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Die Welt · 1906-03-23 · 12 (23.3.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE^E ELT No. 12 |? W t % IP f. wie erfolgreiche Institut verdient in der Tat eine kräftige Unterstützung seitens unserer Brüder in Europa. * Da das hiesige Altenhaus „Moschab Sekenim" für die zahlreichen armen jüdischen Greise schon fast keinen Raum mehr bieten kann, sind einige angesehene Leute der Sephardimgemeinde, an deren Spitze Herr Rabbiner Jacob Meir steht, daran gegangen, ein neues „Moschab Sekenim" zu gründen. Der Zustand der obdachlosen armen alten Leute der sephardischen Gemeinde und überhaupt der marokkanischen Gemeinde ist wahrhaftig beklagenswert. In jeder Straße sieht man diese unglücklichen Alten neben irgendeiner Wand zusammengekauert sitzen, und neben diesen Mauern pflegen sie auch meistens zu übernachten. Bei stürmischem Wetter und heftigen Regengüssen suchen sie eine „Kabba" (ein auf der Straße befindliches Gewölbe, deren es in Jerusalem viele gibt) auf, wo sie, von Hunger gequält, auf irgendeinen mitleidigen Passanten warten, der ihnen ein Almosen schenken wird. Es ist schon manchmal vorgekommen, daß solche Greise auf der Straße Hungers starben. Man wird also verstehen, wie notwendig und heilbringend eine solche Anstalt für unsere Stadt wäre. Leider fehlen den Männern, die sich mit dieser Gründung beschäftigen, noch die dazu nötigen Mittel, und wenn sie keine Unterstützung aus Europa erhalten, fürchte ich, daß.dieses Werk leider nur ein guter und nützlicher Gedanke bleiben wird! # .Vor einigen Wochen sind hier viele persische Juden angelangt, die die Unterdrückung und die Not in ihrem Heimatslande nicht mehr ertragen konnten und glaubten, hier eine bessere Unterkunft zu finden-. Sie sahen sich aber in ihren Hoffnungen getäuscht und greifen, wie ihre hier schon ansässigen Glaubensgenossen und Landsleute, zum Bettelstab. Die hiesigen persischen Juden bilden in bezug auf ihre Sprache und Lebensweise eine besondere Gemeinde, werden aber als solche hier nicht anerkannt .und schließen sich darum an die Sephardimgemeinde an. Sie besitzen mit geringen Ausnahmen keine Wohnhäuser, die dieses Namens würdig sind, sondern ihre kleine Kolonie, -die im Westen der Stadt liegt, ist aus blechernen Hütten zusammengesetzt, die im Arabischen „Byut-Atenak" heißen wie die der Jemeniten. Während aber die Jemeniten aus der Blechhütte herauszukommen suchen, scheinen die Perser ihre Stelle vertreten zu wollen. Die Jemeniten tun ihr Möglichstes, um sich durch ihrer Hände Arbeit der Armut zu erwehren; die persischen Juden aber nehmen, sobald sie hier angelangt sind, das Bettelgeschäft auf, machen ihre Touren durch die Stadt, um das, was man ihnen hinreicht, ohne viel Bedenken in ihre schmutzige, an der Seite herabhangende Bettel- 'tasche zu stecken. Ihre Kinder besuchen keine Schulen, nur einige unter ihnen, die im Verhältnisse zu den anderen wohlhabend genannt werden können, schicken ihre Söhne in die Schule oder ins Cheder, das in einer ebenfalls aus Blech und mürbem Holze hergestellten Hütte untergebracht ist, wo ein armseliger Rabbi den zusammengedrängt mit unterschlagenen Beinen auf dem Boden sitzenden und inifolge der durch die vielen Ritzen und Spalten eindringenden Nässe und Kälte frierenden und zitternden Kindern Unterricht im Lesen und Übersetzen der Bibel erteilt. Die übrigen begleiten ihre Mütter beim Bettelgewerbe oder betteln auf eigene Faust. Ihre Lage ist in der Tat sehr erbärmlich, doch kann man zu ihrer teilweisen Entschuldigung anführen^ daß durch die stete Unterdrückung und die Armut in ihrem Heimatlande das Bettelwesen ihnen gleichsam schon angeboren ist. # Die europäische Reisegesellschaft (dreißig Teilnehmer) ist hier am 28. Februar angelangt. Angesehene Mitglieder der hiesigen Gemeinde waren zu ihrem Empfange an der Eisenbahnstation versammelt. Die meisten Gäste kommen aus Ungarn, nur einige Deutsche befinden sich unter ihnen. Die Gesellschaft sollte schon acht Tage früher in Jerusalem eintreffen, aber leider herrschte zu der Zeit, als sie sich von Ägypten aus der Küste von Palästina näherte, ein schrecke liches Unwetter, bei dem der Himmel als erneute Antwort auf die im Dezember veranstalteten Regengebetsversammlungen alle seine Schleusen öffnete, so daß der Dampfer in dem mit Felsblöcken besäten Hafen von Jaffa nicht landen konnte. Wohl oder übel mußten die Herren Hahn, Sekretär des Zentral-Fahrkarten-Bureaus, und Grayewsky, der Leiter des Reisebureaus „Tabor", mit der Reisegesellschaft nach Beirut weiter dampfen