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Die Welt · 1906-01-26 · 4 (26.1.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
4 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18- DIEMELT No.4 C h a tz k e 1: Verzeih, hast Du vielleicht jetzt keine Zeit? Ich bin nämlich zu Dir gekommen, um zwei Sachen mit Dir zu besprechen. Reb Herscheie, wir sind ja alte, gute Freunde, und seit Gott Dir geholfen hat, hab' ich immer darauf gerechnet, wenn Du hast, dann ist's genau dasselbe, wie wenn ich hätte. Aber bis jetzt hab' ich's nicht gebraucht und hab' auch nicht gebeten. Herscheie: Hast Recht, Chatzkel! Vergiss aber nicht, dass ich auch einen Compagnon habe. Er hat ja auch was dreinzureden. (Masik geht hinaas, um Papier zu holen; Leiser tritt herein, still, schächtern, und sieht sich um) Chatzkel: Ich bin ein einfacher Mensch und will Dir was sagen: Nach meinem Verstände ist das, dass der Masik einen Anteil am Gelde hat und was dreinreden darf, keine besonders gute Sache. Leiser (plötzlich): Gute Sache! (Sieht den Sohn an, erschrickt.) Pst. Reb Chatzkel, ich will Euch was fragen (flüstert ihm ins Ohr), könnt Ihr mir sagen, wann Neumond ist? Chatzkel: Ach, lasst mich zufrieden mit Eurem Neumond! Herscheie (geht auf Leiser zu und sagt ihm etwas still, mit Zorn, kommt zurück, laut): Nun, Chat/kel, lass mal hören, was Du hast sagen wollen! Chatzkel: Ich will Dir's erzählen ohne viel Vorreden. Wir machen jetzt Talessim, ich und mein Mottele. Wir sind gute Weber, und wenn wir eine Arbeit tun, so tun wir sie gut. Die Meister, bei denen wir arbeiten, sind Räuber und Diebe. Sie sagen, Talessim dürfen nur von ehrlichen und frommen Juden gearbeitet werden, sie selbst aber sind herzlose Menschen und Beutelschneider, Da haben wir uns die Sache überlegt, wir und noch ein paar Weber, und wollen eine eigene Werkstatt aufmachen. Reb Berl ist auch mit uns. Er weiss von einer Art Stärke, dass sogar einfache Talessim davon einen Seidenglanz bekommen, weisst Du so mit Streifen ... So bin ich denn hergekommen, dass Du uns Geld geben sollst, das heisst, es wird sich so verstehen, dass Du mir das Geld geliehen hast. Herschele: Ja, warum denn nicht? (Schaut Masik an und erschrickt) Ja . ., ich hätt' Dir gewiss gegeben.., aber, weisst Du, Du brauchst es ja nicht mehr. Wir eröffnen hier, so Gott will, bald eine grosse Fabrik für Talessim, und Ihr werdet alle versorgt sein, alle . . Chatzkel: So? Na, weisst Du was, da machen wir alle eine Gesellschaft. Herscheie: Hm, ja, Du wirst schon sehen, das ganze Städtchen wird mit uns sein wie eine Gesellschaft. Es wird niemand an Arbeit fehlen und an Brot. Chajtzkel: So, na! . . . Alse nichts mit meiner Sache! Na, wir werden schon sehen . . . So wollen wir jetzt über die zweite Sache reden. Ich will Dich fragen, Reb Herscheie, was ist eigentlich mit unserer Verschwägerung. Freidenju ist Braut, nicht Braut — es ist so eine Verlobung, nicht Fisch, nicht Fleisch. Ich versteh' nicht, wozu man das verschleppen soll? Mottele und Freidenju sind ja schon beide im richtigen Alter . . . Masik (geht auf tierschele zu): Ihr seht, die Rechnung stimmt. (Leise): Reb Herscheie, Ihr habt schon angefangen, bleibt nicht stehen auf halbem Wege. Denkt an meinen Rat! Immer aufs Ziel losgehen! (Setzt sich) Herscheie: Ja, Reb Chatzkel, Du hast Recht (Mit zitternder Stimme): Es wär' schon wirklich an der Zeit, darüber zu reden. Aber ich mein', .. . man soll früher hören, was sie,... was Freidenju selbst dazu sagt. Pes sie (tritt ein, bringt Kuchen und Süssigkeiten): Seht Ihr, Gott sei Dank, an nichts Mangel! (Nimmt eine Serviette) Aber mit diesem da weiss ich nicht, was man tut, soll man's vor dem Essen oder nach dem Essen gebrauchen? Zippe: Ich ruf schon Freidenju. Ein Ende soll es haben! Ist die ältere Schwester einmal vom Markt, dann kann die jüngere eine Hoffnung haben. Hahaha! Grossvater, wenn ich Braut werde, dann singt Ihr mir das Brautlied! (Ab nach rechts) Pessie: Was fehlt Dir, Herscheie? Dir zittern ja die Hände!... Dobe, nehmt was, es ist gebacken auf dem Weissen vom Ei! Dobe: Unberufen, es ist bei Euch geraten! Ist zu hoffen, dass wir jetzt bald wirklich Schwägerleute werden! (Küsst sie; Freide und Zippe treten ein) Herscheie: Freidenju, ich hab' dich was fragen wollen, das heisst, nicht ich, — Reb Chatzkel fragt, wie's mit der Verlobung steht? Chatzkel: Ich will Dir sagen, Herscheie, wie ein einfacher Mensch: Du kommst mir zu gewunden vor. Vielleicht gefällt Dir jetzt der ganze Handel nicht? Du bist ja jetzt von den Grossen, und Mottele ist bloss der Sohn von Chatzkel Drachme. Freide: Was mit der Verlobung ist? Reb Chatzkel, ich will Euch die Wahrheit sagen* Eine richtige Verlobung war's ja nicht. Ich hab' früher geschwiegen, nicht, weil mir Mottele gefallen hat — ich hab' nur gemeint, es muss so sein. Aber jetzt, seid nicht bös', ich kann nicht. Dobe: Mottele hat sich ja auch nicht gerade gerissen um Dich. Er hat sich vor Dir immer gefürchtet. Vor Zippenju nicht. Chatzkel, siehst, ich hab' Dir gesagt, ich hab' im Traum eine schwarze Katze gesehen. Da hast Du's. Pessie: Freidenju, Du willst nicht mehr Motteies Braut sein? Was heisst das? Warum? Leiser (aus dem Winkel): Sie will nicht hinaus, sie will bleiben im Haus . . . Herscheie (bös): Vater, wenn Du da bleiben willst, so sei ruhig! Wenn nicht, will ich Dich bitten, Du sollst lieber hinausgehen! , . . Zippe: So? Es passt ihr nicht? Eine Prinzessin geworden! Sag doch selbst, Muhmchen, ist Dir nicht leid um Mottele?

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