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Die Welt · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 floi$ & weit" Seite 11 Temdenzrede über Ziele und Zwecke der „Poale-Zion". Programm: Violinvorträgie Gg. Huber Eduard, Gg. Ing. Bergei rezitierte jungjüdische Dich tun gen, Gesangsvorträge des Herrn Leo Ast. Der Erfolg dieser Feier ein glänzender. Er hat gezeigt, dass das jüdische Publikum unserer Bewegung Interesse entgegenbringt. Stryi. Am 11. November die IV. ordentliche Generalversammlung des Einzelvereines. Herr Schmorak Bericht übei Tätigkeit des Ausschusses und Herr L. Schwarzberg Bericut über Kassa. Absolutoriurn. Neuwahlen: Ausschuss: Die. Herren: A. Ringel, Präses; Wolf Schmorak, I. Vizepr.; Dr. M. RingeU II. Vizepr.; I. Patrach, Schriftf.; S. Zwilling, Schrift!.; L. Schwarzberg, I. Kassier; A. Hauptmann, IL Kassier und A. Eigenmacht, Stern B., Rubin Hermann und Dr. J. Wurzel als Beiräte. Als 'Kassarevisoren die Herren: S. Marbach und J. Poliskik. In das Schiedsgericht die Herren: A. Apfelgriin, Grünberg .)., Halpern R., Dr. N. Schiff und J. Steinwurzel. Der ncugewähl.te Ausschuss hielt am 19. Nov. für die in Russlaiid ermordeten Juden eine Trauerandaeht. Die Andacht fand in der hiesigen Hautpsynagogc unter zahlreicher Beteiligung des Publikums statt. Ferner in den letzten Wochen regelmässige Vorträge im. Vereins lokale, die sich des zahlreichen Besuches sowohl seitens der Vereinsmitglieder als auch von Nichimitgliedern erfreuten, abgehalten und ist die Veranstaltung dicsei Vorträge besonders den Bestrebungen des Herrn Schmorak zu verdanken. Szczerzec. Am 24. d. M. eine Makkabäerfeier, an der {sich die Herren M. K 1 i ng h o f e r (Eröffnungswort), D. Klinghofer sen. und jun. (Festrede, Violinkonzert)., jur. Edm. Altstädter (Deklamation) beteiligt haben. Herr Dr. Hermelin hielt eine Ansprache. Zum Schluss ein dramatisches Bild 9,G e i e s s e! t e Seele nk4 mit Beteiligung de? Herren Schwar z, T u n e, Kling h o f f e r und jur. A 1 tstädter. Sehr zahlreicher Besuch. (Bürgermeister und Repräsentation der Kultusgemeinde.) Für den Nationalfonds wurde über 10 K gesammelt. (Ausweis im „W'schod".) Olraütz. Die hiesigen jüdischen Handelsakademiker veranstalteten am 20. Dezember eine äusserst gelungene Chanuka-Feier. Begrüssung Herr E. Fischer. Gg. Dr. M e i s 1 Eröffnungsrede. Herjr Schauspieler V. F 1 c m m i n g deklamierte. Gg .Dr. Barth Rede, Die hierauf von Frl. Herz eingeleitete Sammlung für die Hinterbliebenen unserer russischen Brüder ergab eine ansehnliche Summe, (ftoldmark sehe Lieder von der Öpernsängerin des Stadttheaters Frl. S t e 1 1 i q n künstlerisch vorgetragen. Herr A d 1er Violinvortrag. Frl. H e r z Klavierpiece. Opernsänger K r i e in e r. Kneipe. Drohobycz. Vor pin^m Monate wurde hier vom Bibliothekverein „Esra' eine hebräische Schule gegründet und im ersten Monate schon wurden zirka 170SchüW uod Schülerinnen eingeschrieben. Der Unterricht wird von den «irrigen Lehrkräften Herrn Quittner jun. und Fräulein Tepper geleitet. Der Verein ,,E^ra", an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Margulies steht, hat in den ersten zwei Jahr* n seines Bestehens sehr viel geleistet. Im Winter werden Vorträge über Judaismus abgehalten. Jeden Mon at werden viele neue Bücher in hebräischer,polrischer und deutscher Sprache, sowie auch im Jargon eingekauft. Der Akademiker verein j.Hamakkabirn*' gründete eine Toynbee-Halle, wo jeden Samstag und Sonntag abendfi Vorträge abgehalten werden und in nächster Z^it auch Samstag nachmittags populäre Vorträge im Jargon stattfinden und jüdische Geschichte unterrichtet werden wird. J« Frankfurt. Zionistische Vereinigung. Protestversammlung gegen die russischen Greueltaten. Dr. Sonderling- Berlin besprach in einer glänzenden Rede die aufs neue über unser Volk hereingebrochenen Leiden. Wie er mit einem Rückblicke auf die lange Leidensgeschichte des jüdischen Volkes begonnen hatte, so schloss er, der Hoffnung Ausdruck gebend, dass in der Zukunft der Zionismus berufen sei, alle Juden geeint einem glücklicheren Geschicke entgegenzuführen. Es gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die Versammlung gibt ihrer Entrüstung Ausdruck über die aller menschlichen Kultur hohnsprechenden Greuelszenen in Russland, welche unter den Augen russischer Behörden stattfinden konnten. Unter voller Anerkennung der für die notleidenden Hinterbliebenen d.cr traurigen Opfer eingeleiteten Hilfsaktionen kann sich die heutige Versammlung damit nicht begnügen und erachtet es für notwendig, nach Mitteln zu suchen ,geeignet, in Zukunft derartige Vorgänge zu verhindern. Solange die russische Regierung nicht die offene Absicht zeigt und sichere Gewähr bietet, ihren jüdischen Untertanen vollsten Schutz angedeihen zu lassen, ist die Förderung der „Jüdischen Selbstwehr" die