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Die Welt · 1906-01-05 · 1 (5.1.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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16 DIEMEELT No 1 JAKOB GORDIN (New-York): „DAS GELD" DRAMA IN 4 AKTEN AUS DEM JUEDISCHEN. PERSONEN: Herscheie Dubrowner, Thoraschreiber, etwas über 40 Jahre alt. P es sie, sein Weib, im gleichen Alter. Reb Leiser, der Badchen (Spassmacher), 70 Jahre alt. Frei de, 18 Jahre 1 „ , < , M. ' n n t Herscheie s Nichten. Zippe, 16 Jahre j Chatzkel Drachme, Weber, sein Freund, gleichaltrig, Dobe, dessen Weib, gleichaltrig. Sie ist kurzsichtig. Mot t el e, deren Sohn. Uriel Masik, 30 Jahre alt Die Handlung spielt in Dubrowna (Litthauen). — Zeit: Gegenwart. ERSTER AKT: Ein grosses, ärmliches Zimmer, zwei Gassenfenster, die Scheiben angefroren, ein Loch im Fenster ist mit Lumpen zugestopft. In der Mitte des Zimmers ein grosser, weisser Tisch, auf dem mehrere Pergament- Rollen und eine Bibel liegen, darüber eine Thoraschrein- Decke. Auf dem Tische ferner eine brennende Lampe, ein grosses Tintenfass, einige Gänsekiele. Seitwärts ein kleines, weissgedecktes Tischchen, neben der Türe ein Ofen. Auf dem Tischchen brennen fünf Chanuka-Lichter. In der Ofenecke ein Bett mit roten Vorhängen davor, an der Wand, in schwarzes Futter gehüllt, eine Geige. PESSIE sitzt beim Ofen und schält Kartoffeln. Sie trägt einen alten gefütterten Wintermantel. Eine Backe ist ihr angeschwollen. Sie hat sie mit einem Tuch verbunden. LEISER und FREIDE sitzen an dem kleinen Tischchen, Leiser hält einen Gänseflügel und rupft die Federn aus, sie beschneidet sie mit einer Scheere und spitzt sie zu. ZIPPE setzt einen Fuss auf einen Schemel. Die Schuhsohle ist durchlöchert, sie stopft Werg in die Löcher. Pessie: Nun, Zippele, sollst mir gesund sein, was schaffst du dort solang herum? Zippe: Schon, schon Muhmchen. Ich verstopf nur die Schuhsohlen mit Werg. Wenn ich geh, fliegt auf der Schnee und bei jedem Schritt knallt's wie ein Schuss: Lap! Lap! Hahaha. Wirklich wahr: Wenn Gott will, schiesst sogar eine Schuhsohle ... Na, was soll ich ihnen sagen? Pessie: Wirst ihnen sagen, Reb Chatzkel, Dobe und Mottele sollen gleich herkommen. Bei uns ist heut ein Fest . . , Och, meine Zähne! Zippe: Ich werd' ihnen sagen, bei uns ist heut grosser Ball. Hahaha! Leiser: Macht sie, lacht sie! Ein lustiger Bettler ist besser als zwei greinende Reiche. Haha! Pess ie: Loses Ding, Plapperchen, soll's ein Ball sein! Sag ihnen: Erstens ist heut das fünfte Licht, anständige Leut' essen heut Kuchen und feines Gebäck, wir, weiss der Himmel, haben nicht Schmalz, nicht Mehl, werden wir auch so einen Schmaus machen. Einen Häring zerhacken und . . . Och, meine Zähne! Zippe: Ich weiss, wie der Grossvater das in Reimen sagt: Eine Feier wie eine Leier, Kartoffeln backen, ' Häringe hacken! (Bindet sich um den Kopf einen alten, dicken ShawL) Leiser: Häringe hacken, geschwollene Backen! Zippke, Du Tunichtgut, machst meine Reime kaput! Pst, komm her, ich muss Dir was ins Ohr sagen (flüstert ihr ins Ohr): Sag ihnen, es gibt eine ganze Flasche Rosinenwein, fein, fein! Zippe: (zwinkert ihm zu und lacht) Aha, einen guten Zug aus dem vollen Krug! Pessie: So hör doch zu! Zweitens, der Onkel wird heut zur guten Stunde fertig mit der Thora, die er seit sechs Monaten schreibt. Also, wir haben heut Thoraschluss. Sag Ihnen, der Onkel lässt sie bitten, sie sollen ganz gewiss kommen. Da, Zippenju, nimm den warmen Mantel, es ist kalt draussen. (Zieht den Mantel aus und wirft ihn Zippe über) Zippe: Euer Mantel ist gerade auf mein Mass gemacht! Hahaha, ich lauf schon (ab). Pessie: Oh, meine Zähne! Ich glaub, ich werd' bald die Wand hinaufklettern. Freidenju, was machst Du da? Weisst Du denn nicht, dass man bei Chanukalicht keine Arbeit tun darf. Schwiegervater, eine grosse Sünde ist das! Leiser (in synagogalem Singsang): Es ist keine Sünd, wein nicht, mein Kind, weil es Federn zum Schreiben der Thora sind. Frei de: Ja, Muhmchen, es ist eine heilige Handlung, fragt nur den Onkel, ein frommes Werk: Gottes Lehre und Gottes Licht sind eins und dasselbe. Pessie: Och, meine Zähne! 's ist so bitter kalt, Zippenju soll sich nur, Gott behüte, nicht verkühlen! Ich weiss, ich hab mir das Zahnweh nur von der Kälte geholt, es zieht so ein Frost durchs Fenster. Vater im Himmel! Wenn sich wenigstens einer finden wird, der eine neue Thorarolle schreiben lässt. Man braucht so nötig Geld. Zippenju geht herum in zerrissenen, zerschlissenen Kleidern, und ihr habt beide nichts ordent-

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