Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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20 DIEMELT -No. 8 Einrichtung eines Waisenhauses in Palästina zu assignieren. Dazu ist zunächst die Zustimmung der Gesinnungsgenossen der anderen Länder und des Aktionskomitee^ nötig. Später wird man dann die private Wohltätigkeit und die anderen jüdischen Organisationen zur vollständigen Verwirklichung dieses Planes zuziehen müssen. "Helft jüdische Mütter und Väter, dieses Werk zu vollbringen! Nur nach Palästina dürfen wir sie bringen. Mögen sie, der Elternliebe so früh beraubt, fühlen, dass ihnen die Liebe ihres Volkes geblieben ist, das sie nach seiner fieimat gebracht hat. Schaffen wir aus diesen unglücklichen Kleinen glückliche Bauern der heiligen Erde, die, von ihnen bebaut, eine reiche, herrliche Ernte geben wird! 0. Antrag. Die zionistische Ortsgruppe München beantragt, das A. G wolle dahin wirken, dass der grösste Teil der russischen Waisen in Palästina erzogen und später daselbst angesiedelt wird. Diese Waisen würden, stets bewusst, dass ihre Eltern für ihr Judentum gestorben sind, einen »n jeder Beziehung verlässlichen, für die spätere Kolonisation besonders brauchbaren Stamm abgeben. Wir gestatten uns dem A. C. die Anregung zu geben, die David Wolfsohn-Stiftung evtl. zu diesem Zwecke zu erweitern und einen dementsprechenden Aufruf zu erlassen. Mit Zionsgruss Zionistische Ortsgruppe München I. A.: Alfred Lobatz, Karlstr. 49/0. Herr Dr. Leopold Kahn bittet uns um die Aufnahme folgender Zeilen : Verehrliche Redaktion! In der vorletzten Nummer der Welt waren Berichte über meine Vorträge in Prag und Bielitz, die ich über das Thema „Die Juden und die Wahlreform in Österreich" gehalten habe. Da in den Berichten auch der Inhalt meiner Reden skizzirt erscheint, und ich leider etwas sehr wichtiges vermisse, welches meine Stellung in dieser Frage überhaupt kennzeichnet, so bitte ich ergänzend aufznnehmen, dass ich an beiden Orten in der Einleitung meiner Reden ausdrücklich nicht nur Verwahrug dagegen einlegte, dass man diese interne Frage Österreichs mit dem Zionismus deshalb verquicke, weil auch Zlonisten als Nationaljuden kat' exochen für einen Schutz der jüdischen Minorität mit in den Kampf treten, sondern auch ein „caveant consules!fc denen zurief, die den zionistischen Organisationen die notwendige Instruktion zu erteilen unterlassen, dass letztere als solche mit dieser Frage nichts zu tun haben, ja vielmehr selbst dem Verdachte aus dem Wege gehen müssen, dass unsere ideale Bewegung, deren Ziele ganz andere sind, etwa auch nur nebenher dazu berufen sein könnte, auf diesem Gebiete wirksam zu werden oder ganz besonders hervorzutreten. Die österreichischen Behörden fassen unsere Bestrebungen als wenigstens für das Inland nicht politische auf, und wir erfreuten uns bisher eines besonderen Wohlwollens von Ihrer Seite. Dieses nicht zu verscherzen, lag mir nahe. Wenn ich auch durchaüs nicht prophetisch daran denken konnte, das< gerade ein Herr Dr. Byk die an ihn gerichteten Protesttelegramme für staatsgefährlich zu halten und zu einer „Messire" mit der verleumderischen Ausrede zu missbrauchen den Mut haben werde, dass man Galizien in Zion verwandeln wolle, — so müsste es doch immerhin als eine höchst bedauerliche Tatsache betrachtet werden, wenn solche Telegramme auch von zionistischen Organisationen ausgegangen wären, was ich natürlich nicht glaube, und was höchstens von einem sehr unpolitischen politischan Zionisten in vollständiger Verkennung der Sachlage geschehen sein könnte. Hochachtend Dr. Leopold Kahn.'