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Die Welt · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite IS „bie # wtit" Nr. 62 Djstriktskomitees in Galizien eine gemeinsame Aktion in Angelegenlteit der Anerkennung der jüdischnationalen Autonomie und Wahrung des nationalen jüdischen Wahlrechtes bei der Schaffung' der bevorstehenden Wahlreform einzuleiten. Aus dem grossen Einkauf, der von zionistischen Vereinen dieses Distriktes und. auch von sonstigen Voiksfreunden, in der Form von Anfragen, was überhaupt das Distriktskoniitec in dieser Tagesfrage zu tun gedenkt, oder Aufforderungen, zur sofortigen Inangriffnahme einer diesbezüglichen Aktion dem Distriktskoniitec zukommt, musste dieses ersehen, ckiss jetzt keine Zeit für das Theoretisieern und das Betreiben von hoher Politik am grünen Tische, wozu wir stets gewohnt sind, sei, und so hat auch bald Herr Dr. Schur in dieser Minsicht den ersten Schritt gemacht. Mit einer Zustimmungskundgebung, die dann zu der denkwürdigen Volksversammlung, welche am Dienstag den 12. d. M. in Wien stattfand, 'eingeschickt wurde, ging er von Haus zu Haus, um Unterschriften zu sammeln, so dass es ihm gelang ,in einer sehr kurzen Zeit 6000 Unterschriften zusammenzubringen. Von den weiteren Schritten des Distriktskomitees ist ferner der Beschluss desselben zu verzeichnen, demnach im Montag den 18. d. M. eine gemeinsame Konferenz alier drei galiziseheu: Distriktskonütees nach Krakau einberufen wurde. Um jedoch die Vereine nicht bis zum Bekanntwerden des Resultates derselben warten zu lassen, erliess das Distriktskomitee zwei Zirkulare, welche überall verschickt wurden, in denen sämtliche Kultusgemeinden, Vereine und Gesinnungsgenossen über die v o r bereit e u d e n Massnahmen, die sofort zu geschehen haben, unterrichtet werden. Von diesen sind hervorzuheben: I. Die Ausstattung des Distriktskomitees mit einer besonderen Legitimation seitens sämtlicher Vereine, damit dieses resp. unser zentrales Exekutivorgan gegenüber den entscheidenden Faktoren als Wortführer des öffentlichen jüdischen Volkswillens auftreten können.?. Die Vereinigung sämtlicher im jüdischen Leben tätigen Korporationen wie Kultusgemeinden, Wohltätigkeitsvereine, Bethausvereine u. a. sowie aller iiidischgesinnten Persönlichkeiten mit uns. zum gemeinsamen Zwecke. .3. Die Aufklärung der öffentlichen Meinung unseres Volkes über die Bedeutung der Frage für die ganze Zukunft des jüdischen. Volkes in Oesterreich, resp. in Galizien. Wie es seheint, werden die weiteren Sehritte und die in Bälde einzuleitende Aktion eine grossartige Manifestation des jüdischen Volkes für die Schaffung einer Jndenknrie sein. Meier Herrisch. Die Juden in Eqypten. Die Zahl der Juden in Egypten belief sich bei der Volkszählung von 1897 auf 25.200 Seelen, d. h. 0,26% der gesamten 9.7.:4.405 Seelen betragenden Bevölkerung. Dem Geschleehte nach waren unter den 25.200 Juden 12.001 -= 50,3"/u männlich und 12.509 49,7^ weiblich, der Staatsangehörigkeit nach waren 12.093 Egypter und 12.507 Ausländer. Von den letzteren waren der Staatsangehörigkeit nach Franzosen......... . 3-342 Oesterreicher und Ungarn . . 1.465 . 1 074 , 409 . 233 . 