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Die Welt · 1906-03-02 · 9 (2.3.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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partei ist vollkommen tot, die „Union" rührt sich aber in sehr wankelmütiger Art. Doch ist sie lebensfähig und lebensberechtigt. Wie und ob politische Bündnisse entstehen werden, ist fraglich. Diese zu gründenden Verbände werden folgende Aufgaben haben: Die richtige Leitung jüdischer Interessenpolitik in den allgemeinen Wahlbezirken. Da zwischen den abgeschlossenen Nationalitäten noch Parteien kämpfen werden, so werden die Juden noch oft Gelegenheit finden, ausschlaggebend zu wirken. Dan die Durchführung der sechs galizischen Wahlen in jüdischen Bezirken für verlässliche, unabhängige Juden und die Besetzung des Radautzer Mandates und des Mandates im Wiener Quaiviertel. Das Czernowitzer Mandat ist Dr. Straucher, das in der Wiener Leopoldstadt dem Sozialdemokraten Dr. Ellenbogen sicher. Bis jetzt wurde die ganze Arbeit im jüdischen Sinne von den Zionisten allein geführt. Wie weit die österreichische Parteileitung mit ihrer aufopfernden Tätigkeit gekommen ist, von welcher Wichtigkeit die von ihr eingeleitete Aktion für die Österreichischen Juden geworden ist, wie sie es verstanden hat, aus der bisher zerklüfteten österreichischen Judenheit einen politischen Machtfaktor zu bilden, mit dem die ernsten Politiker rechnen müssen, beweist der Umstand, dass sogar das führende österreichische Organ, die „Neue Freie Presse" den grossen Schweig-Bann über den Zionismus aufgehoben hat und von den wichtigsten Episoden der zionistischen Arbeit Kenntnis nahm. So schrieb sie im zweiten Leitartikel der Sonntagsnummer vom 25. ds. folgendes: „Die jetzt herrschende Partei des Polenklubs dürfte eine sehr beträchtliche Schwächung erfahren. Ihre Nachfolgerschaft dürfte dem klerikalen Zentrum, den Demokraten und den Altpolen zufallen. In einer Reihe von Bezirken Galiziens wird, wie es heisst, das jüdische Proletariat den Polen nicht mehr Gefolgschaft leisten, sondern eine selbständige .Politik treiben. In diesem Falle könnten zunächst etwa in drei oder vier städtischen Wahlbezirken nationale jüdische Kandidaten durchdringen. Ebenso können die jüdischen Wähler in der Bukowina auf ein Mandat rechnen. In Galizien wird es in sechs bis zehn ländlichen Bezirken von den jüdischen Wählern abhängen, ob die Polen das vom Gesetze vorgeschriebene Drittel der abgegebenen Stimmen und dadurch eines der beiden Mandate des Bezirks erlangen oder nicht. Die Zahl der polnischen Vertreter würde sich um weitere sechs bis zehn Mandate verringern, falls die Juden, was allerdings fraglich ist, für die ruthenischen Kandidaten eintreten würden". Man sieht, dass die österreichischen Juden Gelegenheit haben, ihr Schicksal zu schmieden. Die Konferenzen jagen einander. Der Rapport mit der Provinz wird fieberhaft angeknüpft. J. U. QPo cf§ FEUILLETON nfoi: aO JAKOB GORDIN (New-York): „DAS GELD" DRAMA IN 4 AKTEN AÜS DEM JÜEDISCHEN IV. AKT II. TEIL (Schluss) Ein Hof neben der Fabrik. Man hört das Surren der Räder and das Sausen der Maschinen. Masik führt Herscheie. Herscheie sieht sehr Mass aus. Masik: Fühlt Ihr Euch noch immer schlecht? Kommt hierher, ein wenig in die frische Luft. He, wer steht dort? Bringt einen Stuhl her! (Ein Arbeiter trägt °Änen Stuhl herbei) Sieh doch einer an, wie Ihr blass geworden seid! Herscheie: Ich hab' rotes Blut gesehen und bin weiss geworden. Oh Gott! Oh Gott! (Streift den Hemdkragen ab). Masik: Was ist denn geschehen? So geht einmal das Leben : Dem wird eine Hand abgerissen, der verliert einen Fuss, viele werden hingeschlachtet im Krieg. Das Leben bleibt deswegen nicht stehen, und die Welt wird dadurch nicht im Geringsten verändert. Was bedeutet Mottele in der grossen Weltfabrik, die man Natur nennt? Herscheie: Masik, du hast Recht: Mottele bedeutet gar nichts . . . nun, und Herscheie bedeutet so viel? Oh! Wie steht doch geschrieben: Der Mensch gleicht einem zerbrochenen Scherben, dem Schatten, der wegläuft, dem Staub, der verweht wird vom Wind, einem Traum, der verschwindet .... Masik: Ach, das ist das alte jüdische Lied, mit dem sich der Jude immer allein das Leben verbittert und selbst auf sich Angst und Schrecken wirft. So hat auch der grosse Klager Hiob gesprochen: Der Mensch ist wie das Gras, das wächst und wächst und geschnitten wird und ist wie der Schatten, der enteilt . . . Nein, nein! Ich mag das nicht! Meine Augen sollen von allem Genuss haben, aber immer weiterstreben soll mein Geist! Herschele: Aber ich bin ein Jud' und die alten jüdischen Lieder wird man aus mir nicht mehr heraustreiben! ... Oh! Früher hab' ich mir manchmal vorgestellt, wie schrecklich die grosse Posaune dröhnen wird, die erschallen wird vor dem grossen Tag des Gerichtes und wecken wird die Toten, die da liegen in den Gräbern . . . und sie rufen wird . . . vor den Thron des Richters . . . Masik, wie sich heute aus seiner Brust das entsetzliche Jammergeschrei losgerissen hat, da hab ich gefühlt, dass da etwas ist, was noch schrecklicher schallt als die grosse Posaune des Gerichtes . . . Masik, der Mensch hat aus ihm herausgeschrieen, die menschliche Kreatur! Wie ich die blassen Gesichter um ihn herum gesehen hab', ihren grossen Schreck und ihr Mitleid, da hab' ich verstanden, dass dieses menschliche Jammergeschrei der mächtige Schofar ist, welcher uns aufruft zum Tag des Gerichts, welcher zerbricht den Panzer, der auf unserem Herzen liegt und den Menschen in uns

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