* NACHRICHTEN. Ein Opfer des Antisemitismus. Man schreibt uns aus Bulgarien: Dr. Rim. Am 29. Januar ist der 131/»jährige Sohn des in zionistischen Kreisen wohlbekannten Dr. Moi'se Nachimsohn, Bezalel, durch den Messerstich eines bulgarischen Kameraden in der Schule in Tatar-Bazardjik getötet worden. Der geistig und physisch vorzüglich entwickelte Knabe genoss im Elternhause eine gute national-jüdische Erziehung. Aber eben die guten Eigenschaften des von allen gelobten jüdischen Jünglings erweckten Neid und Hass im tierzen eines seiner christlichen Mitschüler. Der Judenhass wird in Bulgarien von Familie, Schule und Presse mit Eifer gepflegt und Za«ja fiel als Opfer dieses nie in der Seele des Bulgaren erlöschenden Hasses zum jüdischen Volke. Der Mörder benutzte die Mittagszeit, um sich ein Messer zu kaufen, und als Zalja nach Beendigung der Mittagsstunden die Klasse sorglos verliess, begegnete ihm der Missetäter und durchbohrte sein Herz mit einem Schlage. Zalja sank zusammen und der derzeit kranke herbeigeeilte unglückliche Vater konnte nur den Tod seines Lieblings feststellen. Der 17jährige Bösewicht gibt an, dass er die Tat deshalb begangen hat, weil er fürchtete, dass Zalja und die Juden sein Blut für rituelle Zwecke abzapfen wollten. Gewisse interessierte Kreise bemühen sich, den Burschen als wahnsinnig zu erklären. Die kleine clische Gemeinde T. Bazardjik ehrte den Namen des Verblichen.; durch Eintragung ins goldene Buch des Nationalfonds und Ein!..-f einer beträchtlichen Zahl von Ölbäumen. Die Hi Isner-Affäre. In der Hilsneraffäre stellt sich nachträglich heraus, dass das österreichische Justizministerium unter dem Befehle der Antisemiten gestanden und demgemäss Einfluss auf den Prozess genommen habe. Schneider konnte s;ch im Landtag zweimal brüsten, dass er den Justizminister Ruber dazu gezwungen habe. Eine dunkle Bestechungsaffäre des Ministers soll ihm die Handhabe dazu gegeben haben Man spricht vom Niederschlagen des Prozesses eines Industriellen in einem Sittlichkeitsdelikte. Tatsächlich hat das Gericht in Kuttenberg durch seine Anfrage, ob im Körper der ermordeten Hruza Blut gefunden worden sei, die offizielle Anklage auf Ritualmord erst ermöglicht. Ruber schweigt, trotz vehementer Angriffe in verschiedenen Blättern. Der Präsident des zweiten (Piseker) Gerichtes über Hilsner, Dr. Winter, hat den Wortlaut seiner Äusserung zum Verteidiger Hilsners, Dr. Aurednicek, in einem Blatte amtlich dementiren lassen. Er will nicht gesagt 'haben: „Sie sehen mich tief erschüttert, man hat einen Unschuldigen verurteilt", tatsächlich hat er nur die zweite Hälfte gebraucht, wie Dr. Auredincek jetzt bezeugt. Bezüglich des Prozesses haben eine Anzahl Abgeordneter interpelliert das was ungeschickt und zu früh. Die massgebenden Personen sind noch nicht mürbe genng und wenn der derzeitige Leiter des Justizministeriums Dr. Klein (getauft) Ruber und dessen Vorgehen mit seiner Autorität deckt, sind wir machtlosen Juden auf den Mund geschlagen. In den Kreisen hoher Justizbeamter herrscht grosse Aufregung über die Affäre. Solange man aber nicht neue Fakta bringt, ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens schwer möglich. Wie ich auf das Bestimmteste mitteilen kann, ist man seiner neuen bedeutenden Tatsache auf der Spur, die wie ein Blitz wirken muss, wenn sie sich bewahrheitet. Sie muss im Interesse der Sache vorläufig verschwiegen werden. J. U. BRIEFKASTEN. Jordania, München. Besten Dank und Gruss. W. Dr. A. S— r, Breslau. Wird im nächsten Artikel über Autonomie berücksichtigt. C. Dr. K.? Wien. Erste Erklärung schon gedruckt in Nr. 5. Rad—er, London. Wird bei nächster Gelegenheit besprochen. El Amarna. Ueber die Ausgrabungen in Palästina berichtet speziell die englische Zeitschrift: »Palestine Exploration« wie auch in der Zeitschrift »Terre Sennie« und anderen archäologischen und geographischen Zeitschriften. Die »Urkunden« sind nns noch nicht zu Gesicht gekommen. Wir würden am liebsten E. Meyer und Winkler empfehlen.____ Unsere gesch- Mitarbeiterin Frl. Rosa Pomeranz bittet uns bekannt zugeben, dass ihre Trauung mit Herrn Isaak Melzen, Jurist und Beamte der k. k. öster. Staatsbahnen am 5. März 1. J. im isrl. Tempel zu Tarnapol stattfinden wird.