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Die Welt · 1906-03-23 · 12 (23.3.1906) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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D!E3^ELT i() Durchzug jüdisch-rumänischer Emigranten durch die Schweiz In der letzten Zeit passieren die Schweiz lausende jüdischer Bmigranten aus Rumänien, die sich nach Südamerika begeben. In diesem Monat wird noch der Durchzug von 3000 Emigranten erwartet. Ausweisungen russischer Juden aus Ostpreußen Fast sämtliche der nach Breslau geflüchteten russischen Juden erhielten auf Anordnung des Regierungspräsidenten die Aufforderung, bis spätestens 1. Juni d. J. Breslau und das preußische Staatsgebiet zu verlassen. Die meisten der davon Betroffenen sind vermögende Leute, die hier eigene Wohnungen gemietet haben und von ihrem Gelde leben, ohne etwa durch kaufmännische oder ähnliche Betätigung irgend jemand Konkurrenz zu bieten und so im Wege zu sein. Sie leben auch sonst hier^durchaus friedlich und zurückgezogen und können unmöglich jemand zur Last gefallen sein, vielmehr geben sie nur der einheimischen Breslauer Bevölkerung zu verdienen. Es werden also durch die Ausweisung indirekt Breslauer Hausbesitzer, Geschäftsinhaber, Restaurants, Hotels, Pensionate etc. geschädigt. Ein Grund für die Ausweisung ist in keinem Falle angegeben, dieselbe bleibt auch allgemein unerklärlich. Eine Ironie des Schicksals wollte, daß viele der Ausgewiesenen um dieselbe Stunde, die ihnen die Ausweisung brachte, den Steuerzettel erhielten. Einigen der Betroffenen, die auf dem Polizeipräsidium vorsprachen, ist allerdings dort gesagt worden, eine Eingabe um Verlängerung der Aufenthaltsfrist würde sicher von Erfolg sein. Um so unerklärlicher wäre dann aber die ganze Maßnahme. Privatnachrichten aus einigen Städten des Ostens der Monarchie melden auch von da Ausweisungen, * jedoch noch strengerer Natur. Da haben die Ausgewiesenen zumeist bereits die ungastlichen Orte verlassen. Es scheint, als wären die Ausweisungen im ganzen preußischen Osten auf höhere Weisung hin erfolgt. Prozeß gegen die Veranstalter der Judenexzesse in Simferopol Simf eropol, 18. März. Die Mitglieder der Selbst wehr, sämtlich Juden, und zwei Deutsche wurden freigesprochen. 28 wegen der Judenmetzelei Angeklagte wurden zu Zuchthaus verurteilt. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG Rumänien J a s 6y. Eine T o y n b e e- II alle wurde nach mehmionatliehen Bemühungen der Herren Dr. Niemirover und Philippe Eosenstein uitHilfe des Präsidenten der Federation Herrn Heinrich Rosenbaum liier begründet. Die Toynbee-Halle ist für die ersten drei Monate in der jüdischen professionellen Mädchenschule installiert, die in entgegenkommendster Weise von den Direktorinnen Frau Toni Rusu und Frl. Fanni Goldstein zur Verfügung gestellt wurde. Zur Erhaltung der Toynbee-Halle steuern bei die drei Zion- Wreine „Oir Zion Dr. Max Nordau", ,.Tikwas Israel" und „Cercul delectura sionist". Das leitencleKomitee besteht aus: Dr.J .Niemirover, 1 'hilippe Rosen3tein? Tip. Rabinovici, Dnl Louis Mendel,Df d H. Peckelüiann, Dr. Leiborici, IM Ann, Spirt, Dr. J. Frühling, David Groldbaum. Die Abende sind sehr gut besucht. Die neue Institution hat viele Sympathien gefunden. — Zwecks Gründung einer „Po ale- Zion-Vereinigung" wurde vom Präsidenten der Federation Herrn H. Rosenbaum eine große jüdische Arbeiterversammlung einberufen, an der etwa 2000 Personen teilnahmen. Es wird in der Folge noch eine größere Zahl solcher Versammlungen unter der jüdischen Arbeiterschaft stattfinden. Deutschland Akad. Zion. Verein „Tchioh" am Fricdrichs-Polytechnikum zu Cöthen i. A. Oes in im ngsgenossen! Vom 27. März bis zum 8. April v. J. wurde die Frage der zionistischen Praxis von dem Katheder des Cöthener Polytechnikums von Kapazitäten vielseitig