Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfaro: Ja, ja, man sagt noch mehr - Es stecken Frauen hinter allem! Cendor und Stimmen (rechts): Schweigt! Alfaro: Kurzum, ins Rollen kam der Stein durch ihn! f So ist's! Mi mm en (links): s TA , ., , r. . ,; \ Durch ihn! Durch ihn! Alfaro: Wißt ihr, warum er jetzt Nach Zion geht? Ein neues Unglück brütet Sein Ehrgeiz aus: Er träumt von einer Krone! Abarbanel (der bis jetzt während Alfaros Rede mit gekreuzten Armen .stolz lächelnd dastand): Gott kennt mein Herz! Alfaro: Wenn eine Krone winkt, Da wird Abarbanel ganz plötzlich fromm! Stimmen (links): Ha, ha, ha, ha! Cendor: Und war es so! Hat Gott Uns einen Retter nicht versprochen? Bar-Elisa und seine Umgebung: Er lästert! Cendor: Und ist Don Isaac nicht aus Davids Haus? Gebührt ihm nicht die Krone? Stimmen (links): Heil ihm! Heil! Bar-Elisa (zu Abarbanel): Was? Bist du Meschiach, Schweineesser du? Alfaro und seine Umgebung: Ha, ha! Bar-Elisa: Schweinefleisch bleibt Schweinefleisch, selbst wenn Man's an des Königs Tafel ißt! (zu Abarbaneis Anhängern): Ihr seid Die Rotte Koran! Fahrt dahin in Sünde Und Lästrung! Mögen eure Knochen bleichen Auf Zions Feldern, mögen euren Leib Die Geier stückweis' fressen, jede Spur Von euch soll ausgerottet sein! Stimmen in der Umgebung: Jimach sch'mom! Jimach sch'mom! Bar-Elisa: Doch wir, Die Gottesgläubigen, wir werden dauern, Wie wir die andern alle überdauert, Die falschen Führer! Uns ruft Adonai Dereinst nach Zion! - Geht mit Abarbanel Und modert! . . . Wir gehn mit Mosche ins Exil! Cendor und seine Umgebung: Ha, ha! Bar-Elisas Umgebung: So ist's! Alfaro und seine Umgebung: Nach Portugal, nach Holland! Mit Montalto! Cendor und seine Umgebung: Nach Zion! Mit Abarbanel! Alfaro und seine Umgebung: Narren, Verrückte! Bar-Elisa und seine Umgebung: B'nei Korach! B'nei Korach! f Wollt ihr Sklaven bleiben? Cendor und seine Umgebung: \ c , IU cn * * ( heiglmge! Ihr Sklaven! (Es entsteht ein unbeschreiblicher Tumult; man springt auf die Tische, rennt durcheinander, bedroht einander mit den Fäusten. Montalto versucht vergebens, sich Gehör zu verschaffen.! Montalto: Ruhe! Ruhe! Viele Stimmen: Holland! Viele Stimmen (in donnerndem, alles übertönendem (Jb.n): Zioil! Zioil! (Hinter der Bühne ertönen langgezogene, wie in einer Volksmenge sich fortpflanzende Choralrufe, die infolge des Tumultes auf der Bühne anfangs unverständlich bleiben.) Stimmen (hinter der Rühne): Senior kommt vom König! Seniorkommt! Montalto und Stirn m e n (auf der Bühne): Was war das? Ruhe! Hört! (Cendor klopft. Es wird allmählich stiller.) Stimmen (hinter der Bühne, vernehmlicher): Senior kommt V0I11 Köllig! (Plötzliche vollständige Stille auf der Bühne): Senior kommt! Stimmen (auf der Bühne): Senior kommt! Montalto: Wozu dann aller Streit? Er bringt uns die Erlösung! Warten wir! (Man drängt sich zum Eingang links. Die ganze Versammlung, Montalto und Aboab nicht ausgenommen, neigt sich gegen den Eingang hin und harrt so durch eine längere Weile in tiefster Stille und gespanntester, angstvoller Erwartung. Nur Abarbanel steht unberührt aufrecht da und betrachtet die Versammlung mit einem mitleidigen Blick.) iSchluL> folgt! c ooooooooo NACHRICHTEN =^""^- oooooooo