Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 13 DIE ELT 19 Referat bringen die Delegierten ihre Wünsche, die Agitation betreffend, vor. Markus (Kuttenberg) verlaugt die Herausgabe einer tschechischen Broschüre, eines ABC-Buches für angehende Zionisten, sowie die Ausbildung einer genügenden Anzahl von tschechischen Rednern. Dr. Margulies wünscht mehr Wert gelegt zu sehen auf die Erziehung und Heranbildung der Jugend in zionistischem Sinn. Kohn (Raudnitzi regt die Bildung von Seminarien an, in denen die Zionisten mit allen Fragen des jüdischen Lebens und des Zionismus von Grund aus bekannt gemacht werden und erwähnt die günstigen Erfolge eines von ihm in Raudnitz eingerichteten Seminars. Die gewählte Ürganisationskommission erstattet hierauf durch ihren Referenten, Dr. Meisel, Bericht und schlägt vor, als Exekutive des Delegiertentages eine „Parteileitung ' zu wählen, welche aus sieben in Prag wohnenden, das „Distriktskomitee" bildenden und neun in d^r Provinz wohnenden Mitgliedern bestehen soll, Nach längerer Debatte, die um 1 Uhr abgebrochen und um halb 3 wieder aufgenommen wird, werden die Anträge der Kommission angenommen, nachdem sich der Delegiertentag gegen den Vorschlag ausgesprochen hat. Hierauf erstattet Herr Moritz Lö wy den Bericht als Nation alfondkommissar. Nach kurzer Debatte wird dem Referenten das Absolutorium erteilt. Di\ Margulies beantragt folgende Resolution: Der Delegiertentag spricht sich dahin aus, daß die Zionisten in allen jüdischen Kreisen die Aufmerksamkeit auf die Institution „Bezalel" zu lenken haben. (Angenommen.) Freud (Prag) legt allen Delegierten ans Herz, für die möglichste Verbreitung der Zeitschrift „Altneuland" zu sorgen. Fantl (Podebrad) beantragt: Der Delegiertentag beauftragt das Distriktskomitee, für die Herausgabe einer einführenden Agitationsbroschüre in böhmischer Sprache zu sorgen. (Angenommen.) Zum Schlüsse wurden die Wahlen vorgenommen. Ins Distriktskomitee wurden gewählt die Herren: Präsident: Dozent Dr. F. Weleminski. Mitglieder: A. Glaser, Dr. Kohn, Jul. Löwy, M. Löwy, Dozent Dr. Mahler, L. Propper. In die Parteileitung die Herren: Bechert (Teplitz), Beutler (Kolin), Dr. Ehrlich (Budweis), Dr. Hirsch (Komotau), Dr. Koch (Pilsen), M. Klein (Pisek), L. Markus (Kuttenberg), L. Steiner (Teplitz), Weiß (Podebrad). Ersatz: Kobler (Kolin), Dr. Margulies (Teplitz), Milrat (Kuttenberg), Rauscher (Pilsen), W ein er (Pisek). Zu Revisoren wurden gewählt: J. Karpeles, Ing. Mahl er; zum Nationalf ondkommissar: M. Löwy. Dozent Dr. Mähler dankte hierauf dem Präsidium und mit Dankes Worten an die Teilnehmer schloß Herr Bechert um halb 6 Uhr abends den Distriktstag. Das neugewählte Distriktskomitee hielt sofort nach der Wahl eine Sitzung ab, in welcher die Konstituierimg vorgenommen wurde. Zu Präsidenten-Stellvertretern wurden die Herren Mll. Dr. Moritz Kohn und Fabrikant Anton Glaser, zum Kassierer Herr Moritz Löwy, zum Sekretär Herr Julius Löwy und zum Inspektor Herr Ludwig Propper gewählt. Deutschland Berlin, im März 1906. Die Verbindungen im Kartell zionistischer Verbindungen Hasmonaea, (Berlin) und Jordania, (München), geben folgenden Bericht von ihrer Tätigkeit im verflossenen Wintersemester 19051/906: Den Schwerpunkt unserer Arbeit legten wir wie stets auf die Propagierung des zionistischen Gedankens. Durch wöchentlich stattfindende zionistische Seminarien sowie durch Vorträge einzelner Bbr. Bbr., die teils allgemein jüdische, teils rein zionistische Themen behandelten, suchten wir die Mitglieder unserer Verbindungen für die selbständige zionistische Arbeit vorzubereiten. Wie in früheren Semestern, hatten sich auch in diesem einige Herren der Berliner zionistischen Vereinigung in liebenswürdigster Weise zu Vorträgen zur Verfügung gestellt. Es sprachen vor zahlreicher Zuhörerschaft: in Berlin: Herr Davis Trietsch über: Gegenwartsarbeit im Zionismus. Herr Dr. Bruno Blau über: Die rechtlichen Grundlagen der Kolonisation. Herr Bbr. Schmul über: 100 Jahre nach Gabriel Rießers Geburt. Herr Bbr.Wunderlich