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Die Welt · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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nicht ein, so gilt dies als Zeichen des Einverständnisses der betreffenden Ministerien mit der Erteilung der Konzession, und das Ministerium für Handel und Industrie entscheidet alsdann das Gesuch von sich aus. Grenzsperre in Österreich In jüngster Zeit treffen besonders die österreichischen Grenzbehörden die schärfsten Maßregeln, um die Ein- oder Durchwanderung russischer Flüchtlinge zu verhüten. So wurde erst vor einigen Tagen 52 aus Jekaterinosla w über Jassy geflüchteten Juden der Eintritt nach Österreich verboten. Die Flüchtlinge befinden sich in größter Verzweiflung in Burdujeni, da auch Kumänien ihre Aufnahme verweigert. Das Fremdengesetz im englischen Oberhaus London, 22. März. Im Laufe der Debatte über die Handhabung des Gesetzes, betreffend die Einwanderung von Fremden, erklärte Lord Fitzmaurice, daß dem Auswärtigen Amte fortgesetzt Beschwerden über Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zugehen, die sich bei der Ausführung des Gesetzes herausgestellt hätten. Es könnte im Interesse der Gerechtigkeit sowie der guten Beziehungen zu den auswärtigen Mächten notwendig werden, das Gesetz abzuändern. o o o o o o o 1 O Q ojj AUS DER BEWEGUNG o o o o o Rußland Eine zionistische Ansiedlergenossenschaft Die Zionisten aus Krementschug mit dem Rabbiner Freidenberg an der Spitze sind jetzt mit |der Organisation einer Gruppe von Emigranten beschäftigt, die sich in Palästina auf der Grundlage einer Assoziation ansiedeln sollen. Die Gruppe wird 500 Familien umfassen, die ein entsprechendes Stück Land erwerben sollen, wo sie sich mit Ackerbau, Viehzucht, Gartenbau, Handel etc. beschäftigen können. Es ist schon ein Organisationsbureau gebildet worden, das einen Prospekt veröffentlichte, worin der Ansiedlungsplan entwickelt wird. Zunächst wird nach Palästina und Konstantinopel eine Delegation, bestehend aus 3—5 Mann, entsandt werden, die die notwendige Konzession erhalten und Land diesseits oder jenseits des Jordans ankaufen soll. Um die Ausgaben der Delegation zu decken, wird jedes Mitglied der Gruppe 5 Rub. beitragen. Dieser Beitrag kann erhöht oder vermindert werden. Im Falle der erfolgreichen Tätigkeit der Delegation wird die Gruppe unter ihren Mitgliedern ein Kapital von 500 000 Rubeln sammeln, vermittels einer Emission von Aktien ä 500 Rubeln. Das Komitee hat das Recht, für manche Mitglieder den Beitrag herabzusetzen oder sie ganz davon zu befreien, für andere hingegen die Beiträge zu erhöhen und sogar die Erwerbung einiger Aktien — aber nicht mehr als zehn — zu verlangen. Das kann das Komitee tun unter Berücksichtigung der Größe, der Arbeitsfähigkeit, der physischen und geistigen Kräfte der einzelnen Familien. Die Organisation der Gruppe an Ort und Stelle wird durch die Gruppe selbst besorgt werden. Für die Verwaltung der allgemeinen Geschäfte wird die Gemeinde ein Komitee wählen; die allerwichtigsten Fragen, wie z.B. ob man den Boden jeder einzelnen Familie zuteilen oder ihn gemeinsam bearbeiten, ob man einen neuen Beschäftigungszweig einführen soll etc., wird auf den allgemeinen Versammlungen entschieden. In der ersten Zeit werden der ganze für Ackerbau und Viehzucht geeignete Boden und alle Immobilien das Eigentum der Gemeinde bilden. Für die Arbeit wird jedermann einen Lohn nach einer festgesetzten Taxe bekommen. Alle Lebensmittel werden in den Gemeindemagazinen für Geld gekauft werden. — Soweit der Prospekt. Ein detaillierterer Plan wird nach der Rückkehr der Delegation durch eine Mitgliederversammlung ausgearbeitet werden. Aufklärungen sind beim Rabbiner Freidenberg in Kremetschug zu erhalten. Ein Aufruf an die Jugend Die Zeitschrift „Kadimah" bringt folgenden Aufruf: Genossen! Seit dem 7. Kongreß, wo eine Resolution wegen „realer