Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No.8 D!E2$KELT -17 Siebente Generalversammlung des Einzelvereines „Fünfhaus" des „Zion" in Wien. Dieser Generalversammlung wohnten das Mitglied des grossen A. K. Dr. L e o p o 1 d Kahn, und in Vertretung des innerösterreichischen D. Kdie Herren Dr. Isidor M a r g u I i e s, Adolf Böhm und Emil Stein bei. Dem abtretenden Vorstande wurde einstimmig Vertrauen und Dank votiert. In lebhafter Debatte wurde das Verhältnis des zionistischen Zentralvereines zum Einzelverein „Fünfhaus" geklärt und als Kooperation formuliert. Doch wurde aus organisatorischen Gründen der Wunsch geäussert, die Leitung des Zentralvereines von der des D. K. zu trennen. Auf die Mitarbeit der Bürger wurde grosses Gewicht gelegt und in einer Resolution den Bürgervereinen die Propaganda unter der Jugend empfohlen. Die Werbung für den Nationalfonds wurde als Masstab für den Wert der Vereine festgelegt, diesen aber Bewegungsfreiheit eingeräumt, so lange nicht prinzipielle Differenzen bestehen. Der Aufsichtsrat des D, K. wurde anerkannt. Durch Wahl wurde der alte Vorstand ergänzt mit den Herren Isidor Gehlbard, Nathan Mechor, Prof. Rudolf Pick und Dr. Heinrich Rieger. Als Revisoren wurden neu gewählt die Herren Bernhard Freund und Anton Stein. Ins Schiedsgericht trat neu Herr Michael Stern. Leipzig. In der am 24. Januar 1906 stattgefundenen Generalversammlung der Zionisten-Vereinigung Leipzig wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Dr. E. Chamitzer (1. Vorsitzender), Dr. E. Loebl (2. Vorsitzender), Rechtsanwalt Löffler (Schriftführer), J. Raskin (Bibliothekar), S. L Fuchs und S- Preczep (Kassierer) und J. Tockel (Beisitzer). — Treffpunkt der Leipziger Zionisten alle Mittwochs abends im Cafe Pfau (erstes Wiener Cafe), Plauensche Passage. Leipzig. Während der Engros - Messe (5. bis 11. März) Treffpunkt der Zionisten allabendlich im Cafe Pfau, Plauensche Passage. Belgien. Antwerpen, 20. Februar 1906. Seit der jüngsten Brüsseler Konferenz macht sich hier eine ungewöhnlich erhöhte Tätigkeit im Zionismus bemerkbar. Hervorgerufen wurde sie teils durch den lauten Nachhall, den hier die Konferenz selbst gefunden, teils durch eine Reihe interessanter Vorträge, die hier von Dr. Leopold Kahn (Wien), Dr. Franzie Berenstein (Amsterdam) und Dr. Alex. Marmorek (Paris) gegeben wurden, und schliesslich durch die frisch aufgenommene Propaganda der territorialistischen Bewegung, die man nunmehr auch hier nach Kräften zu importieren versucht. Namentlich die Art und Weise, wie sich die letzteren Bestrebungen hier bei uns manifestieren, machte ein offenes Hervortreten seitens der Zionisten notwendig. Denn vom Standpunkte ausgehend, dass „der Zweck die Mittel heiligt" halten die hiesigen Ito-Importeure alle Wege für gut, um ihren Artikel an den Mann zu 1 ringen. Den Zionisten suchen sie zu gewinnen, indem sie die Ito als eine „nationale" Bewegung darstellen, dem Antizionisten wird sie als bestes Kampfmittel gegen den Zionismus angepriesen, für den Assimilanten wird sie „philantropisch* zugestuzt, mit einem Worte, die Ito wird als Universalmittel „pour tous les goöts„ hergerichtet. Zur Klärung dieser zweideutigen Sachlage hat nun der letzte Vortrag über „Die gegenwärtige Lage des Zionismus*, den hier kürzlich Herr Dr Alex. Marmorek vor einer liberaus zahlreichen Zuhörerschaft gehalten, in ganz hervorragender Weise beigetragen. Man kann es dem Redner als besonderes Verdienst anrechnen, dass er ein offenes Wort sprach, und endlich Klarheit in die ver vorrene Situation brachte. Er begann mit einem Rückblick auf die Ereignisse des letzten Kongresses, der die Ablehnung des Ostafrikaprojektes zur Folge hatte, und in warmen, von heissem Mitgefühl durchglühten Worten schilderte er dann die tragische Lage des jüdischen Volkes nach der furchtbaren Katastrophe in Russland. Er wies auf die Selbstwehr hin, die von den Zionisten nicht nur angeregt, sondern auch nach Kräften gefördert wurde, und deren Notwendigkeit auch allgemein zugegeben wurde, weil man begriff, dass das Mass voll war, und dass es gerechte Pflicht sei, sich und die Seinen zu verteidigen. Ferner