und sie dort ausschiffen. Von Beirut aus machte die Gesellschaft verschiedene Ausflüge und kam dann zu Wagen über Haifa- Atlit-Pantur und die jüdischen Kolonien Sichron-Jacob, Schweya, Em el Gmal nach Jaffa und Jerusalem. Die europäischen Gäste wurden am Abend ihrer Ankunft von der Leiterin der hiesigen Mädchenschule Evelina de Rotschild in ihre Schule eingeladen, wo die Mädchen sich bemühten, durch Deklamationen und Darstellungen die Stammesgenossen aus der Fremde zu unterhalten und zu erfreuen. Von Jerusalem aus konnte die Gesellschaft trotz des Zeitverlustes noch die üblichen Touristenausflüge ausführen. Herr Grayewsky ließ u. a. am Tage vor der Abfahrt nach Jericho und an das Tote Meer eine Anzahl leerer Wagen vorausfahren, so daß durch den Wechsel frischer Pferde am folgenden Tage der sonst immer auf zwei Tage berechnete Ausflug bequem und genußreich in einem Tage gemacht werden konnte. Diese höchst anerkennenswerte Aufmerksamkeit des Budapester Zentral-Bureaus und des Herrn Grayewsky gegenüber ihrer Klientel wird sie allen reiselustigen Zionsfreunden auch in der Zukunft besonders empfehlen. Auch über die Aufnahme, die Küche und Bedienung in dem mit dem „Tabor" verbundenen Hotel „Central Amdursky" herrscht nur eine Stimme des Lobes. In Jerusalem besuchte die Gesellschaft der Reihe nach auch die Schulen, Hospitäler und wohltätigen Anstalten. Arn Nachmittage des 4. März unternahm sie dann einen Ausflug nach Mozza, wo sie die staunenswerten Erfolge jüdischer Tatkraft bewunderte. Im April erwartet man noch eine zweite größere Reisegesellschaft, die hoffentlich vom Wetter mehr begünstigt sein wird. Die „Lemaan-Zion-Apotheke", welche zum Leidwesen der Einwohnerschaft der hiesigen Vorstadt lange Zeit wegen Mangels eines approbierten Apothekers geschlossen war, ist dieser Tage wieder eröffnet worden, da man mittlerweile Mittel und Wege gefunden hat, um den Forderungen des Gesetzes über die Führung der Apotheken Genüge zu leisten. Gerade auf dem Gebiete der Krankenpflege gibt es hier bei der stets wachsenden Zahl der hiesigen Bevölkerung und den beklagenswerten sanitären Verhältnissen noch viele Lücken auszufüllen und manche, längst nötige Verbesserungen einzuführen. Dringend und unerläßlich notwendig ist namentlich die Gründung einer Krankenpflegerinnenstation für die Hospitäler und Privatfamilien. In den Hospitälern wird die Krankenpflege bis jetzt von eingeborenen ungebildeten Personen besorgt, die für ihren Beruf keinerlei theoretische oder praktische Vorbildung genossen haben; in Privathäusern ist von einer sachgemäßen Krankenpflege natürlich gar keine Rede. Unter solchen Umständen ist es freudig zu begrüßen, daß Herr Phil. Kieferndorf bemüht ist, hier eine dauernde Station für Krankenpflegerinnen zu gründen, ein Unternehmen, das alle Jerusalemer Ärzte, welcher Konfession oder Nation sie auch angehören, durch eine gemeinsame, schriftlich abgegebene und konsularisch beglaubigte Erklärung für sich und ihre Patienten als unumgänglich notwendig und außerordentlich segenverheißend bezeichnet haben. In einer solchen Anstalt könnten mit der Zeit auch hiesige jüdische Töchter, deren Erziehung und Versorgung manchem jüdischen Familienvater schwere Sorgen bereitet,- für den ehrenvollen Beruf der Krankenpflegerin herangebildet werden. Auch hier ist die Frage, ob Herrn Kieferndorf die nötige Hülfe von Europa zuteil werden wird. Ben Zion. Anmerkung. Beim Abdruck der Notizen aus Jerusalem in Nummer 6 der „Welt" hat sich ein Druckfehler eingeschlichen, indem der Korrespondent (Herr Kantorowitz) statt des Herrn Rotschild als einer der Lehrer des „Bezalel" bezeichnet wurde. Wir stellen das hiermit richtig. Die Redaktion. FÜR UNSERE JUGEND! JUGENDSPIELE UND SCHULGÄRTEN ALS MODERNE NATIONALE ERZIEHUNGSMITTEL Von Martha Baer=Issächar. Durch die Gründung des Herzlbundes der jüdischen Jugend in Deutschland und die daran anknüpfende Diskussion über ihren Nutzen und ihre Aufgaben wurde die öffentliche Aufmerksamkeit in der letzten Zeit wieder mehr auf die Fragen der Jugenderziehung und Jugendgewinnung hingelenkt. In dieser Angelegenheit möchte ich heute einen Vorschlag machen, dessen Realisierung für die Reorganisation unseres Stammes in Ost und West von gleichem Nutzen sein könnte. In geistiger Beziehung ist für die Gewinnung der Jugend schon manches getan, besonders im Osten ist bereits Tüchtiges geleistet. So z. B. ist in Galizien der größte. Teil der Gymnasial- und Mittelschuljugend jüdisch-national gesinnt; in der „Moria41 besitzen

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