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Die Welt · 1906-02-16 · 7 (16.2.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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16 die3|eelt - No. 7 öS FEUILLETON Q&D f>C5»X ao JAKOB GORDIN (New-York): „DAS GELD" DRAMA IN 4 AKTEN AUS DEM JÜEDISCHEN. (Fortsetzung) Ein Diener: Chatzkel Drachme will mit Euch sprechen. Herscheie: Chatzkel? Was ist denn los? Masik: Es geht ihm sehr schlecht. Herscheie: So? Na, er soll kommen! Reb Uriel, wie sollen wir das zustandebringen? Vergesst doch nicht, dass Bankerotteren keine Kleinigkeit ist! Masik: Verlasst Euch nur auf mich! (Chatzkel und Mottete treten ein, beide mit vergrämten Gesichtern) Herscheie: Was wollt Ihr denn in so später Stunde? Ich bin soeben erst von der Reise zurückgekehrt und bin müde. Chatzkel: Ich hab' mit Euch nur wenige Worte zu reden, Reb Herscheie. Herscheie: Ich hab' gehört, dass Du in der Gemeindestube viel zu reden gehabt hast — man soll mich nicht zum Vorstand wählen. Ich hab' Euch für eine Schul' gegeben, ich hab' Euch ein Bad gebaut — und verdien' nicht einmal diese Ehre, ha? Chatzkel: Nehmt's mir nicht übel, ich bin nicht hergekommen, um über Ehre zu reden. Euch kommt die Ehre zu, Euch kommt alles zu. Ich seh' das ein mit meinem einfachen Verstände. Ich, Mottele, Berl, unser ganzer Weber-Verband, wir arbeiten, wir rackern uns die Haut vom Leib — und Ihr werdet reich. Wir machen gute Talessim, wir führen rechtschaffen unsere Geschäfte und müssen dabei alles draufzahlen — Euch vertraut man und uns nicht. Euch zahlt man — unsere Schuldner lachen uns ins Gesicht. Ja, Ihr habt's wahrscheinlich verdient. Ihr habt einen guten Fürsprecher im Himmel Mottele [für sich): Einen Fürsprecher im Himmel — und einen Masik an der Seite! Herschele: Narr, der Du bist! Du hast mit Deinen Händen Krieg führen wollen gegen eine Fabrik, mit Deinen Fingern hast Du wollen 4as. Rad zum Stehen bringen, mit Deinen paar lumpigen Groschen gegen das Kapital kämpfen — wer ist denn schuld, wenn nicht Du? Chatzkel: Berl hat das Geheimnis gewusst, wie man den Talessim den Seidenglanz gibt — und Ihr habt uns das Geheimnis ganz einfach weggestohlen. Man wird, scheint es, nur vom Raub reich, nicht von der Arbeit. Mottele: Ich hab's mir ein paar Mal so zu Herzen genommen, dass ich schon hab' hingehen wollen, diese verfluchte Fabrik mit allem zusammen in Brand zu stecken. Chatzkel: Schweig, red' keine Dummheiten! Herscheie {aufgeregt): Du hörst, was so ein Bengel sagt? Meine Fabrik anzünden, meine Habe, mein Vermögen? Masik: Unsere Habe, unsere Fabrik, meint Ihr wohl? Herscheie (überhört es): Im Zuchthaus würdest Du bei mir verfaulen, nach Sibirien wirst Du geschickt werden! Niemand hat das Recht, Dir zu nehmen, was Dir gehört, und Niemand hat das Recht, mir mein Eigentum zu nehmen. (Leiser kommt verstohlen herein.) Chatzkel: Ah, was hörst Du auf seine Worte! Was er da redet, der dumme Junge! Niemand wird, Gott behüte, bei Dir was nehmen. Wir sind gekommen, um zu bitten. Hilf uns heraus! Die 5000 Rubel der armen Pessie . . . wir sind doch einmal gute, treue Freunde gewesen . . . Herscheie: Das ist Freundschaft, und das ist Geschäft. Du hast's leicht, Freund zu sein, wenn Du nichts zum Teilen hast. Chatzkel: Einmal seid Ihr doch auch ein guter Mensch gewesen, habt sogar das Letzte geteilt mit Einem .... Her schele: Wenn man ein Narr ist, heisst man auch gut. Man muss ja verstehen, wie man Gutes tun soll. Wie kann ich Dir nun helfen? Soll ich Dir etwas Geld geben, ein Almosen? Ich weiss ja, wie und wo man Almosen geben kann. Dir wird's ja nicht helfen. Es wäre nur hinausgeworfenes Geld. Oder soll ich Dir soviel geben, dass Du obenhinauf kommst und mit mir konkurrierst? Für einen solchen Narren wirst Du mich doch nicht halten! Masik (in mürrischem Ton): Ihr vergesst, dass Ihr einen Compagnon habt, der auch was dreinzureden hat. Leiser: Er hat es wohl schon satt, dass der Compagnon was zu reden hat! Herscheie: Bist schon wieder da? Ich hab Dir doch gesagt, sollst Dich schlafen legen! (Leiser erschrickt) Bringt ihn doch hinaus! (Ein Diener führt ihn hinaus.) Man muss ihn irgendwo in Kost geben, es ist eine Schande, ihn im Hause zu halten. Chatzkel: Also — womit sollen wir weggehen? Herscheie: Soweit ich kann, werd' ich Dir ja helfen. Ich werde zusehen, dass Pessie durch Dich nicht Schaden leidet. Ich werde ihr von meiner Kassa 12 bis 15 Rubel monatlich geben lassen. Masik: Von unserer Kassa wolltet Ihr wohl sagen. Herscheie: Und Du mit Deinem Sohn, Ihr werdet bei mir in der Fabrik arbeiten. Masik: In unserer Fabrik.

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