Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 6-:--------------------------DIE ^ELT------------------15 ZUR STATISTIK DER JUDEN IN QALIZIEN. (Nach den Publikationen des Landesstatistischen Amtes in Lemberg). W-z. Das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in Galizien veranschaulicht folgende Tabelle: 1776 . . . ... 147 598 Juden 5.62 Prozent 1780 . . . . . . 153 302 » — 5.51 « 1786 . . . ... 215 500 V — 7.75 V 1803- . . ... 201 277 w 7.24 1818 . . . ... 205 000 » — 5.74 r> 1831 . . . . . .232 000 1) 5.60 V 1841 . . . ... 273 000 Y) 6.23 Yt 1846 . . . ... 335 000 7.08 1850 . . . . . .333 451 w 7.32 V 1857 . . . ... 448 973 Ii 9,69 V 1869 . . . ... 575 433 V) — 10.62 1880 . . ... 686 598 11.52 1890 . . . V 11.65 V 1900 . , . ... 811 132 V 11.10 V Im Jahre 1780 gab es 517 382 christliche Familien d. i. 93.45 Prozent, jüdische 36 362 d. i. 6.55 Prozent. Die Seelenzahl dagegen stand in einem Verhältnis 94.49 : 5.51. Der rapide Aufschwung 1786 ist nach Pater Siarczynski einer grösseren Einwanderung aus Russland zuzuschreiben, der beträchtliche Rückgang zwischen 1786 und 1803 und die Stagnation bis 1818 wieder der Emigration nach dem Westen während der Napoleonischen Kriege, die Tausenden von Lieferanten und Händlern Erwerb gaben. Die Zahlen sind natürlich nicht ganz genau. So sieht man auf den ersten Blick, dass die Zahlen 1818 bis 1846 abgerundet sind. Die Konskription der Juden fand bekanntlich in früheren Zeiten nach besonderen Normen statt. Bei der bekannten damaligen Bestechlichkeit der Zivi!- und Militärbehörden war das Nichterscheinen vor den Assentkommissionen auf der Tagesordnung und damit stand die mangelhafte Eintragung der neugeborenen Knaben in die Geburtsbücher in Verbindung. Auffallend ist der perzentuelle Rückgang Im letzten Jahrzehnt: Ein Rückschlag der ökonomischen Misere der galizischen Juden, der reaktionären Gesetzgebung und der stärkeren Emigration nach England und Amerika. (Jeher 100 000 Seelen sind 1890 -1900 aus Galizien ausgewandert. Zur Vermehrung der Juden in Galizien ist noch zu vermerken, dass der jährliche Zuwachs der Gesamtbevölkerung 1857—1869 1.46 Prozent betrug, 1869—1880 0.86 Prozent. Der der jüdischen dagegen 2.36 resp. 1.73 Prozent, so dass man sagen kann, die jüdische Bevölkerung vermehrt sich 2mal so schnell wie die nichtjüdische. Auch heute haben sich die Verhältnisse nur wenig geändert. KORRESPONDENZEN (In dieser Rubrik wird die Redaktion gerne allen Zuschriften, - auch aus anderen Parteilagern — soweit sie durch Form und Inhalt allgemeines Interesse beanspruchen, Raum geben.) /V\r. Greenberg bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Ungefähr vor 3 Wochen, am 28. Dezember, schrieb mir ein höchst zuverlässiger Freund aus New-York, dass in einer Versammlung des tiilfs-Komitees dieser Stadt ein Kabeltelegramm von Sir Samuel Montagu datiert vom 5. Dezember vorgelesen wurde. Das Telegramm hatte folgenden Wortlaut: „Wir veröffentlichen ein Manifest, das die Pläne der Zionisten und Territorialisten verurteilt." Mein Freund erzählte mir ferner, dass Mr. Schiff, der Kassierer des tiilfs-Komitees, am selben Tage folgende Antwort gab: „Welches sind denn die Projekte der Zionisten und Territorialisten? Obwohl ich persönlich mich mit keiner von diesen Parteien identifiziere, sind doch die zahlreichsten und energischesten Arbeiter hier Anhänger des Zionismus und des Territorialismus. Sie müssen deshalb erwägen, dass gerade in dieser Zeit es höchst unratsam ist, innerhalb der jüdischen Reihen Zwistigkeiten zu säen oder sogar Diskussionen hervorzurufen." Auf dieses Kabel antwortete Sir Samuel Montagu am 8. Dezember mit folgendem Telegramm: „Das Manifest protestiert in milder Form gegen den Judenstaat. Unterzeichnet Rothschild und andere Führer auf speziellen Wunsch der liberalen Regierung. Kann nicht schaden." Diese Nachricht war so verblüffend, dass, obwohl mein Freund mir versicherte, dass er das Telegramm aus dem Kopierbuch des . Hilfs-Komitees entnommen hat, ich vermutet habe, dass sich