Wahlen und Judenhetzen in Rußland Jekaterinoslaw. Zwischen den jüdischen und christlichen Wählern kam es zu einem Konflikt. Die Christen verbieten den Juden in den Versammlungen zu erscheinen, indem .sie sie des Separatismus beschuldigen. Als Begründung wird angegeben, «laß die Juden sich einmal ohne clie Christen versammelt hatten. Kamenec (Gouv. Podolsk), 25. März. Gestützt auf ihre große zahlenmäßige Überlegenheit im Kongreß der Städte bemühen sich die jüdischen Wähler, nur ihre jüdischen Kandidaten durchzudringen. Die christliche Bevölkerung ist sehr erregt, die Lage bedrohlich, es sind Maßnahmen getroffen worden, um Judenhetzen ■'.u verhindern. In Kamenec, Balta und Nemirow befinden sich inige Sotnien Kosaken, in andern Städten und Wahlorten sind Polizeiwachen verstärkt. In Kamenec ist die Lage noch vernickelter dadurch, daß die Bevölkerung gegen die Juden deshalb erbittert ist, weil diese gestern abend auf dem Wege, den der 'Gouverneur nahm, eine Petarde zum Platzen gebracht haben. IVtersb. Tel.-Agentur.) Wahlen und Judenhetzen auch in Frankreich Paris, 27. März. Im Departement Calvados wird gegenwärtig in von dem royalistischen Generalrat d'Arthenay unterzeichneter Settel massenhaft verteilt, worin es heißt, die Regierung brauche uroße Summen für die Wahl, und die jüdischen Bankiers hätten sich bereit erklärt, Geld vorzustrecken, jedoch ein Pfand verlangt. Die Regierung habe ihnen deshalb die in den Kirchen befindlichen Kostbarkeiten und Kunstgegenstände als Pfand angeboten, und zu diesem Zweck werde die Aufnahme des Kirchenbesitzes veranstaltet. Der Zettel hat die Bevölkerung lebhaft erregt. Die Flucht aus Hornel Die Sewero-Sapadnaja-Gazeta teilt mit, daß die Flucht aus Hornel einen panikartigen Charakter angenommen hat Während der letzten Woche allein verließen die Stadt mehr als 300 Familien, alle aus den wohlhabenden Klassen. Alle Züge in der Richtung nach Libau sind überfüllt; wer kann, flieht. Man fährt Uber Libau nach London, New York, Boston, Philadelphia, nach Afrika, Australien und nach allen Häfen England«. Man emigriert auch ans den benachbarten Ortschaften, aber speziell in Hornel macht sich die Emigration besonders bemerkbar: die Stadt wird leer, viele Geschäfte werden geschlossen und clie Firmen liquidieren. Frist für die Entscheidung über Gesuche ausländischer Juden zum Betrieb von Handel und Gewerbe in Rußland Gesuche ausländischer Juden um Zulassung zum Betrieb von Handel und Gewerbe werden vom Ministerium für Handel und Industrie im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und des Auswärtigen entschieden. Die Einholung der Gutachten dieser beiden letzteren Ministerien erforderte bisher gewöhnlich mindestens sechs Monate, manchmal auch ein ganzes Jahr, Im Hinblick darauf, dal.) die Heranziehung ausländischen Kapitals zur Anlage von kommerziellen und gewerblichen Unternehmungen sowohl im Interesse der Entwickelung von Handel und Industrie als auch zur Versorgung der russischen Bevölkerung mit Erwerbsgelegenheiten wünschenswert erscheint, hat das Ministerkomitee eine Frist von einem Monat für die Einholung der Gutachten der Ministerien des Innern und Auswärtigen vorgeschrieben. Laufen die Gutachten in dieser Frist