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Die Welt · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No.3 DIE WELT 19 leihen. Erstens seid Ihr ja ein frommer Jude, und es passt gar nicht für Euch. Wir betrügen zwar Gott und j schreiben einen Wechsel, dass^die Zinsen,^ die wir nehmen, keine Zinsen sind. Mich geht es zwar nichts an. Meine Sorge! Wenn er sich narren lässt, ist's mir auch recht . . . Herscheie: Och, Reb öiiel, Ihr seid ein hartgesottener Ketzer.; . Wartet nur, Gott wird Euch schon heimzahlen mit Zinsen und ohne Wechsel, o ja! Masik: Zweitens können unsere Zinsen-Operationen in so einem kleinen Städtchen nicht in grosse Bankgeschäfte , ^verwandelt werden. Wir können ja immer nur kleine Kunden mit kleinen Anleihen haben.^' Arme Leute sind zu was Anderem zu verwenden: Einfach zur Arbeit, aber nicht zu Zinsgeschäften. Herschele: Reb Uriel/^ich weiss nur Eines: Was immer wir mit dem Gelde tun werden, es ist doch nicht wie Thoraschreiben, Früher, wenn ich eine Thora geschrieben hab', da hab' ich wohl gewusst, dass ich nicht reich davon werde. Aber ich war glücklich, dass ich eine heilige Arbeit getan habe, ein Gotteswerk. Wie es scheint, kommt die Befriedigung nicht von dem, was wir tun, sondern vom Ziele, wofür wir es tun. Was ist aber das Ziel des Reichtums? Masik: Ach, hört doch auf mit Eueren Träumereien! Seid einr praktischer Mensch mit praktischen Zielen! Her schele: Ich weiss aber nicht, was mir das soll. Masik: Lieber Freund, sagt mir doch, möchtet Ihr gern wieder ein Habenichts werden, in der kalten, finsteren Stube wohnen, zerschlissen und zerrissen herumgehen und Kartoffeln mit Brot essen? Hers chele: Offen gesagt, nein. Aber wenn ich schon satt und gut gekleidet bin, wozu soll ich noch Reichtum suchen? Werd' ich denn fünf Mittage essen und sieben Kaftans antun? Masik: Wozu? Je reicher Ihr sein werdet, desto freier, stärker und klüger werdet Ihr sein. Ihr werdet mehr Ehre und Vergnügen haben, Euch und Euere Kinder nach Euch glücklich machen können. Ja, ja, Ihr könnt' ja noch Kinder haben. Ihr seid ein junger Mensch, voll Leben und Kraft . . . Herscheie: Kinder? Redet mir nicht davon, ich bitt1 Euch! Das erweckt in mir schrecklich sündige Gedanken. Masik: Der Mensch,' der Energie hat, fürchtet nicht, er erreicht immer, was er erstrebt. Aber ein schwacher Mensch sündigt immer in seinen Gedanken. Der starke Mensch tut alles mit einem Mal ab, und wenn es eine Sünde ist, hat er einmal gesündigt. 0, Reb Herscheie, seid kein Heuchler! Her schele: Es ist wahr, mein Gott, ich will sündigen, und ich sündige schon in Gedanken. Nur weil wir vor den Menschen uns fürchten, heucheln wir und verstellen uns. Masik: Aber Reb Herscheie, nun hört einmal meinen Plan: Es handelt sich auch um ein Gotteswerk. Millionen Juden brauchen vorläufig noch Tallessim. Hier in unserem Städtchen werden sie hergestellt von kleinen Unternehmern oder von den Arbeitein selbst, von den Webern. Wollen wir hier eine Fabrik eröffnen mit Maschinen und allem was dazu gehört. Die kleinen Unternehmer werden uns das Feld räumen, und die Arbeiter werden noch dankbar dafür sein, dass sie in unsere Eabrik kommen können. Berechnet nur einmal, was Ihr damit tuet, Ihr beschäftigt Euch mit heiliger Ware, Ihr gebt Hunderten von armen Leuten Arbeit, Ihr eröffnet im Städchen Handel und Wandel, frommen Juden gebt Ihr gute und billige Tallessim, und — es wird sich lohnen. Herscheie: Seht Ihr, das gefällt mir, das ist ein guter Plan! Eine Sache, die gut und nützlich für alle ist, das ist etwas für mich. Ihr-habt einen klugen Kopf, Reb Uriel, und ich meine, dass Gott, sein Name sei gelobt, mir keinen besseren Ratgeber zuschicken konnte . . Ja, Vater im Himmel, der Plan gefällt mir! (Seufzt) Masik: Der Plan gefällt Euch, der Ratgeber, Gott sei Dank, auch, und doch seid Ihr, scheint's, missgestimmt. Reb Herscheie, Ihr habt einen Kummer. Ich führ, Ihr tragt im Herzen einen verborgenen Schmerz (plötzlich wird die Stimme Freide's hörbar, die „Mismor Ledowid" singt. Beide werden still. Masik beobachtet Herschele). Herscheie: Reb Uriel, Ihr seid ein kluger Mensch, wollt mir gewiss nicht schlecht. Ich hab' mich. mit Euch schon längst beraten wollen. Ich habe Furcht, mich in einer solchen Sache auf mich allein zu verlassen. Es ist ja keine Kleinigkeit, und . . . und . . . ich will Euch die Wahrheit sagen: Wenn ich oft in Gedanken sündige, wenn ich in der Brust einen grossen Schmerz trage, so seid Ihr auch ein wenig Schuld daran . . . Ich? Gott sei mit Euch! e: Es ist schon lang her, am ersten Abend, da Ihr bei mir gewesen seid, da habt Ihr gesagt, dass Freidenju, die Nichte meiner Frau, dass sie . . . Was hab' ich denn von Freidenju sagen können? (Ironisch): Hab ich etwa gesagt, dass sie schön ist wie die Sonne und wie eine Blume so zart? Oder was hab' ich denn sonst gesagt? le: Beide sind sie bei mir im Hause aufgewachsen, aber sie war mir immer lieber. Mit einem einzigen Worte habt Ihr einen Gedanken herausgegraben, der tief verborgen war, an den zu denken ich früher keine Zeit und keinen Mut gehabt hab' . . . Ich will jetzt diesen Gedanken wieder begraben, aber er sitzt fest in meinem Gehirn. Ich jag' ihn fort, und er lässt nicht von mir. 0, mein Gott, ich weiss nicht, was ich tun soll! (Fortsetzung folgt.) Masik: Hersc hei Masik: Her sc hei 'h'

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