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Die Welt · 1906-02-23 · 8 (23.2.1906) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No.8 19 Kurzer Bericht über die dritte Tagung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance israelite universelle. (übersandt vom Deutschen Bureau der Alliance Israelite in Berlin). Berlin, den 13. Februar 1906. Schon seit mehreren Jahren waren unter den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der A. I. U. Bestrebungen im Gange, um zunächst innerhalb des eigenen engeren Kreises und weiterhin unter den deutschen Komitees der Alliance überhaupt einen festeren Zusammenschluss und damit eine leistungsfähigere Organisation der im Dienste der Alliance sich betätigenden deutschen Kräfte zu schaffen. Diese Bestrebungen sind nunmehr zu einem erfreulichen Abschluss gediehen. Am 13. d Mts. vereinigten sich zu Berlin unter dem Vorsitz des Geheimen Kommerzienr^ts Goldberger eine beträchtliche Zahl von Vertretern der Alliance aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes. Das Hauptergebnis der Beratungen war, dass sich die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance" als eine freie Vereinigung deutscher Mitglieder des Zentralkomitees der A. 1. U. mit dem Sitz in Berlin fest konstituierte und Satzungen beschloss. Danach ist der Zweck der Deutschen Konferenzgemeinschaft der, die deutschen Mitglieder des C. C. zu vereinigen, um in Anpassung an die allgemeinen Satzungen und an die Verfassung der A. I. U. deren Aufgaben und Interessen in gemeinsamer Arbeit zu fördern. Die deutsche Konferenzgemeinschaft bildet im Einverständnis mit dem C. C. in Paris die Zentralstelle für die Organisation und Verwaltung der A. I. U. in Deutschland. Ihre Geschäftsführung wird durch ein Bureau in Berlin bewirkt, das die Bezeichnung führt: „Deutsches Bureau der Alliance Israelite Universelle.44 Das Bureau nntersteht der Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Konferenzgemeinschaft, der seinen Wohnsitz in Berlin haben muss. Mindestens alljähilich beruft der Vorsitzence eine Tagung der Mitglieder nach Berlin oder anderswohin in Deutschland. Den regelmässigen Jahrestagungen der Konferenzgemeinschaft wird ein Alliancetag angegliedert, zu dem alle Vertreter der deutschen Bezirks- und Lokalkomitees einberufen werden und alle Mitglieder der Alliance Zutritt haben. Auch sonst kann der Vorstand der Konferenzgemeinschaft einen Alliancetrg einberufen, wenn er es für erforderlich erachtet. Auf diesen Versammlungen wird über die" allgemeine Lage der Alliance sowie über Schritte, die im Interesse der Glaubensgenossen in Gemässheit des Artikels 1 der Statuten der A. I. U. notwendig sein sollten, beraten werden. Der Vorstand der deutschen Konferenzgemeinschaft besteht aus 6 Mitgliedern: aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden und 4 Beisitzern, Gewählt wurden zum Vorsitzenden Herr Geheimrat Goldberger-Berlin, zum stellvertretenden Vorsitzenden tierr Charles fiallgarten-Frankfurt a. M., zu Beisitzern die Herren Rechtsanwalt Joh. Behrendt-Danzig, Sally Flörsheim-Dortmund, Rabbiner Dr. Frank-Köln a. Rh. und Theodor Oschinsky-Breslau. Man hat ferner eine Reihe von Beschlüssen gefasst, die demnächst durch Rundschreiben allen deutschen Alliancekomitees zur Kenninis gebracht werden sollen. Die Mitglieder der Konferenzgemeinschaft haben sich bereit erklärt, die Organisation in den betreffenden Landesteilen zu überwachen und durchzuführen. Alle Aktionen des Komitees werden künftig an der Konferenzgemeinschaft eine kräftige Stütze finden und vom Deutschen Bureau aus tunlich einheitlich geleitet werden. Nach Erledigung der Organisationsangelegenheiten beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage, wie von Deutschland aus eine Mitwirkung an den Arbeiten der Zentrale in Paris am zweckmässigsten erfolgen könne und welche besondere Wünsche gegenwärtig in Bezug auf die Arbeiten der Zentrale zu äussern seien. Bei diesem Punkte wurde einmütig ein Beschluss gefasst, der die Erweiterung, bezw. Einführung des deutschen Unterrichts in den Schulen der Alliance vorsieht. Es sei erwähnt, dass die Alliance zurzeit in den Orientländern über 48 000 Schüler unterrichtet, von denen sie ausserdem einen Teil kleidet und*,-speist. Schliesslich besprach man die Stellung der Alliance und ihrer Deutschen Konferenzgemeinschaft den anderen jüdischen Organisationen im In- und Auslande. Der Verkehr mit allen jüdischen Organisationen ausserhalb Deutschlands untersteht der Leitung der Zentrale in Paris. Dagegen wurde der Grundsatz aufgestellt, dass die Regelung und Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Organisationen innerhalb