behandelt. Wir haben bereits im vorigen Jahre auf die Wichtigkeit der Ferienkurse für koloniale Technik hingewiesen, und glauben daher uns nun lediglich auf die Ermahnung beschränken zu dürfen, dal.) unsere zionistische Sache eine der Gegenwart ist, und wenn schon die Verwirklichung ihres endlichen Ideals noch im Schöße der Zukunft ruht, so beginnen dennoch ihre Anfänge deutlich zutage zu treten, und wehe uns, wenn wir zum bestimmten Augenblick tat- und tatlos dastehen werden, ohne jegliche fachmännische Kenntnisse, ohne zu ahnen, wie die Arbeit einzuleiten. Auf uns, auf unsere studierende Jugend wird die Verantwortung für all die zukünftigen Fehler und Versehen fallen, auf uns, denn in unserer Unreife und jetzigen nachlässigen Haltung zu den Fragen der kolonialen Technik wird zweifellos die Hauptschuld liegen. Und wrer mag es uns voraussagen, welche Opfer das arme jüdische Volk für unsere Untätigkeit wird bringen müssen? Allein diese Ferienkurse sprechen genug für sich, und es will den Anschein haben, als wäre es überflüssig, in dieser Angelegenheit erst das Wort zu ergreifen. Die traurige Tatsache aber, daß unter den 206 Hörern im vorigen Jahr die Juden mit etwa 45 Personen vertreten waren, veranlaßt uns, unsere Gesinnungsgenossen (f o o o o o o II o o o o o o o Jj nochmals auf ihre Pflichten dem jüdischen Volke gegenüber hinzuweisen. Freilich waren die traurigen russischen Verhältnisse eines der Haupthindernisse. Aber wenn wir es auch zugeben und eingestehen müssen, können wir dennoch nicht umhin, denjenigen Gesinnungsgenossen, die hier in aller Ruhe weilten, den Vorwurf zu machen, ihren Pflichten ihrem Volke gegenüber nicht nachgekommen zu sein, indem sie an der Evolutionsarbeit, die eine der unbedingt notwendigsten für unsere Bestrebungen ist, keinen Anteil genommen haben. In diesem Jahre finden die Ferienkurse im Laufe von 8 Tagen, vom 3. April ab statt. Die günstige Wahl der Zeit unmittelbar vor Beginn des Sommersemesters ermöglicht also eine regere Beteiligung als im vorigen Jahr. Das folgende Programm gewährt jedermann die Hinsicht, wieviel derartige Kurse einem Zionisten zu bieten imtande sind. Also „Gesinnungsgenossen1*, auf nach Cöthen und auf Wiedersehen daselbst. Die Ferienkursuskommission des A. Z. V. „Tchioh". Programm der Orient-Ferienkurse: 1. Rektor Eberhardt, Zarrentin iM eckten burgi 2 Stunden. Die Schulverhältnisse in Palästina. 2. Dr. L. Kahn, Wien, 4 Stunden. Rechtliche Verhältnisse des türkischen Orients. 3. A. Kaiser, Charlottenburg, 2 Stunden. Die physischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Sinai. 4. O. Kraze, ing., Dozent, Cöthen i.A. Ton-, Kalk- und Zementindustrie in den Tropen. 5. Dr. A. Klee, Berlin, 2 Stunden. Zur Staatsverfassung des osmanischen Reiches, o. O. Kaiser, ing., Dozent, Cöthen i. A. a» Landwirtschaftliche Maschinen im Orient. bi Einführung in die arabische Sprache. o Kulturtechnik im Orient. 7. Dr. Franz Oppen heim er, Berlin''. 2 Stujnden. Genossenschaftliche Kolonisation. <s. Said Ruete, Berlin, 2 Stunden. Die wirtschaftlich-politischen Verhältnisse in Babvlonien iSüd- Mesopotamien i. l). Dr. A. Sandler, Breslau, 5 Stunden. Die epidemischen und endemischen Seuchen des vorderasiatischen Orients. 10. Dr. S. Soskin, Berlin, 4 Stunden. - Palästina in wirtschaftlicher Beziehung. 11. Prof. Dr. O. Warburg, Berlin, 4 Stunden. Kleinasien und Syrien als Kolonisationsgebiet. PS. Der A. Z. V. „Tchioh" erteilt nähere Auskunft über die Lebensverhältnisse in Cöthen, besorgt für die Zeit der Ferienkurse Wohnungen für die werten Gäste und steht zu Diensten der letzteren. Ein Zimmer für eine Woche kommt bis auf 5 Mark mit Morgenkaffee. Die Lebensverhältnisse in Cöthen sind billig, die Eisenbahnverbindungen vorzüglich. Das Honorar beträgt 10 Mark.

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