Arbeit in Palästina'4 angenommen wurde, haben wir Zionisten in dieser Richtung eigentlich nichts „Reales" unternommen. In der zionistischen Presse sowie bei zionistischen Versammlungen und Meetings bekommt man vielfach flammende „Aufforderungen zur Arbeit" zu hören, die leider oft dadurch erledigt werden, daß sie in einem Meer von theoretischen Vorschlägen, Diskussionen und Debatten versinken. Indessen wächst in Palästina das Bedürfnis nach jungen und energischen Kräften. Wir, die zionistische Jugend, müssen unverzüglich nach Palästina gehen, um dort im Schweiße unseres Angesichtes das Fundament zum Bau zu legen. Wir wenden uns an all diejenigen unter unseren Genossen, die die Notwendigkeit dieser Arbeit anerkennen — an alle, die ihr Teil an Arbeit unserem Volke widmen wollen. Wir bitten alle, die unseren Ruf aufnehmen wollen, nicht später als bis zum 15. März sich zu melden. Zu diesem Zeitpunkte wollen wir eine Konferenz aller Gesinnungsgenossen einberufen, um über unsere künftige Tätigkeit in Palästina zu beraten und unser Programm auszuarbeiten. Wir wenden uns nur an die Jugend (nicht unter 18 Jahren), die bereit ist, und erbitten eine Antwort auf folgende Fragen: a) Alter? b) Beschäftigung? c) Bildungsgang? d) Wohnort? e) Welche Sprachkenntnisse? Mit Zionsgruß M. Sokolowsky, Golta; N. Kizis, Ananjew; Sch. Schwarz, Bogopol; J. B. Tyrowsky, Odessa; J. Chelemer, Proskurow. Böhmen Nachträglicher Bericht über den böhmischen Zionistentag Vor einiger Zeit fand irn großen Saale des jüdischen Vereins ha us es in Prag der vom böhmischen Distriktskomitee einberufene Delegiertentag der zionistischen Vereine des Distriktes Böhmen statt. Der stellvertretende Vorsitzende des D. K., Herr Moritz Lüwy, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er die Delegierten, die in ungemein großer Zahl erschienen waren, sowie das den Beratungen beiwohnende Mitglied des A. K*, Herrn Architekten Oskar Marmorek begrüßte. Der vom Sekretär des D. K., Herrn Julius Lö wy erstattete Rechenschaftsbericht spricht zunächst die Freude des D. K. aus, den Delegiertentag im eigenen Heini abgalten zu können. Der Bericht konstatiert weiter das stete Anwachsen der zionistischen Bewegung in Böhmen sowie ihr Eindringen in Kreise, die bisher unserer Idee ferngestanden sind. Neue Ortsgruppen wurden während des abgelaufenen Jahres gegründet in: Strakonitz, Podersam, Podebrad, Tachau, Dux, Brüx und Nachod. Vorbereitet ist die Konstituierung von gesinnungsgenössischen Vereinen in 8 andern Orten. Die böhmische. Organisation verfügt heute über 25 Vereine und in 18 andern Orten über Vertrauensmänner, ungerechnet die 14 Ortsgruppen der im Vorsommer 1905 gegründeten freien zionistischen Vereinigung. Die Mitgliederanzahl der vom abtretenden D. K. übernommenen Vereine, hat sich vielfach gehoben. Das zionistische Leben in den meisten Vereinen ist ein sehr reges. Zum Schluss« gedenkt der Bericht des Todes dreier Gesinnungsgenossen, de^ Ing. Otto Neumann, Artus Weil und Dr. Justitz. Die Versammlung hörte den Nachruf stehend an. Nach einer kurzen Debatte, an der sich die Herren Steiner (Teplitz), Dr. Margulies (Teplitz), Markus (Kuttenberg) und Freud (Prag) beteiligten, wurde dem abtretenden Distriktskomitee mi! sämtlichen Stimmen das Absolutorium erteilt. Der hierauf vorgetragene Kassabericht wurde ebenfalls genehmigend zur Kenntnigenommen und dem Distriktskomitee der Dank für seine Tätig keit ausgesprochen. Ein vorliegender Antrag auf Abänderung de> §12 des böhmischen Distriktsstatutes wird einer Kommissior (Dr. Ehrlich, Dr. Margulies, Dr. Meisel) zur sofortigen Beratung und Berichterstattung zugewiesen. Inzwischen hält Dozent Dr Mahl er sein Eeferat über „Gegenwartsarbeit", als welche er intensive und extensive Agitation, die vor keiner Gesellschaftsklasse Halt machen darf, bezeichnet. In der Debatte über diese-

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