heiligste Pflicht aller Juden und mitfühlenden .Menschen/' Iis wurde für die Selbstwehr gesammelt. Wiesbaden. Kürzlich fand in Wiesbaden in den Kaisersälen eine von -der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur einberufene Versammlung statt, die aus allen Kreisen der Bürgerschaft zahlreich besucht war. Nach einem Vortrage des Herrn Levine, der von häufigen Entrüstungs- und Pfuirufen unterbrochen wurde, gelangte die nachfolgende Resolution zur einstimmigen Annahme. „Die am heutigen Ta^e zu Wiesbaden im den Kaisersälen tagende, von mehr als lOuO Personen besuchte Versammlung gibt ihrer schärfsten Entrüstung darüber Ausdruck, dass in Russland Tausende unter den Augen der Behörden ermordet, verstümmelt und ihres Eigentums beraubt werden konnten. Die Versammlung erklärt die vorgekommenen Greueltaten für einen Hohn auf die Errungenschaften der1 Zivilisation und hofft, dass die ganze gesittete Menschheit ihre Entrüstung teilt; sie erwartet, dass die Wiederholung solcher Ereignisse unmöglich gemacht wird i,nd dass den unglücK'ieheu Opfern die moralische Unterstützung aller zuteil wird. Würzburg. Audi hier wurde ein Konzert zu Gunsten der russischen Juden veranstaltet, und zwar auf Betreiben der hiesigen jüdischen Studentenschaft. Der Gedanke war von dein ersten Vorsitzenden der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, L)r. E. Pinzower ausgegangen, dem auch das Hauptverdienst an dem Zustandekommen zuzuschreiben ist. Das dem Ernst der Situation entsprechende Programm wurde von den Damen Bauer. Englerth und. Gau und den Herren Lenz, Gross, Seiler, Werner und Zornitz vom Stadttheater in glänzender Weise zum Vortrag gebracht und verfehlte nicht seinen tiefen Eindruck auf das aus sämtlichen jüdischen wie nichtjüdischen Gesellschaftsschichten zusammengesetzte Publikum. Unter den Anwesenden waren u. a. die Gattin des Regierungspräsidenten Exzellenz v. Kobell, Professoren der Universität, Spitzen der nichtjüdischen Geistlichkeit etc .etc. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Boveri, der berühmte Ch rurg unserer Universität. Herr Gen. Rat Professor Dr. Schönborn und andere hervorragende Persönlichkeiten., hatten schriftlich ihrem Bedauern Ausdruck verheilen, amtlich am Erscheinen verhindert zu sein und gleichzeitig eine Geldspende dem Komitee überwiesen. Wir dürfen mit dem Erfolge des Konzertes;u jeder Beziehung zufrieden sein, zumal ein Reinertrag von über iZUO Mark zu verzeichnen ist. D. Buenos Ayres. Im Schulgebäude der Talmud-Thora fand eine Trauerfeier für die Opfer der .Indeurnetzeleien in Russlaiid unter grosser Beteiligung der Judenschait statt. Rablvner Dr. Hoffmann hielt die Rede, deren Inhalt wir nachstehend wiedergeben: ...Als Märtyrer nud Helden gehen wir auch aus diesem Kampfe hervor. Die Siegespaime tragen wir wieder einmal davon. Die Judenverfolgungen des russischen Mittelalters werden für das Judentum von grosser Bedeutung sein. Unsere geflissentlich oder unbewusst geldendeten reichen Stammesgenossen werden, hoffentlich mit dieser entsetzlichen Lektion genug haben. Was die spanische Martyrologie nicht fertig bringen konnte, wird die moderne Art der Judenschlächterei, die mit elektrischer Schnelligkeit arbeitet, zustande bringen. Jed^r normal denkende Jude wird nunmehr seihst einsehen, dass es viel praktischer und auch um die Hälfte Geld und Menseheiimaterial erreichbar ist, ein völkerrechtlich gesichertes Heim zu gründen im heiligen Lande unserer Vorfahren, als Invilidenhäuser, W-ais.eu- und Witwen-Heime im fremden Russenland.e zu unterhalten für die unglücklichen Opfer der nissischen Soldateska. Hätten wir ein kleines Vaterland, dann würden die sog. Kultunnächte notwendigerweise gegen solche Vergewaltigungen der Menschenrechte mit bewaffneter Hand eingeschritten sein. Aus moralischen Gründen hätten wohl alle Kulturvölker gegen die grössten Schandtaten der Menschengcschicnte bewaffneten Protest einlegen müssen, aber — der Jude wird verbrannt,' was kümmert das die Staaten? Wir Juden gelten für anders geartete Vermmttwesen als andere Menscheiistiimme. weil wir eben, kein eigenes Vaterland besitzen. Die chronische Judenfrage haben wir Juden in erster Reihe zu lösen. Anstatt gegenRusslaud vergebens zu protestieren, haben wir einen energischen Protest gegen unsere Nachlässigkeit zu richten. Auf Brüder! Fordern wir die zivilisierten Völker auf, sie sollen uns ermöglichen, auf Gottes Erde als Nation zu leben. Line völkerrechtlich verbürgte Heimstätte, ein Zion ist die einzige, wahre und dauernde Lösung der tragischen. Judenfrage.*' W«1t*iSbi,onik« i. ■--- Brief aus Stanislau. Nach zwei Wochen langen Beratens hat sich endlich auch das südgalizische Distriktskomitec daran genuicht, im Einvernehmen mit dem Landeskomitee in Wien und den andere.i

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