betonte er die hohe Bedeutung der von den Zionisten einberufenen allgemein-jüdischen Konferenz in Brüssel, die zum ersten Mal das erhebende Schauspiel bot, dass Vertreter verschiedener Richtungen, Zionisten und Nichtzionisten, zu gemeinsamer Arbeit sich die Hände reichten. Eine der ersten Aufgaben dieses neuen Zusammenschlusses wird es sein, dahin zu wirken, dass ähnliche Katastrophen uns künftighin nicht mehr unvorbereitet finden, wie es bisher immer der Fall war. Auf die territorialistische Organisation näher eingehend, wies Dr. Marmorek in klarer und präziser Weise nach, dass diese Bewegung unter falscher Flagge segle, wenn sie sich als eine nationale ausgibt. Als Wohltätigkeitsinstitution lasse er sie immerhin gelten, denn wenn auch nur einem kleinen Teil der leidenden Juden geholfen werden könne, beanspruche und verdiene sie. nach dieser Rieh ung, hin selbstverständlich unser Wohlwollen. Aber sie habe kein Recht, sich das Ansehen einer nationalen Bewegung zu geben, die sie nicht ist und auch nicht sein kann, da ihr alles fehlt, was ihr die Merkmale einer wahren nationalen Bewegung verleihen könnte. Und selbst für den Fall, als es der Ito gelingen sollte, einigen tausend Juden zu helfen, könnten sich die Zionisten bei aller Anerkennung selbst eines solchen Resultates damit nicht zufrieden geben, weil eine derartige Heilhilfe nur ein ganz kleines Pflästerchen für die grosse jüdische W7unde bedeuten würde. Die Lösung der Judenfrage ist ein Problem, das die ganze Kraft des gesamten jüdischen Volkes erfordert, und diese wird wohl der tto niemals zugewendet werden, weil sie nicht die Trägerin einer Idee, eines Losungswortes ist, das die Massen in Bewegung setzen kann, wie der Zionismus." An diese interessanten Ausführungen knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, an der sich mehrere Territorialisten beteiligten, und die das Verhältnis der hiesigen Zionisten zur Ito in klares Licht setzte. H. G. AUS DEN ORGANISATIONEN Die allgemeine jüdische Organisation Die Herren L. J. Greenberg und M. A. Spielman, die von der Brüsseler Konferenz beauftragt worden sind, eine Aktion zur Schaffung einer allgemein-jüdischen Organisation einzuleiten, haben nun folgendes Zirkular an die Organisationen erlassen : Sehr geehrter Herr! Die allgemeine jüdische Konferenz, die in Brüssel den 29. Januar stattgefunden hat, „um zu beraten über die Lage der Juden in Russland", hat einstimmig beschlossen, dass es dringend notwendig sei, eine allgemein-jüdische Organisation, bestehend aus den Vertretern aller vorhandenen jüdischen Organisationen, zu bilden. Diese allgemein-jüdische Organisation, hätte die Aufgabe, sich mit Problemen, wie sie jetzt die Lage unserer Brüder in Russland ist, zu befassen, die Wanderung der Juden von einem Lande in das andere soweit als möglich zu regeln, und würde auch sonst auf Ansuchen einer der vertretenen Körperschaften, sich Aufgaben unterziehen, die von einer allgemeinen Organisation viel leichter gemacht werden können, als von einer einzelnen. Wir brauchen Ihnen kaum die grosse Wichtigkeit einer solchen Organisation, wie sie von der Konferenz geplant wurde, für die Gesamtheit des jüdischen Volkes zu erklären, da sie ein einigendes Band bilden würde zwischen den jüdischen Gemeinden in den verschiedenen Weltteilen, das jetzt sehr nottut aber nicht besteht. Sie wäre ein geeignetes Organ für Rat und Tat und könnte in Fragen, die nicht bloss einen Teil der Juden, sondern die Juden aller Länder tangieren, viel kräftiger und erfolgeicher eingreifen. Die diesbezügliche Resolution der Brüsseler Konferenz ist beigelegt und Sie werden daraus ersehen, dass wir mit der Einleitung der ersten Schritte für die Schaffung der „Allgemein-jüdischen Organisation" beauftragt wurden. Wir wären Ihnen sehr verpflichtet, wenn Sie dieses Schreiben so bald als möglich Ihrer Organisation vorlegen und uns benachrichtigen wollten, ob wir auf deren Unterstützung rechnen dürfen. Im Falle der bejahenden Antwort, werden wir uns mit Ihnen in Verbindung setzen, sobald wir von den übrigen Organisationen, die wir zum Beitritt eingeladen, Mitteilung erhalten.