Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 — DIEa^KELT - No. 9 Hinsichtlich der geschichtlichen Ergebnisse haben sich nun die anfänglichen grossen Erwartungen nicht erfüllt. Inschriften Davids oder Salomos sind nicht gefunden worden. Aber man muss berücksichtigen, dass ausser der berühmten Inschrift des Königs Mesa von Moab und ausser der 1880 von Baurat Schick im Siloahkanal gefundenen Inschrift bis vor kurzem kein Denkmal in althebräischen Lettern vorhanden war. Aber die Deutschen fanden 1904 in Megiddo ein kleines Jaspbsiegel, das über einem babylonischen Löwen die althebräische Inschrift trägt: „Gehörig Schirna, dem Diener Jerobeams". es kann sich wohl bloss um einen Beamten des israelitischen Königs Jerobeam II. handeln, der von 785 bis 742 v. Chr. regiert hat. Sellin war es beschieden, aus den Trümmern von Taanach 12 mit Keilinschriften bedeckte Tontafeln, darunter 6 oder 7 wohlerhaltene, herauszuholen. Es sind Verzeichnisse wahrscheinlich militärischen Inhalts und in babylonischer Sprache abgefasste Briefe an den kanaanitischen Priesterfürsten von Taanach, darunter einer von religionsgeschichtlicher Bedeutung, der seinem Wortlaute nach im Alten Testament stehen könnte. Eine Opferstätte in Taanach zeigt eine zu einer Höhle verlaufende Rinne, von der Sellin annimmt, dass sie den in der Höhle vermuteten Göttern das Blut der Opfertiere habe zuführen sollen. In grosser Zahl sind bei allen Ausgrabungen Amulette, Ringe und heilige Steine gefunden worden, wie das Alte Testament sie erwähnt. Zahlreich sind auch nicht bloss aus vorisraelitischer, sondern auch aus späterer Zeit die babylonischen, ägyptischen und kanaanitischen Götterbilder, unter denen die unbekleidete Astarte überwiegt, während von einer auf einem Fabeltier reitenden männlichen Figur bloss gemutmasst werden kann, dass sie Baal vorstellen soll. Religionsgeschichtlich am wichtigsten ist eine von Sellin aus vielen Bruchstücken zusammengesetzter israelitischer Räucheraltar, dessen Skulpturen, darunter die Cherubim mit Menschenköpfen und Löwenleibern, manche biblische Ausdrücke veranschaulichen, Die Deutschen haben aus kanaanitischer und die Engländer auch in selteneren Fällen aus israelitischer Zeit viele Anzeichen von Kinderopfern und von den in der Bibel erwähnten Bauopfern vorgefunden. Um einen Altar herum fand Sellin die Reste von etwa 40 Kindern, die anscheinend in Tonkrüge gesteckt und durch aufgeschüttete Erde erstickt worden sind. Die Art, wie menschliche Körper unter den Toren und Ecksteinen neuer Bauten eingemauert worden sind, lässt kaum daran zweifeln, dass es sich hier nicht um Beerdigungen, sondern um Opfer handelt. Merkwürdig ist bei den Inschriften die Wiederkehr aus der Bibel bekannter Namen. Der Engländer Macalister entdeckte auf zahlreichen Krughenkeln vier als Stempel dienende Namen, die aus den Geschlechtsregistern in den Büchern der Chronika bekannt sind. In Gezer fand" man zwei aus dem siebenten Jahrhundert stammende Tontafeln, die in babylonischer Keilschrift echt jüdische Namen, wie Nathan nennen. In kultureller Hinsicht scheinen von alters her nicht bloss aegyptische und babylonische, sondern auch mykenische Einflüsse wirksam gewesen zu sein. Erinnert doch manches Kleingerät aus Gezer, Taanach, Megiddo ganz und gar an die in Troja, Mykenae Tiryns gemachten Funde..... Prof. Sellin ist auch bestrebt, in Konstantinopel einen Firman, für die Einleitung von Ausgrabungen in Jericho zu erlangen, von denen er sich viel verspricht. Aus den jüd. Organisationen Hilfsverein der Deutschen Juden Berlin, 26. Februar. Der geschäftsführende Ausschuss des HilfsVereins der deutschen Juden hat für Erziehungs- und Unterrichtszwecke in Palästina jetzt eine Reihe von Bewilligungen vorgenommen, insgesamt in Höhe von rund 33 600 Mk. Die Subventionen der Kindergärten in Jerusalem und Jaffa werden erhöht, in Jaffa ist eine neue Knabenschule begründet worden. Der Etat für die Lehrerbildungsanstalt, die der Hilfsverein im Jahre 2904 in Jerusalem errichtet hat und deren Ausbau im April 1907 abgeschlossen sein wird, ist für das Schuljahr 1906/07 auf 18500 Frcs. festgesetzt worden. In dieser Summe sind 1500 Frcs. Stipendien enthalten, die nach