382 12.507 . Es ergibt sich aus diesen Zahlen, dass Egypten in letzter Zeit für die Juden ein Einwanderungeland geworden ist, und dass es hauptsächlich italienische und französische (algerische) Juden sind, welche nach Egypten einwandern. Ihren Wohnsitz hatten 24973 Juden in Unteregypten, 227 in Oberegypten; diese Verteilung entspricht so wenig der Verteilung der egyptischen Gesamtbevölkerung, dass die Juden in Unteregypten 0,44%, in Oberegypten dagegen nur 0,01% der Gesamtbevölkerung ausmachen. In Unteregypten wiederum zählen die meisten Juden das Gouvernorat (Stadt) Cairo mit 11.489 Juden (darunter 5,691 Ausländer) 2,02% der Gesamtbevölkerung von 570.062 Seelen, das Gouvernorat (Stadt) Alexandrien mit 9.946 Juden (darunter 5.254 Ausländer) 3,11% der Gesamtbevölkerung von 319.766 Seelen. Feuilleton. Eine unheimliche Last Vom Mol*. J. Cohen. An einem lichten Sommerinorgen schritt ein ältlicher Mann den steilen gewundenen Weg hinauf, welcher in einen (Hellten, schattigen Wald auslief. Der Wanderer war mit bunten, zerschlissenen Fetzen bekleidet; ein türkischer Fez von zweifelhafter Farbe und ebrwürdigem Alter bedeckte den Kopf, seine nackten Füsse steckten in Halbschuhen aus Bockleder., -wie sie von der einheimischen städtischen Bevölkerung in der Türkei noch getragen werden. Der Mann, ein Spaniole aus Saloniki, trug auf dein gekrümmten "Rücken eine grosse, schwere Kiste aus rohen, starken Brettern. In der Hand hielt er einen Knüttel, dessen eine Spitze ga hei f ö r in ig z u gesehn i 11 en wa r. Schwei sstriofend hatte der einsame Wanderer den Eingang in den dunklen Wald erreicht. Unter einer schattigen Eiche hielt er ein wenig an, stützte die schwere Last auf die Gabel seines Knüttels, wischte sieh den Schweiss vom gefurchten Antlitz ab und richtete erleichtert den gewölbten Ii ticken auf. Es war trotz der defekten Kleidung und des struppigen Bartes eine sympathische Erscheinung mit freimütigen!, lebensklugen Blick, eine jener kernigen, wotterharten Gestalten. wrie man sie unter den spanischen Juden am Molo des prächtigen Hafens von Saloniki und in den engen Gössen dieser Stadl so zahlreich antrifft. "Nachdenklich Hess der alte Mann seinen Blick über das vor ihm liegende Tal gleiten. Wie war dieses Stückchen Gottes Erde herrlich schön! Die goldiggelben Weizenfelder, die nur noch des Schnitters harrten, dann die zahllosen liebenstocke, die, in gleichmässigen Abständen voneinander onG'erin, wie dunkelgrüne Figuren auf einem riesigen Schachbrett aufrecht standen. Dahinter die vom Gestnipp des Wahles umzäunte samtgrüne Weide, einem herrlich schönen Teppich ähnlich, auf welchem sich Schafherden, wie von einem sanften Wind getriebene weisse Wolken tuinmehen. Erhabener Schöpfer dieser unbeschreiblichen Herrlichkeiten, wie hast du alles gross und erhaben gemacht, welche holde Harmonie hast du über das ganze Bild ausgegossen! Du wolltest dem Menschen damit sagen: ..Siehe, meine Schöpfung ist schön und herrlich und strotzt von reichem Segen. Füge dich auch als Teil in. dieses herrliche Ganze ein, der du die Krone und Vollendung meines Werkes bist. Sei friedfertig und gut. wie ich friedfertig und gütig bin, lebe und freue" dich, arbeite, ernte und geniesse!" Doch was bedeutet jene dunkle hauehsäuie dort hinter dem Fluss, an welchem die Sonnenstrahlen wie an einem blanken Spiegel sich glitzernd brechen? Eine entsetzliche Feuersbrunst musste dort wüten, der aufqiialmende Hauch drohte die am Zenit -prangende Sonne zu verdunkeln. Wie. durfte das vermessene Element es wagen, den Frieden Gölte'-' zu stören und seinen Segen zu vernichten . . . Ach, der alte Jude wusste es nur zu wohl und sein Herz schnürte sieh bei jenem Anblick schmerzlich zusammen: Wieder ein blühendes Dorf zu Schutt und Asche niedergebrannt, wieder eine friedliche Ansiecllung verwüstet, hunderte von Mensche]) brotlos und elend geworden. Alles in Gottes Schöpfung klingt harmonisch und lieblich'ineinander, und

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