Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316200--47964-3342872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Montaito: Uns bedrückt Die harte Not heut! Laßt die Träume fahren! Alfaro: Nicht heut damit! Verführt uns nicht das Volk! Abarbanel: Heut oder nie! Wann kehrt der Zeitpunkt wieder? Halb Israel greift heut zum Wanderstab Die andere Hälfte folgt, wenn wir nach Zion gehn. LatU uns den heil'gen Tempel neu erbau'n ■— [ Chilül haschein! Bar-Iiiisa und seine Umgebung:! Der Fluch auf euch! \ Reißt ihm die Zunge aus! Abarbanel: Er wird wie ein Magnet, Der über alle Länder strahlt, die Brüder Nach Palästina ziehn! C en do r und Stimmen: Gewiß! Abarbanel: Und kein Moment War günstiger als dieser. Locker hängt Das Land heut an dem Reich der Mamelucken, Wie eine Frucht, die fallen will Cendor und Stimmen: So ist's! Abarbanel: Ergreifen wir sie! Ziehn wir auch als Sklaven Nach Zion ein wer weiß es! Übers Jahr Sind wir vielleicht schon frei im eignen Land! (Mächtiger Beifallsturm der Anhänger Abarbanels. Sie stampfen mit den Füßen, schlagen mit den Fäusten auf die Tische, drängen sich mit jubelnden Zurufen und erhobenen Händen zur Estrade in Abarbanels Nähe. Ihnen voran Cendor, der jetzt erst seinen Platz links verläßt. Dazwischen ertönen grimmiges Zischen, Gelächter und Wutausbrüche Alfaros, Bar-Elisas und ihrer Umgebung.! / Nach Zion! Auf! Nach Zion! Heil Abarbanel! Cendor und Mimmeu : Auf( He51 Abarbane]l Nach Zion, M O 11 t a 110 , hn t sieh während clor letzten Worte A b a r b a u e 1 s lebhaft gestikulierend mit .seiner Umgebung verständigt und mimisch .angedeutet, dal* Abarbanel den Wrstand verloren haben müsse. Nun erhebt er die Hand;: Ruhe! Ruhe hier! (Zu cendor): Tut eure Pflicht! Cendor (.schüttelt wild den Kopf, schwing) die Hol/klappe und ruft Abarbanel ziO: Nach Zion! Montaito: ' Lal.it mich sprechen! 'Allmählich legt sich der Tumult, im folgenden strömt ein groller Teil der Versammlung wie eine Woge Montaito zu.) Wir Sind ClltSCtzt! So kommt ein Unglück nie allein. Zu einer Gefahr tritt nur die andere. Gott will uns Verderben. Ich traue meinen Ohren nicht: Hin Staatsmann, ein Finanzminister predigt Hier Fieberphantasien! Will, dal.) wir In einer Wüste Abenteuer suchen! Ich frage euch: Was werden wir dort tun? Wem wird der Jude dort die Ladungen Von Stoffen, Spezerein verkaufen? Wem? Dem Mamelucken? Dem Zirkassierräuber? Wer gibt ihm Pfänder? Wer? Der arme Fellah? Ein altes Hemd ist sein Familienschmuck! Wem wird der Jude Geld leihn? Andern Juden, Bei denen das Gesetz Prozente nehmen Uns streng verbietet? Alfaro: Unsinn! Stimmen ,imks und Mitte): Er hat recht! Montaito: Der Jude kann vom Juden bloß nicht leben! Drum frag' ich den Finanzmann: Was wird er tun? Abarbanel: Arbeiten, Don Emanuel! Mit Pflug Und Spaten! Cendor und Stimmen: Ja! Abarbanel: Mit Axt und Kelle! Cendor und Stimmen: So! Abarbanel: Was waren unsere Väter? Ackerbauer Und Krieger! Alfaro: Lächerlich! Montaito: Nicht dazu hat Der Jude zur Kultur sich aufgeschwungen, Um nun in Wüsteneien zu verroh'n! Alfaro und Stimmen: Ganz recht! Montaito: Von Eisen, sei's nun Pflug, sei's Schwert. Von Erde und von Stein sind wir entwöhnt. Mit edleren Metallen, edlerem Gestein gibt sich der Jude heute ab: Er wirkt mit dem Gehirn, nicht mit der Hand. Fürs Thorastudium und für den Kalkül Ist er geschaffen. Zum Pflügen, Bauen, Morden Sind andre da! Alfaro: f Das ist nicht unsere Sache Stimmen in seiner Umgebung: J Natürlich! Cendor und Stimmen: \ Oho! Abarbanel: Der Knechtschaft Folgen nehmt ihr für Natur? Montaito: Drum müssen wir nach reichen Ländern gehn, Wo man den Kopf des Juden braucht, wo er Verdienen kann! Alfaro und Stimmen: * So ist's! Montaito: Nach freien Ländern, Wo uns nicht Fürst, nicht Priester drückt - Cendor und Stimmen: Nach Zion! Montaito: Nein, nicht dahin, wo Zucht und Ordnung fehlen, Wo Raub und Diebstahl herrschten - wir gehn dahin. Wo uns ein starkes Heer vor Feind und Unbill schützt! Viele Stimmen ninks und Mitte, m starkem chon: So ist es! Nur dahin! Stimmen in Cendors Umgebung: Nein! Cendor: Mit Verlaub Wir können selbst uns schützen, jedes Werk Mit eigner Hand verrichten! Meinen Talmud Hab' ich gelernt wie ihr und lebe dennoch Von meiner Hände Arbeit, wie es einst Abaja- und Hillel tat! Den ordinären Stein, Den ihr verschmäht, behau' ich Tag für Tag! Das Eisen, das mich nährt, beschützt mich auch! Weh dem, der mir als Räuber naht! Drum sag' ich: Wer Mann ist. wer die Arbeit liebt, wem Zion Im Herzen lebt, geht mit Abarbanel! / Wir alle gehen mit Abarbanel Wir gehn! Wir gehn Alfaro: Ihr wollt euch diesem Manne anvertrau'n? Dann reiß ich ihm die Maske vom Gesicht! Wißt ihr, warum er euch von Zion predigt? Bloß weil er andere übertrumpfen will! Man weiß, wer hier der beste Jude ist. Man weiß, wem Spaniens Juden alles dankemi- Abarbanel will mehr sein als Montaito, Drum hat er jetzt sein Judenherz entdeckt! Stimmen (links): f So ist's! Cendor: | Schweig, Spucknapf der Montaltos. Stimmen (rechts;: Speichellecker! Alfaro: Er tut's, um seine Schuld nur zu verdecken! Denn er ist schuld an unserm Unglück, er! Stimmen (links): j Er! Er! Cendor: | Erlogen! Stimmen (rechts): | Nicht wahr! Alfaro: I Das ist der Ehrgeiz des Abarbanels! Nur hoch hinaus, nur über alle andern! Minister mußt' er sein, weil's keiner war, Um uns im Sturze alle zu begraben! Spionagedienste mußt' er leisten ----- Cendor und Stimmen (rechts): Schweigt! Die Niedertracht! Viele Stimmen (rechts und Mitte' :

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.