Lage der Verhältnisse für die Besucher der Anstalt aufgewendet werden müssen, denen der Unterhalt aus eigenen Mitteln während der Studienzeit nicht möglich ist. Ausserdem ist für Stipendien, die im Jahre 1905106 verausgabt wurden, ein Betrag von 550 Frcs. nachbewilligt worden. Die traurigen Verhältnisse in Russland haben die Unterstützungen, die bisher von dort nach Palästina flössen, versiegen lassen, und die Ausfälle müssen von anderer Seite gedeckt werden. Für Lehrmittel und den Ausbau der Seminarbibliothek sind 1000 Frcs. gewährt worden. Die Anschaffung von Lehrmitteln und die Erweiterung der Seminarbibliothek war besonders geboten, weil sich den jungen Leuten in Jerusalem nicht diejenige Gelegenheit zur Erweiterung ihres Anschauungskreises bietet, wie es in einer gleichgrossen Stadt in Europa der Fall ist, und deshalb ist eine möglichst vollkommene Anschaffung von Apparaten speziell für den physikalischen und chemischen Unterricht notwendig. Zur Vervollständigung der Turngeräte und Verbesserung des Turnplatzes sind 500 Frcs. ausgesetzt worden. Für die beiden Kindergärten in Jerusalem, die sich in schönster, segensreichster Weise entwickeln, wurden 3500 Frcs. bewilligt. Für den Kindergarten in Jaffa ist die gleiche Summe gewährt worden. Die Bewohner eines anderen Stadtviertels von Jerusalem projektieren die Gründung eines dritten Kindergartens, der Hilfsverein erwägt, auch für diesen einen Zuschuss zu gewähren. Einem langempfundenen Bedürfnis hat der Hilfsverein der deutschen Juden durch die Errichtung einer Knabenschule in Jaffa, einem der Zentren der jüdischen Bevölkerung Palästinas, abgeholfen. Die Schule soll sechsklassig sein, die beiden obersten Klassen sollen je zwei Jahrgänge enthalten. Der vollständige Ausbau dieser Schule wird im Jahre 1912 erfolgt sein. Die Kosten der Schule für das erste Jahr belaufen sich auf 5300 Frcs. Eür Hebron endlich sind entsprechend einem Antrag aus dieser Stadt für Schulunterricht in Hebräisch, Rechnen und Realien 700 Frcs. bewilligt worden. Der Hilfsverein wird der weiteren Ausgestaltung des Schulwesens in Palästina fortgesetzt das gross te Interesse zuwenden und erwägt bereits die Errichtung neuer Schulen, und durch das Lehrerseminar des Hilfsvereins wird es möglich werden, was Fisher immer eine sehr grosse Schwierigkeit gewesen ist, die zu begründenden Schulen mit geeigneten Lehrkräften zu versehen, die eine wissenschaftliche und religiöse Bildung genossen haben und somit in jeder Hinsicht den Aufgaben gewachsen sind, die sie in Palästina zu erfüllen haben. Ferner hat der geschäftsführende Ausschuss für die Schule Reschith Dath in Bukarest und die Schule der deutsch-israelitischen Gemeinde in Rustschuk einen Zuschuss bewilligt. KORRESPONDENZEN Wir erhalten von Geh. Komm.-Rat Goldberg er folgende Zuschrift: ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE (Allgemeine Israelitische Allianz) Deutsche Conferenzgemeinschaft : Der Vorsitzende Berlin, den 26. Februar 1906. An die verehrliche Redaktion der „Welt" KÖLN, Ubierring 23. Darf ich von Ihrer Loyalität erbitten, dass Sie den nachstehenden Zeilen vollinhaltlichen Abdruck in der nächsten Nummer der „Welt" gewähren: An der Spitze der „Politischen Revue" veröffentlichen Sie in No. 8 Ihres geschätzten Blattes eine Betrachtung über die „Alliance Israelite Universelle" und die Konstituierung der Deutschen Konferenzgemeinschaft, die am 13. d. Mts. in Berlin stattgefunden hat. Sie behaupten darin, dass die Deutsche Konferenzgemeinschaft der „Alliance Israelite Universelle" sich von der allgemeinen Organisation losgelöst habe, und dass der Verzicht auf die Solidarität in der Hauptsache behufs Einführung des deutschen Unterrichts in den orientalischen Schulen und behufs Ausdehnung des deutschen Einflusses erfolgt sei. Diese Darstellung ist in jedem Punkt unzutreffend. Eine Loslösung der Deutschen Konferenzgemeinschaft von der A. I. U. hat nicht stattgefunden, ist auch von keiner Stelle erstrebt worden. Die Konferenzgemeinschaft hat sich Statuten gegeben und sich straffer organisiert. Das ist unter ausdrücklicher Zustimmung des Zentral-Komitees derA. 1. U. und unter deren vollem Beifall geschehen. Der Zweck war nicht