Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No.6 17 stimmig die Resolution im Sinne der Schaffung einer jüdischen autonomen Kurie für das Parlament an. Die Versammlung hatte einen glänzenden Verlauf genommen. Kolin, 25. Januar 1906. Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand am 21. Januar im „Blauen Stern" ein Vortragsabend statt, veranstaltet durch den „Jüdischen Volksverein Zion" mit nachstehendem Programm: I. Zionismus und d i e W a h 1 re f o r m , verbunden mit dem Berichte über VII. Baseler Kongress, vorgetragen von unserem Delegierten Herrn Prof. Dr. Kurrein aus Teplitz. Bereits um 7 Uhr abends' waren Saal und Nebenräume voll besetzt, und alles wartete mit Spannung der Dinge, die da kommen werden, da vorher eine starke Opposition angekündigt war. Präzis um 8 Uhr eröffnete der Obmann des Vereines Herr Kobler in schwungvoller Rede den, Vortragsabend, begrüsste die Anwesenden und erteilte Herrn Dr. Kurrein das Wort. Der Referent berichtete mit beredten Woiten über den VII. Kongress und überging dann zur Frage der jüdischen Wahlkurien, deren Notwendigkeit er als Schutz der jüdischen Interessen im Parlamente hervorhob. Dem geistvollen Vortrage folgte dann eine Diskussion, an der sich besonders die Herren Dr. Singer und Heller, — gegen die jüdische Wahlkurie — und Dr. Gach, Fantl, Kohn und Beutler — für die nationale Kurie — beteiligten. — Zablotow. Vor'gen Monat ist hier ein Verein „Zeire Zion" gegründet worden. In den Ausschuss wurden gewählt die Herren: Someranz, Katz, Brettler, Lieblich, Stachel, Rath, Fritz, Thau und Kern. Mähr. Ostrau. Am 8. Januar a. c. fand hier die konstituierende Versammlung, des „literarischen Geselligkeitsvereines zionistischer Mädchen Jehudith" statt. In den Vorstand des Vereins wurden gewählt: Josefine Hahn (Präs.5, Willy Baron (Vp.), Stephanie Ebel, Berta Engländer (Schriftf.), Erna Goldschneider (Kass), Adele Milch (ßiblioth ), Grete Lerchenfeld, Ella Presser (Beiräte). Der Verein hat sich die Pflege jüdischer Literatur und Geschichte, ferner Agitation und Propaganda für den Zionismus zur Aufgabe gemacht. Man schreibt uns aus Berlin. Z viseben der „Freien Verbindung Hasmonaea" Berlin und der Verbindung „Jordania" München wurde ein Kai teil abgeschlossen, das den Namen „Kaiteil zionistischer Verbindungen" (K. Z. V.) führt. Die Verbindungen im K. Z. V. verfolgen den Zweck, die Idee des Zionismus zu fördern, ihre Mitglieder in der jüdischen Sprache, Geschichte und Litteratur fortzubilden und neben der Pflege der Geselligkeit für die körperliche Ausbildung der Bundesbrüder Sorge zu tragen. Die Präsidial Verbindung im K. Z V. Hasmonaea l. A. Li cht heim, Taucuzieustr. 9. Perugia, den 20. Januar 1906. Am 12. Januar fand hier auf Veranlassung von Bernardo Dessau, Professor an der hiesigen Universität, im Hause des Herrn Mose Servadio eine Versammlung statt, in der nach Darlegung der Ziele der zionistischen Bewegung seitens des Prof. Dessau die Konstituierung einer Ortsgruppe beschlossen wurde. Die Leitung derselben wurde vorläufig den Herren Prof. Bernardo Dessau, Vittorio Ascoli und Avv. Policarpo Bemporad übertragen. Die Gruppe zählt bereits 25 Mitglieder, was in Anbetracht der geringen Zahl der hier ansässigen Glaubensgenossen und des Fehlens jeder religiösen oder gemeindlichen Institution als ein recht erfreuliches Ergebnis betrachtet werden darf. R .. Am 27. d. M. veranstaltete die jüdische akademische runn. Verbindung „Veritas" im maurischen Saale des Grand- Hotel ihren diesjährigen Kommers, verbunden mit einer Makkabäerfeier. Nachdem der Präses der Verbindung die Gäste, unter denen sich die Vertreter der Brünner israelitischen Kultusgemeinde, des Huinanitätvereines Moravia B'n i Brith, sowie vieler studentischer Verbindungen und Vereine befanden, begrüsst hatte, erhielt A. H. der Verbindung, Dr. Abeles das Wort zur Festrede. Die Tendenzrede hielt Doz. Dr. Mahler. Von einem Sonette Rückerts ausgehend, bewies er in einem dreiviertelstündigen, formvollendeten Vortrage die Notwendigkeit des jüdischen Nationalgefühls aus politischen, sozialen und ökonomischen Gründen. Er besprach die russischen Metzeleien, wies auf die allgemeine Zurückdrängung hin, die ein Volk zu erdulden hat, das in nicht geringem Masse zu dem heutigen Kulturzust ,nde der Gesamtwelt mit beigetragen hat. Dann trug Oberkantor Heller mit ausgezeichneter, geschulter Stimme und vollendeter Technik, vom Frl. Tochter trefflich begleitet, Goldmark'sche Kompositionen vor. Am 15. Februar 1906 um 8!