Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sKT 'M 4 DIE^l ELT No..l3;<t : •1; f m kommission zu bieten imstande gewesen ist, wird man daraus ermessen können, daß sie ein Jahresbudget von nur 12 000 Mk. hat, von dem sie aber aus Mangel an Fonds bisher bestenfalls die Hälfte zu Gesicht bekommen hat. Daß man mit 6 000 Mk. pro Jahr, die noch großenteils durch aufklärende Arbeiten, Ferienkurse, die Zeitschrift „Altneuland" etc. verschlungen werden, keine himmelstürmenden Taten vollbringen kann, bedarf keiner Entschuldigung. Zwar werden der Palästinakommission zum Zwecke einiger Forschungen und Versuche in Palästina teils aus den Mitteln der Bank, teils aus dem Nationalfonds gelegentlich kleine Beträge zur Verfügung gestellt, aber daß die Bankverwaltung sich nur sehr ungern auf solche, wenn auch im höhern Interesse notwendigen, so doch für den Moment unrentable Ausgaben einläßt, ist verständlich, und allzuoft darf man mit solchen Forderungen nicht kommen. Daß bei der vorhandenen Organisation die praktischen Arbeiten in Palästina einen viel größeren Umfang als bisher werden annehmen können, ist ausgeschlossen. Wenn die Anglo Palestine Co. die noch fehlenden Filialen gegründet hat und vielleicht noch in den Nachbargebieten Ägypten (Kairo - Alexandria), Syrien (Aleppo - Alexandrette), Mesopotamien (Basra- Bagdad), schließlich auch noch in Konstantinopel und Saloniki Fuß gefaßt haben wird, so hat sie ihre Aufgabe erfüllt; mehr kann man einer kleinen Bank sicher nicht zutrauen, und vor allem ist es eine gänzlich unberechtigte, wenn auch oft wiederholte Forderung, daß die Bank sich auf große Landgeschäfte und langsichtige Darlehen auf Land einlassen dürfe; schon jetzt hat sie, von dem kaufmännischen Standpunkt aus betrachtet, im Verhältnis zu ihrem kleinen Kapital eher zu viel als zu wenig Geld auf Landkauf verwendet. Was den Nationalfonds betrifft, so wird er sich in absehbarer Zeit auf die ihm gestellten drei Aufgaben der Einrichtung der Versuchsstation, der Lehrfarm und des genossenschaftlichen Gutes zu beschränken haben, die zweifellos im Laufe der Jahre noch ganz erhebliche Geldmittel für Baulichkeiten, Geräte, Vieh etc. erfordern werden. Dazu kommt dann noch der Ankauf historisch wertvoller oder für die Zukunft wichtiger Terrains, und ferner noch die sehr wichtige Landesaufnahme, die schon im letzten Jahre in anderer Form begonnen, jetzt systematisch fortgesetzt werden soll und uns die Grundlage für alle Landkäufe in der Zukunft bieten wird. Selbstverständlich wird bei dieser Aufgabe die Verwendung der Nationalfondsgelder nicht mehr wie bisher dem gelegentlich zusammentretenden Aktionskomitee überlassen werden können, sondern es bedarf jiner besonderen, vielleicht unter der Kontrolle der Palästinakommission stehenden kaufmännisch-technischen Verwaltung, die natürlich dem Aktionskomitee verantwortlich ist und mit einem festen, aus den Zinsen der N.