Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316186-3316200--47968-3342876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Neid und Mißgunst waren aber nicht in der Lage, des Verfassers Lust zum Arbeiten lahmzulegen, sondern spornten ihn noch zu tatkräftigerer Arbeit an, so daß Verfasser vorliegenden Wörterbuches während dieser Zeit sein deutsch-aramäisches Wörterbuch beinahe fertiggestellt hat, das jetzt in Druck gegeben wird. Im Anhange zum deutsch-hebräischen Wörterbuche versteht es der Verfasser, dem Leser einen Einblick in den Geist und die Entwicklung der neuhebräischen Sprache zu gewähren. Neubildungen, wie sie seit einem Jahrhundert in der hebräischen Literatur Bürgerrecht erworben, werden an der Hand eines reichen Analogienmaterials historisch gerechtfertigt und sprachlich erklärt. Die Phrasen und Sprichwörter sind, um die richtige Auswahl treffen zu können, in sehr vorsichtiger Weise berücksichtigt. Die Synonyme sind zwar nicht überladen, aber das, was für ein 'Wörterbuch von der Bedeutung des Margelschen wichtig zu sein scheint, fleißig zusammengestellt. Mit einem Worte: Das Margeische deutsch-hebräische Wörterbuch ist ein wahrhaft unentbehrliches Hilfshandbuch für Hochschullehrer, Rabbiner, Geistliche wie für Lehrer des Hebräischen und sonstige hebräische Schriftsteller. Ich lasse einige Beispiele hier folgen: Der zum Sprichwort gewordenen talmudischen Phrase nie "::d mo (Gleiches mit Gleichem vergelten! wird das reinhebräisch klingende intfyDD b]} b)ül oder ipTl *?N *r6iy£ uswangefügt. Es wird also dem Geschmacke des jeweiligen hebräischen Schreibers überlassen, seine Entscheidung für das eine oder das andere zu treffen. Fernrohr heißt nspi^D aber auch p^n pp< letzteres ist wörtlich übersetzt; heißt nun Fernsprecher pimcb so wlV(^ dagegen das Fremdwort Telephon ganz einfach hebräisch transkribiert, da die bedeutendsten hebräischen Schriftsteller der richtigen Ansicht sind, daß, was den modernen Sprachen erlaubt ist, der hebräischen Sprache nicht verboten werden kann {Ben Jehouda ,-iin (DD nnDyn wbn (T?C £S£n*v> Einleitung S. 20 f.). Wir wollen im Interesse der" guten Sache hoffen, daß das Margeische Buch, dem von autoritativer Seite so hohe Anerkennung gezollt wurde, auch die wünschenswerte Verbreitung finden werde, da es ein Verdienst wäre, dem Verfasser Gelegenheit zu bieten, daß er so schnell als , möglich auch mit seinem deutsch-aramäischen Wörterbuch vor die Öffentlichkeit zu treten in der Lage sei. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann. °°£^5^V_NOTIZEN ^^^2E Der Herausgeber der „Hazefirafr', N. Sokolow, befindet sich seit einiger Zeit im Auslande, um Material darüber zu sammeln, wie sich die Emanzipation der Juden in den westeuropäischen Staaten vollzogen und welche Ergebnisse sie für diese Staaten gezeitigt hat. Dieses Material soll dann als theoretische Unterlage für ein Werk über die Emanzipationsfrage in Rußland dienen. Herr Sokolow, der sich zuerst in Holland aufgehalten und dort mit Unterstützung des (einzigen jüdischen) Senators D. F. S. van Nierop und der Herren Prof. Jacques Oppenheim, Obergerichtsvizepräsident Dr. A. de Pinto, Bibliograph S. Seeligmann, Bibliothekar der Rosenthaliana J. M. Hillesuni und Dr. E. Slyper seine Aufnahmen begonnen hat, hat sich nunmehr zur Fortsetzung seiner Arbeiten nach England begeben, wo er gleichfalls die Unterstützung der maßgebenden Persönlichkeiten gefunden hat. Auch in Deutschland, Belgien und Italien wurden für diesen Zweck Kommissionen gebildet, die durch Kollegien in anderen Staaten ergänzt werden sollen. Es ist ungemein bedauerlich, daß das verdienstvolle Unternehmen Sokolows bereits in seinen Anfängen von einer unqualifizierbaren Verleumdungskampagne bedroht wird, die ihren Anfang in einigen russisch-jüdischen Blättern nahm, und die man nunmehr auch nach Westeuropa zu übertragen