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Die Welt · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Natürlich gibt es auch Unzufriedene. Der eine meint, man hätte dies tun sollen, und der andere ist enttäuscht, daß man jenes nicht getan hat. Wer aber die Tätigkeit der Bank ohne Rücksicht auf eigene Hoffnungen und Wünsche, sondern daraufhin betrachtet, was sie im Verhältnis zu ihren Mitteln für die Förderung der jüdischen wirtschaftlichen Interessen im Lande geleistet hat, der wird ihr seine Anerkennung nicht versagen können und ihr auch die Vorsicht, mit der sie arbeitet, als einen Vorzug anrechnen müssen. Denn wenn sie ihre Tätigkeit vergrößern will, so muß die noch sehr junge Bank sich Vertrauen erwerben, und geschäftsmäßiges Vertrauen kann sie nur durch vorsichtige Kreditgewährung verdienen. Die geplante Ausdehnung der Bank auf weitere Plätze des Orients wird zweifellos die wirtschaftliche Geltung auch der bisherigen Filialen noch wesentlich erhöhen. Geschäftsbericht des „Hilfsvereins der deutschen Juden" ■^w^-'^m^m £:V4''ter^,. *r ^::0f^M <; K > - / p5* Mädchenschule des Hilfsvereins der deutschen Juden zu Jerusalem (Die Klischees zu <!en in dieser Nummer enthaltenen Reproduktionen wurden uns vom „Tlilfsvcreiiv freundlichst zur Verfügung gestellt.) Man hat sich allmählich mit der Tatsache abgefunden, dal.» die großen jüdischen Organisationen ihr Tätigkeitsfeld auf dem Boden der Philanthropie suchen und glauben, daß es genügt, sich mit den Judenfragen zu beschäftigen um der Judenfrage aus dem Wege gehen zu können. Und wir müssen noch zufrieden sein, wenn sich die Tätigkeit einer jüdischen Korporation nicht in unproduktiven, nutzlosen und verderblichen Unterstützungsfonds erschöpft, sondern darauf gerichtet ist, wenigstens im engen Rahmen, soweit es nun einmal die Grundsätze „des Ausgleichs der Gegensätze" zulassen, bleibende Werte zu schaffen und daran zu denken, daß das Judentum und die Not des Judentums nicht erschöpft sind in dem Unglück unserer Brüder in Rußland und 'Rumänien und nicht aufhören wird mit dem Schwinden der „Schmach des Jahrhunderts". Wenn wir also unter diesem Gesichtspunkte diejenige jüdische Organisation als die wertvollste bezeichnen müssen, die sich am meisten bemüht, für die Zukunft zu bauen und nicht mit der Hilfe zu warten, bis die Not der Gegenwart sie erheischt und unmöglich macht dann werden wir nicht umhin können, in erster Linie des „Hilfsvereins der deutschen Juden" zu gedenken, dessen vierter •i Vierter Geschäftsbericht 1905 des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herlin 1906. Geschäftsbericht*! uns nunmehr gedruckt vorliegt. Es ist in diesen Tagen des Jammers und Elends oft mit Stolz und Genugtuung hervorgehoben worden, daß eine so junge Organisation wie der ..Hilfsverein" im kurzen Zeitraum von zwei Monaten fast 2\'2 Millionen Mark für das russische Hilfswerk aufgebracht hat. Man hat mit dankbarer Anerkennung auf die eifrige und hingebungsvolle Tätigkeit des geschäftsführenden Vorsitzenden Herrn Dr. Paul Nathan hingewiesen, der nicht gezögert hat, sich selbst an Ort und Stelle von dem Umfange des Unglücks zu überzeugen und sich über die Maßregeln zu informieren, die zu seiner Linderung zu ergreifen waren. Niemand wird diesem Werke und diesem Manne die Anerkennung versagen. Und doch liegt nicht einmal der bedeutungsvollere Teil der Arbeit des Hilfsverein's hierin. Wir ersehen aus dem Jahresbericht wieder, wie große und dankenswerte Anstrengungen der Hilfsverein und seine Komitees machten, die Auswanderung zu regeln und den Auswanderern beizustehen. Freilich sehen wir aber da auch, was noch fehlt, um das Los dieser Unglücklichen halbwegs erfreulich zu gestalten: Arbeitsgelegenheit und Land. Und wir haben wieder Ursache, auf das lebhafteste zu be-

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