/l> ühr Abends wird in Berlin der bekannte jüdisch-deutsche Schriftsteller S holem-Aleichem in den Sophien-Sälen, Sophienstrasse 17/18 seine Werke vortragen. Billets zum Preise 4, 3,- 2 und 1 Mark sind in Lilientalhs Buchhandlung, Friedrichsstrasse 111 und in der Russischen Lesehalle, Linienstrasse 144 zu haben. Die jüdischen Hochschüler aus Galizien in Wien haben einen „Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus Galizien in Wien" gegründet. Auskünfte und Breitrittsanmeldunge am Dienstag, Donnerstag und Sanistag von 2—3 Uhr Nachmittags im Vereinslokale der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien." (IX grüne Thorgasse 34.) Das Gründungskomitee. NACHRICHTEN Die Judenhetze in Hömel. Ueber die Schreckenstage in Hornel, bringen nun auch russische Blätter, die sich übrigens auch diesmal nur zurückhaltend geäussert haben, Mitteilungen, denen die deutsche , Petersb. Ztg." u. a. folgendes entnimmt: „Russtt und „how." melden, dass das Militär den verfolgten Juden, deren Eigentum von den schwarzen Horden der Strassenrowdies verbrannt und geplündert wurde, nicht den erforderlichen Schutz angedeihen Hess, sondern bisweilen selbst mittat. Die Läden wurden von Kosaken, Dragonern und Strolchen unter Leitung des Polizeimeisters und der Prisiawe demoliert . . . Ein Augenzeuge erzählt folgendes: „Ich war Augenzeuge der Brandstiftung des Hauses Grünberg an der Ecke der Samkowaja. Ein kleines Häuflein von Hooligans war, unter dem Schutz der Kosaken, welche die obere Etage beschossen, damit beschäftigt, die Türen und Fenster der Läden im unteren Stockwerk zu demolieren, Petroleum hineinzugiessen und alles in Brand zu stecken. Einige junge Leute vom Selbstschutz benutzten einen Augenblick der Abwesenheit der Kosaken, um den Plünderern Einhalt zu tun. Die Kosaken brachen aber aus dem Hinterhalt hervor und feuerten eine Salve auf sie ab." Weiter behauptet derselbe Gewährsmann, dass die Schutzleute die Waren fortnahmen und sie unbehindert zu sich nach Hause schafften. In dem Bericht eines anderen Augenzeugen wird bemerkt, dass diejenigen, die sich während des Brandes retten wollten, sofort niedergeschossen wurden; die Feuerwehr wurde aber verhindert, die Feuersbrünste in der Stadt zu löschen. Noch bestimmter lautet die Mitteilung eines Augenzeugen in dem Blatt „Nowaja Sarja." Er erzählt folgendes: „Als man sich daran machen wollte, mit Hausmitteln den Brand des Hauses Grünberg an der Ecke der S.itnkowaja zu löschen, begann man auf die Löschenden zu schiessen. Vor aller Augen wurde ein Jude niedergestochen." Dieser Augenzeuge befand sich in der Homelschen Filiale der Nordischen Bank, als ihm gemeldet wurde, dass eine Judenverfolgung auf der Strasse begonnen hätte. Er stürzte ans Fensrer, von wo aus sich ihm folgendes Bild bot: „Im Schnee lagen blutüberströmt zwei Freuen. Eine von ihnen, die offenbar Schus.^wunden an den Beinen erhalten hatte, erhob sich vom Erdboden und kroch auf allen Vieren, Blutspuren zurücklassend, weiter; d:e andere gab kein Lebenszeichen von sich: sie war offenbar tot. Einige Minuten darauf schlugen Flammen aus der Buchhandlung von Ssyrkin heraus . . . Ein junger Mann, der sich offenbar vor Verfolgern rettete (wie sich später herausstnllte, ein Herr Lodsinski), stürzte in das Bankgebäude. Der Unglückliche eilte ans Fenster und erkannte in der Frau, die sich mühsam am Erdboden hinschleppte, seine Mutter .... Im selben Augenblick wurde eine Bombe vor den Laden von Ssyrkin geworfen; das Schiessen begann, und an einen Beistand an die arme Frau war nicht mehr zu denken. Ich sah, wie sie sich bis zu einem Kellergeschoss hinschleppte und dort verschwand." Zum Schluss berichtet der Augenzeuge dieser erschütternden Szenen, dass vor seinen Augen im Laufe einer halben Stunde zehn Läden und drei Häuser niederbrannten ... BRIEFKASTEN. Dr. Mar^ulies. Zentralverein, Wien: Besten Dank und Zionsgruss. W. Zon. Zentralkomitee Liverpool: Dankend zur Kenntnis genommen. J. N., Czerno'witz: 8. Rue Leonie. Zionist Mittelschüler in Ostr,:u: Laasen Sie sich vom Verlag „Die Welt" die Statuten der Bank kommen. U-y, Wien : Zu spät gekommen.