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Die Welt · 1906-03-23 · 12 (23.3.1906) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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auch an die Einrichtungen an, die für botanische Zwecke bestehen, so daß mit der nötigen Beschränkung auch Kenntnisse über die in der betreffenden Gegend vorkommenden Giftpflanzen verbreitet werden. Der hohe Wert des Schulgartens wird heutzutage so sehr anerkannt, daß man die Forderung Diesterwegs erfüllt zu sehen wünscht: „Jeder Lehrer sei ein Naturkenner, jeder Landlehrer ein Naturforscher." Deshalb muß auch für die schulgärtnerische Vorbildung der Lehrer Sorge getragen werden, und es ist erfreulich zu wissen, daß die jüdischen Lehrer Oberschlesiens in diesem Jahre erfolgreiche Kurse für den vorliegenden Zweck durchgemacht haben. Ferner wird am israelitischen Lehrerseminar in Hannover Bienenzucht getrieben und Gartenkultur gepflegt. Daß die Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem in ausgedehmtem Maße sich der Obst- Gemüse- und Blumenkultur hingibt, liegt selbstverständlich in ihrer Sonderaufgabe. In diesem Institut soll natürlich wesentlich über den einfachen Schulgarten hinausgegangen werden. Dagegen ist mit dem Waisenhaus in Rybnik ein richtiger Schulgarten verbunden worden. Dieser gewährt zwar keine gärtnerische Fachbildung, bewahrt jedoch vor der Einseitigkeit ausschließlich geistiger Betätigung, schafft ein volkstümliches Erziehungsmittel von tiefeinschneidender ethischer Bedeutung und bietet die unumgängliche Ausgleichung zwischen Stadt und Land. Allerdings soll die Vorbildung im Schulgarten neben den pädogogischen und ethischen Zielen und neben Kenntnis und Verständnis für die Natur auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der Hinüberleitung zu rationeller Bodenwirtschaft in sich schließen." Der altüberkommene Betrieb des Landbaues und der damit verbundenen Gewerbe ist in mancherlei Beziehung nicht mehr haltbar. Auch die Obstbäume in den Gärten auf dem Lande werden n den meisten Fallen vernachlässigt, nicht gepflegt und geben infolgedessen schlechte Ernten. Selbst unter den "Berufsgärtnern findet man häufig Leute, die den Obstbau nicht verstehen. Man sieht, wie viel es hier zu tun gibt. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß zur rationellen Entwickelung der Landwirtschaft und aller damit verbundenen Betriebe nur der Sinn der männlichen Jugend geweckt, nur sie dafür herangebildet zu werden brauchte. Der weibliche Teil der Bevölkerung kommt in gleichem Maße in Betracht. Deshalb sind denn auch Schulgärten ebenso sehr für Mädchenwie für Knabenschulen erforderlich. Der Verein zur Förderung des Frauenerwerbs durch Obst- und Gartenbau hat folgende Thesen angenommen: „Die Beschäftigung gebildeter Frauen im Obst- und Gartenbau ist notwendig aus hygienischen, erziehlichen, erwerblichen und volkswirtschaftlichen Gründen." Es macht sich von der Schule aus das Bedürfnis nach Schulgärten geltend. Hoffentlich wirkt das Vorgehen wohlmeinender Schulmänner so anregend, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo jede Schule, ob Knaben- oder Mädchen-, höhere oder Volksschule. ihren Schulgarten besitzt, in welchem wirklich gearbeitet, nicht in den Zwischenpausen promeniert wird. Frl. Dr. Castner beschreibt, wie man auch auf kleinem Raum und mit kleinen Mitteln bereits einen Schulgarten errichten könne, daß dies bei sehr vielen Schulen möglich ist. Sie fährt dann fort: „Es ist berechnet worden, daß in fruchtbarer Gegend ein 4 Morgen großer, richtig bewirtschafteter Garten 30 Menschen zu ernähren vermag. Berechnet man nun all das brachliegende Land und sieht, wieviel Fratienkraft nutzlos