Deutschlands ausschliesslich der Deutschen Konferenzgemeinschaft obliegt. Mit allen diesen Verbänden soll ein gutes und einträchtliches Verhältnis fortbezw. herbeigeführt werden. Hilfsverein der deutschen Juden. In der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses nahm der Hilfsverein der deutschen Juden unter dem Vorsitz des Herrn James Simon u. a. zu den Beschlüssen der Brüsseier Konferenz vom 29. Januar Stellung. Der Ausschuss erklärte sich nach dem Referat des Herrn Dr. Nathan, der an der Konferenz als Vertreter des Hilfsvereins zusammen mit den Herren Sigmund Bergel und Dr. Hildesheimer teilgenommen hatte, mit dem Beschlüsse einverstanden, dass eine Organisation geschaffen werden soll, um eine ständige Kooperation aller jüdischen humanitären Vereine für die Zukunft zu gewährleisten. Der geschäftsführende Ausschuss stimmmte um so lieber der in Brüssel gefassten Resolution bei, da bereits früher auf Antrag des Hilfsvereins bei der von ihm zusammenberufenen Kischinew-Konferenz genau derselbe Beschluss gefasst worden war, der aber leider bisher durch Hinderungen verschiedenster Art zur Durchführung nicht gelangt ist. Der Hilfsverein wird sich an der Bildung einer Kommission beteiligen, die die verschiedenen Länder in Bezug auf Immigrations- und Kolonisationsmöglichkeiten studieren soll. Unter lebhafter Zustimmung der Versammelten resümierte Herr James Simon den Standpunkt des riilfsvereins in der Frage der Kooperation der Organisationen und der Bildung einer Studienkommission dahin, dass wo immer die Hand gereicht werde, damit die zu erfüllenden humanitären Aufgaben in Genieinsamkeit gefördert werden, der Hilfsverein zur Stelle wäre und immer bereit sein werde, pari passu mit den andern Vereinen vorwärts zu gehen. Bewilligt wurden in der Sitzung unter Anderem weitere 4000 Mk. für die Herberge für russische Auswanderer, die bereits im vorigen Jahre in Königsberg i. Pr. eingerichtet worden ist und die unter der umsichtigen Leitung des dortigen Schutzkomitees des Hilfsvereins der deutschen Juden höchst segensreicht wirkt. Ferner beschloss der Ausschuss, dass in der Kontrollstation Ruhleben bei Spandau vom Hilfsverein der deutschen Juden eine Baracke für die durchreisenden russischen Auswanderer gebaut und eingerichtet werde und dass in der Baracke zugleich für die Verpflegung der Durchreisenden Sorge getragen werden solle. Die Kontrollstation Ruhleben wird tagtäglich von russischen Emigranten auf der Durchreise nach Hamburg und Bremen passiert; die daselbst nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften sich ärztlicher Untersuchung und Desinfektion zu unterziehen haben. Die vorbereitenden Schritte für die Herstellung und Einrichtung der Baracke, die den ärmsten unserer Glaubensgenossen zu gule kommen wird, sind bereits getan. Die Ausführung wird nach Möglichkeit beschleunigt. In der Sitzung des Ausschusses wurde jedoch nachträglich hervorgehoben, dass der Hilfsverein und das, für spezielle Zwecke der Auswandererfürsorge organisierte Zentralbureau und die Schutzkomitees des Hilfsvereins zwar für Gewährung von Schutz und Informationserteilung nach wie vor jederzeit zur Verfügung stehen würden, dass aber in Gemässheit des auch auf der Brüsseler Konferenz gefassten Beschlusses - die Auswanderung der russischen Glaubensgenossen pekuniäre Unterstützung nicht erfahren kann. Endlich wurde für die Unterbringung und Ansbildung galizischer Lehrlinge in Westösterreich eine Aktion, die der rlilfsverein für die notteidende jüdische Bevölkerung in Galizien zu Wien unter finanzieller Beteiligung des Hilfsvereins d. d. Juden unternommen hat — für 1906 gemäss dem Voranschlag des Wiener Vereins ein weiterer Beilrag von 3000 Kr. gewährt. KORRESPONDENZEN An jüdische Mütter und Väter! In den schon längst überfüllten und überfliessenden Thränenkelch unseres an schwerem Leid so reichen Volkes ergiesst sich ein neuer Thränen1 trom. Es sind die bitteren Thränen der verwaisten Kinder, unserer Kodoschim. Jüdische Mütter und Väter! Ihr könnt nicht unberührt und unergriffen bleiben bei diesen Thränen, bei diesem Jammer! Wie könntet Ihr, Elternliebe im Herzen eure Kinder liebkosen, ohne dabei jener unglücklichen Kleinen zu gedenken, die der Zärtlichkeit der Mutter beraubt, des Vaters liebevollen Fürsorge entrissen sind. Ich komme zu Euch mit folgendem konkreten Vorschlage: Die russischen zionistischen Rayonvorsteher haben jüngst auf ihrer Konferenz in Wilna beschlossen, aus den bei der Jüdischen Kolonialbank für die bei den letzten Pogromen geschädigten Juden eingelaufenen Gelder 100000 Prs. als vorläufigen Betrag für die

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