versucht. Aus der Tatsache, daß ein Verteidiger Sokolows in dessen letztem Prozeß anführte, Herr Sokolow befinde sich im Auftrage des Ministeriums des Auswärtigen im Auslande, wurden die schwersten Verleumdungen gegen Sokolow abgeleitet. In Wahrheit hat Herr Sokolow von dem russischen Ministerium des Auswärtigen nur eine Empfehlung mitbekommen, die ihm die Benutzung der fremdländischen Archive ermöglichen sollte. Wir können nicht umhin, unserem außerordentlichen Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß ein sonst in zionistischen Dingen gut informiertes und dem Zionismus freundlich gegenüberstehendes Blatt wie der „Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums" in Berlin unvorsichtig genug war, sich in dieser Angelegenheit von einem gewissenlosen Korrespondenten in einer unglaublichen Weise mißbrauchen zu lassen. Schon die einfache kollegiale Pflicht hätte die Redaktion veranlassen sollen, zuerst genaue Erkundigungen einzuholen, ehe sie über einen Artikel den Titel setzte: „Sokolows Glück und Ende", um dann Denunziationen Raum zu geben, die man als Ehrabschneidereien schlimmster Art bezeichnen muß. Es ist unerhört, daß sich die erwähnte Korrespondenz dazu versteigt, zu erklären: „Offenbar bereiste Sokolow auf Kosten des Ministeriums das Ausland, um die jüdischen Bankiers daselbst von dem guten Willen der russischen Regierung gegen die Juden zu überzeugen." Das ist einfach unqualifizierbar. Wir glauben aber erwarten zu können, daß der „Generalanzeiger", den schweren Verstoß bedauernd, selbst Herrn Sokolow die schuldige Genugtuung geben und seinem skrupellosen Korrespondenten gebührend heimleuchten wird. Morris Rosenfeld schwer erkrankt! Morris Rosenfeld ist von einem großen Unglück heimgesucht worden. Kurze Zeit, nachdem er seinen Sohn verloren hat, ist er selbst schwer erkrankt: Eine Lähmung des rechten Armes wird den Dichter, dessen Gesundheit leider schon vorher sehr zerrüttet war, mindestens für ein Jahr ans Krankenbett fesseln. Seine Familie ist dadurch aller Existenzmittel entblößt. Mehrere jüdische Schriftsteller, darunter Eliakum Zunser und Scholern Aleichem, haben in der jüdischen Presse in Amerika und Europa Aufrufe erlassen, in denen sie sich „an das jüdische Volk wenden, daß es dem großen jüdischen Dichter in seiner Not beistehe." Die Redaktion der „Welt" tritt diesen Aufrufen bei, mit dem herzlichen Appell an die vielen Freunde, die der kranke Dichter in Westeuropa gefunden hat, zu einer Ehrengabe beizusteuern, die ihm zugleich ein Zeichen der Teilnahme und eine kleine Hilfe in seiner bedrängten Lage sein soll. Wir bitten Beiträge hierzu, die wir dann nach Abschluß der Sammlung in unserm Blatte ausweisen wollen, an die Expedition der „Welt" zu senden. Köln, 28. März 1906. Die Redaktion der „Welt": Berthold Feiwel, A. Coralnik. Briefmarken wolle man wegen des neueingeführten hohen Zolles vom Auslände nicht mehr nach Wien einsenden. Von Deutschland möge man Briefmarken sowohl wie Zigarrenabschnitte und Staniol an die dortige Zentralsammelstelle, Frau Dr. Margarethe Joel, Bechergrube 58, in Lübeck abliefern. Wiener Reise- und Modeausstellung in London Die Firma Rudolf Gold stein, Wien IL, Taborstr. 54, wird bei der vom 1. Mai bis 30. September a. c. stattfindenden Reise- und Modeausstelkmg in London ihre bestbekannten Erzeugnisse in Synagogenbekleidungen ausstellen. Es ist das erstemal, daß Synagogenkleider vor einer größeren Öffentlichkeit ausgestellt werden, und sicherlich werden diese das lebhafteste Interesse finden. Den Herren Kultusvorständen, Rabbinern und Kantoren wird mitgeteilt, daß die auszustellenden Objekte drei Tage vor Absendung derselben nach London im Wiener Modeklub zu besichtigen sind. Verlag „Die Weltik Köln, Ubierring 23. — Verantwortlicher Redakteur Julius Berger. -— Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.