über: PinskersAuto-Emanzipation. Herr Bbr. Rosenzweig über: Herzls Judenstaat, in München: Herr Bbr. Teilhaber über: Die Grundlagen des Zionismus. Derselbe über: Entstehung des Judentums. Herr Dr. Elias Auerbach über: Entstehung des Christentums. Derselbe über: Judennot und Zionismus. Herr O. V. G. Tachauer über: Die Zeit der Propheten. Herr Bbr.Müllerheim II über: Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter. Herr Bbr. Jakobsohn über: Staatsbürgertum und Zionismus. Herr Bbr. Levy über: Moses Heß. Herr Bbr. Peissakowitsch über: Pinskers Auto-Emanzipation. Herr Bbr. Müllerheim II über: Herzls Judenstaat. An den Arbeiten der Ortsgruppen Berlin und München und an dem Unterricht in den Arbeiterkursen beteiligten sich die Bundesbrüder in gewohnter Weise. Außerdem nahmen wir tätigen Anteil an den Arbeiten des Vereins für Statistik der Juden und stellten uns dem „Jüdischen Volksverein" bei seinen aufopfernden Bemühungen um die aus Rußland durchwandernden Juden zur Verfügung. In den Kampf um die Besetzung des Direktoriums der Akademischen Lesehalle zu Berlin griffen wir energisch ein. Wir veranstalteten Mitte Januar eine von 300 Studenten besuchte „Jüdische Akademikerversammlung", in der Bbr. cand. med. Unna unter großem Beifall über „Die Lage des Judentums und die Pflichten der jüdischen Studentenschaft" sprach. Daneben sorgten wir, unseren Tendenzen und unserem Charakter als Verbindung getreu, auch für die körperliche Ausbildung unserer Bbr. Bbr, durch eifriges Fechten wie durch Beteiligung in den jüdischen Turnvereinen Berlins und Münchens. Der noch so jungen Verbindung „Jordania," München, gelang es, nicht zum geringsten Teil durch gesellige Veranstaltungen, mit den weitesten jüdischen Kreisen in Fühlung zu treten. Das wichtigste Ereignis des Semesters bildete der Abschluß des Kartells zwischen den beiden zu Eingang genannten Korporationen. Wir richten auch an dieser Stelle an die Ortsgruppen die dringende Bitte, uns durch Angabe von Adressen jüdischer Abiturienten und Studenten in unserem Werke zu unterstützen. Das Ergebnis des Semesters ist recht günstig und berechtigt zu der Hoffnung, daß das K. Z. V. wachsen und gedeihen wird. Das Kartell zionistischer Verbindungen I. A. Die Ferien-Kommission der Präsidialverbindung im K. Z. V.: Hasmonaea, Berlin. Zu schriftlicher oder mündlicher Auskunft sind gern bereit: Berlin: cand. med. Lichtheim, Tauenzienstraße 9. stud. jur. Rosenzweig, Wilsnackerstraße 45 a. München: cand. med. Bernheim, Rothmundstraße 6. cand. med. Theilhaber, Pettenkoferstraße 23. BÜCHER-REVUE JS^=J Deutsch-hebräisches Wörterbuch von Dr. M. Margel, Bezirksrabbiner in Pozega. XIV u. 867 Seiten. Pozega 1904—1906. Verlag L. Kleins Nachfolger in Pozega (Slav.L Ladenpreis 20 Kronen. Endlich hat eine der bedeutendsten Autoritäten auf dem Gebiete des rabbinischen Schrifttums und des neuhebräischen Sprachstudiums sich über Dr. Margeis deutsch-hebräisches Wörterbuch geäußert. Der rühmlichst bekannte Gelehrte Professor Dr. August Wünsche in Dresden hat den großen Wert des Margeischen Wörterbuches für die neuhebräische Literatur rückhaltlos öffentlich anerkannt. Beim Erscheinen des ersten Heftes dieses großartigen Werkes, in das ich durch das freundliche Entgegenkommen seines Verfassers schon früher Einsicht genommen habe, hob ich in verschiedenen jüdischen Zeitschriften dessen Bedeutung für das neuhebräische Sprachstudium hervor. Da kam ein in wissenschaftlichen Kreisen ganz unbekannter Herr und veröffentlichte in einem ganz unscheinbaren, literarisch gar nicht in Betracht kommenden Blättchen 'eine abfällige Kritik des in Rede stehenden Wörterbuches, das^er nie gesehen hatte, da es noch nicht erschienen war. Charakteristisch für diese Art Kritik ist es, daß der Kritiker meinte, es sei gar nicht schwer, ein deutsch-hebräisches Wörterbuch zu verfassen. Ich bringe dieses nur deswegen vor, um zu illustrieren, mit welchen Widerwärtigkeiten ein Autor zu kämpfen hat, wenn ihn das Schicksal zum Rabbiner einer bescheidenen Gemeinde Slavoniens macht.