vergeudet wird, so scheint es unverständlich weshalb nicht längst mehr geschehen ist, intelligente Frauen auf die Gartenarbeit hinzuweisen." Zu den allgemeinen Gründen erziehlicher hygienischer, volkswirtschaftlicher Natur treten für uns Juden die besonderen hinzu, die eine Hinüberleitung eines größeren Teiles unserer Stammesgenossen zur Bodenkultur und den damit verbundenen Gewerben dringend erforderlich erscheinen lassen. Soll diese große Aufgabe der Seßhaftmachung unserer Stammesgenossen im Laufe der Zeit zur Durchführung gelangen, dann werden die Männer für Landbau. Tierzucht und mannigfache Gewerbe, die weiblichen Familienglieder für ländliche Wirtschaftsführung, Obst-, Gemüse- und Blumenzucht geschickt sein müssen. Will man zur Förderung dieser Zwecke Schulgärten, so muß man sie also sowohl für die männliche als auch für die weibliche Jugend errichten *v In allen Ferienkolonien sollten Schulgärten errichtet werden. Sie würden ein Beschäftigungsmittel sein, das auch aus hygienischen Gründen sehr zu empfehlen wäre. Jedes Waisenhaus, jede Erziehungsanstalt sollte ihren Schulgarten haben. Die aufzuwendenden Mittel sind minimal. Soweit Deutschland in Betracht kommt, würde wohl der „Verein zur Verbreitung der Bodenkultur unter den Juden in Deutschland" mit Rat und Tat beistehen. Über zielbewußte Erziehung der Jugend, über Volkserziehung ist in der letzten Zeit viel bei uns geredet worden. Ich wollte ein weites Tätigkeitsgebiet zeigen, auf dem unser viel Arbeit harrt, ein Arbeitsfeld, auf dem jeder ohne Unterschied der politischen Meinung mitarbeiten kann, wenn es ihm ernst um die Zukunft unseres Stammes zu tun ist. Als Schlußwort aber wähle ich mir einige Worte des Feldpredigers der Jewish Lads Brigade, Worte, die uns zur Arbeit anspornen, unseren Söhnen aber zur Ermahnung dienen sollen: „Ihr, die ihr Knaben seid, werdet einst unsern Platz einnehmen. Euch wird die alte Erbschaft zufallen und auch die Verantwortlichkeit für deren Erhaltung. Deshalb seid bereit, sie zu empfangen. Werdet tüchtig in allen Beziehungen. Bestrebt euch, die Tugenden und Eigenschaften euch anzueignen, die euch als Edelinge, als ehrliche, vorwärtsstrebende, herrliche jüdische Jungen kennzeichnen werden." i Aus Tuch: l'ber.Schuliiärtcir' iHamburg iw<si. fE □ □□□□ FEUILLETON O □□□□□□ c^- DIE FLAMMENROLLE AUS DEN LEGENDEN DER ZERSTÖRUNG VON CH. N. BIALIK Aus dem Hebräischen übersetzt von A. Coralnik i Schluß i. Und ich bin großgewachsen und stark geworden und flog aufwärts, der Stolz meines Nackens ist nicht gebrochen, in meinem Innern ist das Brüllen von Löwen, und Du bist bei mir. Befiehl, und ich werde meine Locken schütteln und den erschütterten Himmel von meinem Haupte werfen, wie man Stroh wegbläst. Sag' ein Wort, und ich will in die Hölle dieses Verderbens mein Leben tauchen, und wie ich meine Augen versenkte, dein Bild zu sehen, werde ich sie nimmermehr zum Himmel erheben . . . Nimm mich, gib mir Gnade, Schwester, verzeih mir! Da bin ich in deiner Macht, mach' mich zum Siegel an deinem Herzen oder zum Schemel für deine Füße. . . . Wie ein Hund werde ich lagern am Saum deines Kleides und wachen über das Zucken deiner Wimpern und das Zeichen deines Fingers, oder ich stürze mich auf dich wie ein Löwe und schleppe dich in eine der Höhlen. . . . Und der Jüngling hielt plötzlich an und flehte sanft: .....Oder ich schaffe dir einen neuen Himmel und eine neue Bläue und umgebe dich mit einem neuen Glänze. Und ich werde dich wie eine Sonne stellen in das kreisende Rad meines Lebens, in das Lied meiner Seele werde ich dein Andenken weben, aus meinen Gebeten werde ich Kränze winden um dein Haupt, und mit

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