hierein Fehler eingeschlichen habe. Da ich nicht wollte, dass Sir Montagu von einer Behauptung betroffen werde, die eventuell aus einem Missverständniss entspringt und andererseits auf die Beziehung der Regierung zu den Juden ein schiefes Licht werfe, schrieb ich den 10. Januar an Sir Samuel Montagu folgenden Brief: Lieber Sir Samuel Montagu! Ich erhielt von einem meiner Freunde in New-York einen Brief in dem er mich verständigt, dass Sie am 5. Dezember v. J. an Mr. Schiff kabelten und ihn über Ihr Vorhaben, ein Manifest gegen die zionistischen und territorialistischen Pläne zu veröffentlichen, unterrichteten, dass ferner Mr. Schiff am selben Tage in seiner Rückantwort geraten hat, von dieser Veröffentlichung Abstand zu nehmen, worauf Sie am 8. Dezember ihm kabelten : „Das Manifest protestiert in milder Form gegen den Judenstaat, unterzeichnet Rothschild und andere Führer auf speziellen Wunsch der liberalen Regierung. — Kann nicht schaden." Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, mich sobald als möglich zu verständigen, ob die Information meines Freundes richtig ist oder, wenn dies nicht der Fall ist, was daran unrichtig sei." Ihr ergebenster L. J. Greenberg. Da ich keine Antwort auf diesen Brief bekommen habe, schrieb ich an Sir Montagu einen zweiten Brief am 18. Januar folgenden Inhalts: Lieber Sir Samuel Montagu! Am 10. d. Mts. habe ich an Sie einen Brief geschickt und ersuchte Sie, mir freundlichst eine schleunige Antwort auf meine Anfrage zu geben. Da ich auf diesen Brief keinerlei Antwort bekommen habe, so vermute ich, dass Sie ihn nicht erhalten haben, obwohl er mir von der Post nicht zurückgestellt worden ist. Ich schicke Ihnen deshalb eine Kopie dieses Briefes mit dem Vermerke „privat" und zwar als „eingeschriebenen Brief", um die Sicherheit zu haben, dass Sie ihn bekommen werden. Ich wäre Ihnen sehr verpflichtet, wenn Sie mir bei der ersten Gelegenheit auf meinen Brief eine Antwort geben würden. Ihr ergebenster L. J. Greenberg. Auch auf diesen Brief, den Sir Montagu sicherlich erhalten hat, hat er mit derselben Höflichkeit reagiert, wie auf den vorigen — und beantwortete ihn nicht. Daraufhin schrieb ich am 26. Januar an Sir Campbell- Bannermann und ersuchte ihn, mir mitzuteilen, w*s an der Behauptung über die liberale Regierung und ihrem Verhältnis zum Rothschildbriefe wahr sei. Selbstverständlich war die Ansicht des Premierministers über höfliche Manieren verschieden von der des Sir Montagu, und er antwortete auf meinen Brief am nächsten Tage durch seinen Privatsekretär folgendes: L. J. Greenberg Esq.! Ich bin vorn Premierminister jeauftragt, den Empfang Ihres Briefes vom 26. d. M. zu bestätigen. Die Nachricht, die, wie Sie behaupten, verbreitet war, dass ein Brief, der gegen jede Bemühung für die Gründung eines Judenstaates Protest einlegte, »über speziellen Wunsch der liberalen Regierung" geschrieben war, entbehrt jeder Begründung. Ihr ergebenster Arthur Ponsonby. Da diese Angelegenheit keine private Sache, die zwischen mir und Sir Montagu ausgetragen werden soll, genannt werden kann, sondern ein öffentliches Interesse beanspiucht, so möchte ich die Gastfreundlichkeit Ihres Blattes ( enutzen, um bei Sir Montagu anzufragen, ob er die Richtigkeit des Telegramms, das er an Mr. Schiff abgeschickt haben soll, bestätigt oder ableugnet. Wenn er weder das eine noch das andere tun kann, so wäre es interessant zu wissen, ob auch nicht mancher von denjenigen, deren Namen unter dem Rothschildbriefe standen, zu diesem Schritte dadurch bewogen wurde, dass er eine ähnliche Versicherung bekommen hat, wie diejenige, die Mr. Schiff gegenüber gemacht wurde und die vom Premierminister als vollständig unbegründet erklärt wurde. Der bekannte Schriftsteller, Herr S c ha 1 o m - A 1 e i ch e m bittet uns um Aufnahme folgender Zuschrift: Soeben erfahre ich von einer Sammlung, die in Ihrem geschätzten Blatte zu meinen Gunsten veranstaltet wurde. Indem ich Ihnen für Ihre Mühe und den ed en Spendern für Ihr Mitgefühl herzlich danke, erlaube ich