-F. genommenen Budget arbeitet. Auch die Palästina-Kommission wird bei ihrer bisherigen Budgetierung nicht viel mehr leisten können als bisher, und wenn auch der neu gegründete Palästinaverein ihr etwas zu Hülfe kommen mag, so kann es sich doch nur bestenfalls um wrenige Tausend Mark handeln, und es steht zu befürchten, daß daraufhin das ihr vom Aktionskomitee her zukommende Budget de facto noch weniger zur Auszahlung gelangt als bisher, da die finanziellen Ansprüche an das Aktionskomitee immer mehr steigen, die Schekeleingänge aber nicht entsprechend zunehmen werden. Weit mehr würde man sich von der Einführung eines Palästinaschekels versprechen können, der vielleicht in den ersten Jahren als freiwillig, später aber als obligatorisch zu gelten haben würde. Es ist hierbei zu bedenken, daß der bisherige Schekel dem Werte nach im Vergleich mit den alten Münzen gleichen Namens nur ungefähr einen halben Schekel darstellt, so daß erst dann wirklich ein Schekel gezahlt werden würde, wenn man ihn durch den Palästinaschekel verdoppelte. Letzterer müßte dann gleichzeitig mit dem bisherigen, d. h. dem Organisationsschekel auf denselben Blocks zur Einziehung gelangen. Dadurch würde etwa jährlich der Palästinakommission eine Summe von 100 — 200000 Frcs. zufließen, eine Summe, die groß genug ist, um wirklich ordentlich arbeiten zu können. Aber freilich, auch diese Summe würde bei weitem nicht genügen, um eine praktische Palästinaarbeit größeren Stiles zu inaugurieren. Wohl würde die Industrie wesentlich gefördert werden können, da die Palästinakommission dann über Fonds für Versuche verfügen würde, die, im Falle sie glücken, Kapitalisten veranlassen dürften, ev. mit Unterstützung der Bank, den betreffenden Fabrikationszweig im großen aufzunehmen. Aber die wichtigsten Aufgaben in Palästina, die Hebung der Landwirtschaft und die kulturelle Hebung der jüdischen Bevölkerung daselbst, könnte durch diese doch immerhin ziemlich beschränkten Mittel kaum wesentlich gefördert werden. Wir haben landwirtschaftliche Arbeiter jetzt in Palästina in weit größerer Zahl, als sich ernähren können, auch manche darunter, die ein kleines Vermögen besitzen. Weit größer ist aber noch die Zahl junger, kräftiger Leute im östlichen Europa, die nichts sehnlicher wünschen, als nach Palästina als Landarbeiter zu gehen. Sehr gering hingegen ist, wie übrigens überall bei der ländlichen Bevölkerung, die Zahl derjenigen, die in der Lage sind, einen Bauernhof zu kaufen und vollständig bar auszubezahlen, wozu in Palästina ein Vermögen von 12—20000 Frcs. erforderlich ist. Da es nun andererseits in einem so kapitalarmen Lande wie Palästina fast unmöglich ist, Hypotheken aufzunehmen, — auch gibt es ja im türkischen Recht keine Hypotheken in unserem Sinne, sondern nur unvollkommene Ersatzmittel dieser, wie Verpfändung etc. — und da anderseits der Zinsfuß für geliehenes Geld in Palästina ein für einen Landmann geradezu unerschwinglich hoher ist, so lassen sich neue Kolonien ohne einen großen Beleihungsfonds kaum schaffen. Verdanken doch auch die deutschen Templer ihre vor einigen Jahren gegründete jetzt schon recht blühende Kolonie Wilhelma bei Ramleh vor allem einem Fonds von 300 000 Mk., den ein Komitee in Württemberg und dem übrigen Deutschland aufgebracht hat und wofür die Kolonisten 4°/o Zinsen und 1 °/o Amortisation zu zahlen haben, also eine erst innerhalb 47 Jahren abzutragende Hypothek. Da ferner in Palästina fast nie fertige Bauernhöfe in passender Lage und mit genügenden Einrichtungen käuflich sind, sondern es sich entweder um unbebautes und erst urbar zu machendes Land ohne brauchbare Häuser handelt oder um sehr zersplittertes Dorfland, das vielerlei Zusammenlegungen nebst anderweitiger Aufteilung bedarf, so kann nur ein recht großer Beleihungsfonds zum Ziele führen. Ferner be-