Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ich spreche. Nur gehören sie dazu, — für mich und wohl für jeden, der dem Problem näher an den Leib rückt, — nicht vermöge ihres äußeren Bekenntnisses zur Assimilation, sondern (zusammen mit anderen, die sich vielleicht gar nicht als Assimilanten bekennen und fühlen) durch ihre innere Artung, die sie zwingt, immer mehr positives Judentum zu zerstören. Und hierzu bietet sich ihnen um so mehr Gelegenheit, als sie zumindest beruflich oder aus Liebhaberei mit der Allgemeinheit als solcher zu tun haben. Da ist zuerst eine gewisse Sorte von Fürsorgern und Wohltätern. Eine gewisse Sorte, sage ich. Man glaube nämlich ja nicht, daß ich jeden kleineren oder größeren Kurpfuscher der sozialen und der Judenfrage, wenn er Jude ist und unter Juden wirkt hierher rechne. Es gibt ganz gutmütige, und was hier vor allem in Frage kommt, recht harmlose Leute darunter, die manchmal Nutzen und nirgends Schaden stiften. Überhaupt ist das Fürsorge- und Wohltäterwesen eine allgemeine, vielleicht eine Klassenerscheinung, aber an sich nichts weniger als ein Symptom nationaler Zerrüttung. Diese muß erst dann festgestellt werden, wenn sich gewisse Züge zeigen, die nicht unbedingt zu dem System gehören, von dem die Rede ist. Diese Züge aber sind so charakteristisch, daß sie auffallen müssen. Ich verlange nicht, daß jeder gleich die lieblos kalte, eigensinnige Art heraus hat, in der jene jüdischen Fürsorger und Wohltäter, die den Keim nationaler Zerstörung ins Volk tragen, arbeiten. Doch auf ein objektives Merkmal kann jeder achten: darauf, ob bei der Arbeit die Kompetenzen durcheinander geworfen werden. Der normale Fürsorge- und Wohltätigkeitsmensch mag nämlich sozial rückständig sein, aber er will mit seinen Futtervorräten wenigstens nicht Bedürfnisse einer Volksseele decken. Der national Abnormale, Entartete, Verkümmerte dagegen will es. Oder besser, er will es auch nicht. Jedoch nur, weil er diese Bedürfnisse weder sieht noch ahnt, auch wenn er mit der Nase so sehr darauf stößt, daß man meinen sollte, jetzt müsse er sie ja sehen oder wenigstens empfinden. Er gibt und schiebt und bildet sich ein, zu schaffen und zu formen. Er glaubt, weiß Gott was, zu leisten und sät nur Verwirrung und Vernichtung, Jeder Täufling ist unschuldiger als er. Nach den Fürsorgern und Wohltätern kommen die Politiker. Natürlich auch nur eine gewisse Sorte von ihnen. Man kann ja über Politik denken, wie man will, kann zwischen Politik im höheren und niedrigeren Sinne unterscheiden, zwischen lauter und stiller, zwischen Politik adeliger und plebejischer Menschen, der Schreier und Streber auf der einen und der Charaktere auf der anderen Seite. Aber im großen und ganzen berühren diese Unterschiede unsere Frage nicht. Wohl hängt das Stärkeverhältnis der Gegensätze nicht nur von der Stufe ab, die auf der Leiter allgemein menschlicher Entwicklung erklommen wurde, sondern zum Teil auch von nationalen Anlagen. Doch diese Anlagen gehören eben einmal zum Fonds positiver oder negativer nationaler Kräfte, und es sind normale politische Tugenden und Laster, die sich aus ihnen ergeben. Allein etwas ganz anderes ist es, wenn die Politik ihrem sachlichen Inhalte nach auf Zerstörung jüdischen Kulturgutes oder seiner kargen Reste hinausläuft. Wer eine Witterung für derlei hat, wird, ohne erst viel untersuchen zu müssen, die Leute erkennen, die ich meine: an ihrer stieren, stumpfen Verständnislosigkeit, wenn man auf die jüdische Variante irgendeines allgemeinen, die Nation betreffenden Problems oder auf ein inneres jüdisches Problem selbst zu sprechen kommt, an ihrem hämischen, niederträchtig mitleidigem Lächeln, an ihrer Anmaßung, für die alle Weisheit bei der eigenen Nasenspitze aufhört. Wer sich aber auf seine Witterung nicht verlassen darf, dem empfehle ich, die Politik selbst ihrem Inhalte nach zu untersuchen. Er braucht sich nicht gleich zu erhitzen, wenn irgendein jüdischer HabituS bei irgendeiner Spezialfrage nicht ans Judentum denkt, weil er sich eben ganz in seine Lieblingssache verliert, mit seinem Steckenpferd so verwachsen ist, wie eben nur ein Reiter mit seinem Rosse