Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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2u -----------.......... Dobe: Unberufen! (Spuckt aas.) Zippe: Und das jüngere gurrt so in der Wiege wie ein Täubchen. Das ist ehrlicher Reichtum. Man stiehlt's nicht, man nimmt's niemand weg, Gott giebt es dem Menschen, und der Mensch giebt es Gottes Welt zurück. Dobe: Der grösste Segen Gottes sind Kinder. Freide: Und dennoch, als Du ein Mädchen warst, warst Du lustig und hast gelacht und herumgetollt — und jetzt, Zippenju, bist Du schon wie eine alte Frau. Zippe: Sein Lebenlang kann ein Mensch nicht herumtollen. Und wenn ich nicht lache, so ist es, weil es Menschen giebt, die mich zum Weinen zwingen. Freide: Schwester, Du sprichst feindselig zu mir. Wir sind jetzt wie Fremde. Zippe: Ja, wir sind Feinde, wir sind Fremde. Wir alle dort verfluchen unser Leben, wir arbeiten, wir robotten, und Ihr, die reichen Herrschaften, reisst uns den letzten Bissen aus dem Mund. Ihr saugt uns aus. Freide: Nicht wir, Ihr seid unsere Feinde, sagt der Onkel. Er hat der Muhme 5 000 Rubel gegeben, Dich hat er ausgestattet, und Reb Chatzkel hat das Geld genommen, um mit unserer Fabrik zu konkurrieren. Ihr habt Euch selbst unglücklich gemacht. Reb Chatzkel hat einmal um einige Rubelgebeten, dann wieder und wieder, ich hab' immer gegeben, bis das Geld aus war und auch das Geschäft. Weiss Gott, was wir Dir wünschen, möge der Himmel erhören! Was weiss ich? Der Onkel sagt so. Du weisst nur, was der Onkel sagt. Und Du, bist Du denn kein Mensch? Das weisst Du nicht, dass Du einmal gute Freunde gehabt hast, Blutsverwandte, und dass Du jetzt von ihnen abgeschnitten worden bist. Hast eine Schwester gehabt, wir sind beide Waisen gewesen, zusammen sind wir aufgewachsen, und jetzt sind wir Feinde, Fremde. Das weiset Du gar nicht. Du weisst nicht, dass Du eine Frau, die Dich wie eine leibliche Mutter erzogen und ernährt hat, aus ihrem Hause hinausgeworfen und ihren Platz eingenommen hast? Du fühlst nicht, dass ihr armes altes Herz gebrochen und ihr Leben für immer zerstört ist? (Weint.) Pessie: Was sprichst Du da? Gott sei mit Dir! Wenn nur Freidenju glücklich wäre — und ich, ich . . . (weint) Freide: Ich hab' keinen von mir abgeschnitten, ich bin selbst von allen abgeschnitten worden. Du siehst meinen Reichtum, meine schönen Kleider — aber die Wunden im Herzen sieht Keiner. Muhme, Euer Unglück hat mich nicht glücklich gemacht. Euer Herz ist gebrochen, aber auch mein Herz ist nicht von Freude erfüllt. Wir haben beide damals geglaubt, dass es nicht anders sein kann und darf. 0, Muhme, wie in einem Wald irr' ich herum ganz allein, und wenn Ihr mir nicht böse seid, so habt Mitleid mit mir. (Alle weinen) ■DIEMKE LT Pessie: Dobe: Freide: Zippe: -------.......------------------.....------------------------........----------------No. 6 Leiser (tritt ein, trunken, mit einet noch verkorkten Weinflasche, die er auf den Tisch stellt): Na, was ist denn da los? Ein ganzes Frauenorchester! Vier Frauen und vier verweinte Nasen. (Singt): 0, Frauen, weint heisse Zähren, vielleicht wird Gott Euch erhören! Zippe (wischt sich die Thränen ab): 0, der Grossvater lacht über unsere Nasen . . . und macht selbst einen guten Schluck* aus dem vollen Krug . . . Hahaha! Was macht mein guter, alter Freund? Leiser: Zippenju, meine Geschäfte gehen glänzend. Meine Fabrik hat mich schon mit einem Tallis versorgt, den man mir ins Grab mitgeben wird. (Singt): . . . Einen guten Schluck . . . Masik (tritt ein): Reb Herscheie ist gekommen. (Alle Frauen erschrecken, wissen nicht, wohin sie gehen sollen, und laufen ratlos in der Stube herum) Freide: Kommt, ich werd' Euch durch mein Zimmer hinauslassen. (Alle Frauen m Hast ab) Leiser (treibt die Frauen mit seinem Taschentuch an): Weiber, husch, husch! Reb Leiser, jetzt steck den Badchen ein! (Setzt sich in die Ecke) Masik: Ihr habt einen Rausch. Macht lieber, dass Ihr fortkommt. (Der Diener öffnet die Tür, trägt einen Koffer, ihm folgt Herschele im Reiseanzug) Herscheie: Guten Abend, Reb Uriei. Scholem Aleichem! Wie geht's. Was giebt's bei uns hier Neues? Leiser (im Singsang der Begriissung des Neu mondes): Scholem Aleichem, Aleichem Scholem, Scholen] Aleichem, Aleichem Scholem! Maseltow! . . . Herschele: Du bist so trunken, dass man Dir nicht einmai „Scholem Aleichem1' >agen kann. Pfui! Geli lieber schlafen! Was macht Freidenju? (Geht an ihre Tür heran) Freidenju, ich hab' Dir Seidenstoff für Kleider mitgebracht und Ohrgehänge. (Still): Ich werd' Dir später auch einen Kuss geben, wenn ich Zeit haben werde und Keiner dabei ist. Leiser: Ich bin ja nur ein armer Schlucker gewesen, ein Badchen, aber wenn ich von der Reise zurückgekommen bin, da smd wir, ich und mein Weib, hingeschmolzen wie Wachs . . Herscheie: Nun, was giebt's bei uns Neues? Ich bin Eurem Rate gefolgt und hab' soviel, als nur irgend mögi eh, Kredit genommen. Man giebt - ohne ein Wort darüber zu verlieren. Masik: Ich hab's ja gewusst, wenn Ihr selbst fahren werdet, da werdet Ihr einen guten Eindruck machen. Ja, wir müssen jetzt hereinfangen, soviel wir können! Herscheie: Hereinfangen sogar? (Erblickt die Flasche) Was ist das? Wein? Ich möcht' ganz gern ein »Gläschen trinken. Wollt Ihr vielleicht eine Zigarre? (Zieht ein Zigarren-Etui heraus, steckt sich eine Zigarre an) Masik: Wein werd' ich auch trinken — aber das Rauchen hab' ich aufgegeben. Seht mal