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Die Welt · 1906-02-09 · 6 (9.2.1906) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
6 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No.6 DIEI&ELT crlaubt, Früchte essen ist verboten! Einmal hat es die Frau gewagt, von den verbotenen Früchten zu essen, und sie hat der ganzen Frei de: Menschheit die Früchte der Erkenntnis gegeben. Und durch die Frau werden die Menschen, früher oder später, auch vom Dobe: Baum des Lebens essen. Fr ei de: Ich bin eine ungelernte Frau, und versteh' nicht, was Ihr da gesagt habt Aber das weiss ich: Nachdem die Mutter Eva von den Frei de: verbotenen Früchten genossen hat, ist der Dobe: Tod gekommen und die Schmerzen, Tränen und Leiden. Und was ist unser Vergnügen? Pessie: Ein kurzes Vorspiel für lange Leiden. Ich zieh ein neues Kleid an, ich zier' mich mit Schmuck — aber das macht mir Freude nur für einen Augenblick, und dann wird mir wieder so trüb zumute und so schwer. . . Masik: So muss man neue, andere Freuden suchen, Dobe: die man noch nicht erlebt hat! Frei de: Nein, das macht einen Menschen nicht glücklich. Das Leben bietet uns keine Freuden. Masik: Habt Ihr denn so wenig Freude im Hause von Reb Herscheie? Freide: Hier im Hause hab' ich die Stelle der guten Frau eingenommen, die meine zweite Mutter gewesen ist. Es sind schon drei Jahre vorüber, aber alles in diesem Hause erinnert mich daran. Pessie Masik: Es ist nur deshalb, weil Ihr Euch mit Reb Herscheie vereinigt habt nicht in einem Dobe: Gefühl der Leidenschaft, sondern in einem Gefühl der Vergötterung. Aber das ist kein irdisches Gefühl. Es ist das erste Gefühl, Zippe: das die Frau bei uns hervorruft. Aber die Aufgabe des Mannes ist es, diese Göttin zu einer Frau zu machen. Es ist grausam, grob, aber natürlich. Freide {blickt vor sich hin, hört nicht zu, spricht wie zu sich selbst): Wenn ich wenigstens ein Kind hätte! Masik: Von Kindern erwartet ihr Freude! Kinder Freide: rauben den Müttern ihre Schönheit, machen sie vor der Zeit alt, reissen sie los von der Zippe: ganzen lebendigen Welt. Die Freiheit, Jugend, Dobe: Schönheit den Kindern opfern? Unsinn! Pessie: {Dobe und Pessie treten in die Tür) Dobe: Tretet nur näher, Zippenju! Freidenju, Du bist hier allein mit einem Mann? [Still): Sag' Freide: ihm, er soll weggehen, er hat einen bösen Blick. {Freide wirft Masik einen Blick zu) Zippe: Masik; Ich versteh' schon! {Im Gehen): Seht nur zu, dass der Satan nicht in Euch fährt. Freide: Dobe: Da ich's nicht versteh, soll's mir auch nicht schaden! {Verdeckt die Augen) Freidenju, die Muhme ist mit mir gekommen. Kommt doch näher, Pessenju! {Pessie tritt näher; Zippe: sie ist sehr gealtert) Freide: 0, Ihr seid's! So lange nicht bei uns gewesen. Gott steh mir bei! Wie alt und verändert Ihr geworden seid! Seid Ihr mir böse? Pessie: Nein, Kind, warum sollt' ich Dir böse sein? Nein, nein — nur, wie ich in die Stube getreten bin da hat's mir einen Stich gegeben durchs Herz . . . Man bleibt doch immer --------------------------------------------------------19 eine Frau! {Wischt eine Träne ab) Nun, Freidenju, wie geht's Dir? Wie es geht? Mir . . . geht es gut, ich bin reich und . . . eine Mutter hab' ich nicht. 0, die . . . {fällt ihr weinend um den Hals) Wir wissen, dass Dein Mann nicht zu Hause ist, so sind wir gekommen . . . Zippenju ist auch mitgegangen, dann aber hat sie Reue bekommen . Was macht Zippenju? Ist sie gesund? Gottlob, unberufen! . . . Zwei Kinder, fein wie Perlen . . . Freidenju, wir sind gekommen, um Dich um eine Gefälligkeit zu bitten. Es geht uns jetzt sehr schlecht. Reb Chatzkel und Mottete dürften brotlos werden und uns wird nichts übrig bleiben, als, Gott behüte, in die Häuser betteln zu gehen. Eure Fabrik hat uns erstickt . . . Wie der Böse, vor dem uns Gott bewahren möge, steht sie da und erstickt uns alle. Pessie's Geld, Zippenju's Mitgift, unsere paar armen Groschen hat der böse Unglücksstifter an sich gerissen. Wenn Du Reb Herscheie bitten wolltest — eine junge Frau kann alles ausrichten — ein altes Weib kann man hinauswerfen, aber für eine junge Frau geben sie alles her. {seufzt): 0 weh! {Zippe öffnet die Tür) Da ist Zippenju! Willkommen! . . . Hast Du wieder Reue bekommen? {Zippe tritt ein, ärmlich gekleidet, sie sieht schlecht und abgemagert aus) Ich bin gekommen, was soll ich denn tun? Wenn man nicht hinaufsteigen kann, muss man sich ducken. 0, was für Kleider und Schmucksachen unsere Dame trägt! Erinnerst Dich, Muhmchen, wie sie immer gesagt hat, das§ Kleider und Schmuck nur Flitterwerk sind? {Schaut sich um) Grossartig ist's bei Dir, Schwester. Beneidest Du mich? Zippenju, das alles macht nicht glücklich! Wer Dich beneidet, der möge erblinden! Eh, Zippe, willst Du gar Streit anfangen? Nein, wir wollen nicht streiten, wir sind gekommen, Freidenju, Dich zu bitten, Du sollst uns helfen. 0, Schwester, wie Du schlecht aussiehst! Was ist aus Dir geworden! Kannst mir glauben, es kommt nicht von zuviel Wohlleben her. Die Kinder haben Dich krank und alt gemacht. Du bist doch so jung! Erst drei Jahre verheiratet, und hast schon zwei Kinder. Unser einziger Trost, unsere Freude, unser Genuss sind diese Kinder. Es gibt kein grösseres Glück als Kinder. So verstehen wir es, die armen Schlucker. Wie es die reichen Herrschaften meinen, weiss ich nicht. Mein älteres Töchterchen kriecht schon in der Stube herum, und wenn sie geht, wackelt sie wie ein Entchen. 0, sie soll mir nur gesund bleiben. Ihr Stimmchen klingt in allen Ecken.

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