verwachsen sein kann. Die Untersuchung darf erst bei denjenigen einsetzen, die sich sonst gar nicht einseitig zeigen, die sich auch Ausflüge dahin und dorthin erlauben und nur von den Grenzen des Jüdischen sich fernzuhalten ängstlich bemüht sind. Die, gleichgiltig ob aus Gründen persönlichen Interesses oder aus Verbohrtheit, so tun, als bestünde nicht ein großes, weites Land jüdischer Kultur, obwohl sie in jedem Falle dumpf empfinden, daß sie selbst dicht daran geboren wurden. Die vom Judentum nicht sprechen, als hätte es nie so was gegeben, und die jene falschen Formeln brauen, die einer fressenden Säure gleich Tausenden und Abertausenden von Judenseelen die Wurzeln ihres Wesens und eines ganzen und starken persönlichen Lebens zernagen. Wer wollte, diese Politiker bei ihrem Apostolate beobachtend, nicht einsehen, daß sie bedenklicher sind als die Täuflinge? Aber erst die schreibenden Künstler! (Die Publizisten rechne ich zur vorigen Gruppe.) Daß ich hier noch ernstere Vorbehalte mache, ist ja selbstverständlich. Nichts liegt mir ferner, als „Wortführer der „praktischen Männer" — sogenannt, weil zwei Drittel von ihnen praktisch zu stümpern verstehen — gegen die Dichter, die Phantasiemenschen sein zu wollen. Und die großen, einsamen Genien schließe ich von vornherein aus meiner Betrachtung aus. Es wäre ein eitel Bemühen, diese wunderbaren Aussprecher und Verkündiger der Volksseele, diese herrlichen Ahner des Vergangenen und Zukünftigen in bewußte Führer- oder Verführerrollen drängen zu wollen. Und übrigens ist seit den Tagen Heinrich Heines kein Einziger dieser Art im westjüdischen Volke aufgetreten. Wie denn auch anders? Aber das ist ein anderes Kapitel. Ich spreche gewiß auch nicht von jenen Künstlern, die mit dem Judenproblem in sich ringen, mögen sie zu welchen Ergebnissen immer oder überhaupt zu keinem Ergebnisse kommen. Daß sie ringen müssen und vor aller Welt davon Zeugnis ablegen, ist schon, mit ihrem Willen oder wider ihn, eine Bejahung des Judentums. Zum Unterschiede von diesen gehören die, die nicht mehr ringen, die über das innere Fragezeichen ihres Judentums leichtsinnig, unehrlich und unkünstlerisch hinweggleiten, die da in naiver Erfolgsucht jüdische Milieus und Stoffe grundsätzlich vermeiden, dafür oft in die „ausgefallensten" Lebenskreise hineinsteigen — bereits zu den Verneinern jüdischen Lebens. Allerdings, was bedeuten sie gegen die Armee von literarischen Machern und Strebern, die_ geradezu Totengräber dieses Lebens sind? Dies nicht etwa schon deshalb, weil sie Macher und Streber sind. Denn derlei Zwitter sind bei allen zivilisierten Völkern zu finden, bei den einen mehr, bei den andern weniger. Sie wachsen notwendigerweise aus dem geistigen Mittelstand hervor. Und wenn auch dieser nirgends so stark ist, wie bei den Juden, mit der numerischen Stärke seiner Marodeure ist die nationale Geistesgefahr, die sie bilden, noch nicht genügend geklärt. Sie klärt sich erst auf, wenn man die Leute mit ähnlichen Elementen anderer Völker vergleicht. Bei diesen hinken sie hinter den Großen der eigenen Nation her, verkünden, natürlich ohne berufen zu sein, den geistigen Ruhm ihres Volkes. In Israel aber sind sie Marodeure fremder Geistesarmeen. Die Geisteswelt des eigenen Volkes, wiewohl sie sich in ihren Gehirnen negativ abklatscht, wollen sie nichi kennen, wollen ihr nicht näher treten. Im Absynthgestanke und Zigarrenrauche ihrer Kaffeehäuser sind sie mit größenwahnsinnigen Geistreicheleien und manierierter Blasiertheit über das eigene Volk zur Tagesordnung übergegangen. Das Judentum ist ein Witz au; ihren verkniffenen Lippen, ein hämisches Lächeln auf ihren fahlen Gesichtern geworden. Und diese ganze pesthauchende Armee in unserem Rücken sollte nicht ernster zu nehmen sein als die paar Leute, die sich ihren Abfall auf dem Matrikelamte bescheinigen lassen? Ja, aber, — wird man mir auf alles das einwenden — sie bleiben doch unser . . Die Kinder und Enkel können anders sein Sie können wohl, aber ich bestreite, daß es die Regel sein wird Ich glaube vielmehr, sie werden in den Wegen der Väter gehen oder — die Taufe nachholen, die diese leider versäumt haben.