik des Maimonides war Steinschneider zu einer Untersuchung über die Lehn- und Fremdwörter sowie der Laut- und Ideenwandlungen der Formation, Syntax, Etymologie und Rhetorik, die durch den Einfluß fremder Sprachen auf das Hebräische bedingt sind, gekommen. Für Ersch und Grubers Allgemeine Enzyklopädie bearbeitete Steinschneider (1850) in eingehenden bis heute unübertroffenen Untersuchungen u. a. die Artikel „Jüdische Literatur" und „Jüdische Typographie". Studien über die Beziehungen des Judentums zum Islam führten Steinschneider auch zu Untersuchungen über gegenseitige Polemik. Daraus erwuchs (1877) eine für die vergleichende Religionswissenschaft grundlegende Arbeit: „Polemische und apologetische Literatur in arabischer Sprache zwischem Muslimen, Christen und Juden". In seinen „Hebräischen Übersetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetscher" (1893), einer von der Pariser Academie des Inscriptions, gekrönten Preisschrift, weist Steinschneider die Bedeutung der Übersetzer als internationaler Kulturvermittler, im besondern den Einfluß fremder Literaturen auf die jüdische auf den Gebieten der Philosophie, Medizin und Mathematik bibliographisch-literarhistorisch nach. „Die arabische Literatur der Juden"