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Die Welt · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 flbit # weit" Nr. 52 ron ihr aussehliessen. Auch das ATgument des Mangels der Sprache wid.orst.rebo dem Gedanken der nationalen Autonomie, in deren Sinn es liege, die Nationalität überhaupt zu vergeistigen, sie von der Gnade von Elementen, die nicht zu ihrem innersten W'esen^kern gehören, unabhängig 7Ai machen. Verfolgen Sie doch, fährt der Redner fort, die Geschichte der Nationen! Was finden Sie? Gewisse Züge, die sieh von Jahrhundert zu Jahrhundert, ja von Jahrtausend zu Jahrtausend vererben, wiewohl Territorium und Sprache wechseln; und wieder gewisse andere Züge, die sieh, wiewohl der Sprachstanim der gleiche bleibt, fortwährend ändern. „Sie finden einen geistigen Kern, der in ewiger, elastischer Bewegung, in Konsistenz und Umwandlung durch die Zeiten schreitet. Sie erkennen in den Nationen sozusagen Rassen, die die Leiblichkeit mehr oder weniger, oft auch ganz abgeworfen haben, um in erster Linie durch den (icist zusammengehalten zu werden. Und diese Rasse des Geistes, dieser geistige Kern ist es, der das Wesen der Nation bildet. Wer, der nicht sich und anderen was weiss machen will, hört nicht unsere nationale Geistigkeil durch hundert Sprachen, töne]], wer fühlt sie nicht_aus allen unseren Handlungen, aus unseren Hiandlungsmethodeu. aus unserem Temperamente und unserem Tempo heraus? Sie steckt in unseren Tugenden und in unseren Lastern. Sie brütet in unseren Politikern, sie bohrt in unseren Gelehrten, sie 1 reibt unsere Massen, sie loht in unseren Künstlern. Wie lächerlich, von ihr zu sagen: Gilt nicht, denn sie hat kein Spraehbillott. Wie lächerlich und wie unglaublich öde formalistisch!" Redner weist dann die völlige Ergebnislosigkeit der Assimilation in kultureller Beziehung nach, um dann auf die Stellung der Nichtjuden zur Anerkennung der jüdischen Nationalität zu sprechen zu kommen. Er ergreift die Gelegenheit, um denjenigen, die als moderne und freiheitliche Menschen, ohne antisemitischen Beigeschmack die rinden als Nation anerkennen, zu danken. Insonderheit erwähnt er die ruthenisehon Freunde und das ganze rathenische Y>o]k. Es folgt nun eine Darstellung des Kampfes Daszvnskis gegen die jüdisch-sozialdemokratisclie Bewegung in Galiziei) und eine schonungslose Darstellung der Uiiaufriehtigkeit, die die polnische Sozialistenführer gelegentlich der jüdischen Anton omieanivgiingen im Parlamente verrieten. Dann wendet sich der Redner gegen den Vorwurf, dass wir den Antisemiten in die Hände arbeiten, dass wir uns selber das Ghetto bauen. Vor allem erklärt er als sittliche Forderung: ..Frage nicht Freund nicht Feind, frage d ich. wa< du sollst'*. Ausserdem sei ja doch der Schimpf der Antisemiten nicht in der Behauptung gelegen, wir seien eine eigene Nation, vielmehr 'nur in den Attributen, die sie uns geben. Warum sollte bei den Juden ewig Separation und Ghetto heissen. was bei den anderen Völkern nationales Leben heisst? Wohin sind wir denn mit der sogenannten Assimilation geraten? Was Italien wir dadurch erreicht, dass wir unser Volk, das nun einmal naturgesehichtüch zu den Dauerarten gehört, Jahrzehnte lang in allerlei Kostüme und Larven pressteil? Sind wir wirklich zum Frieden mit den Völkern gekommen, haben, wir es erreicht, da>s wir unter ihnen wohnen, wie Brüder unter Brüdern, dass wir gegenseitig unsere Tugenden schätzen und unsere Laster milde begreifen? Wir sind im Gegenteil eine schiefe Hahn hinabgeglitten. Gerade dadurch, dass wir vorgaben, national wesenseins mit den anderen zu sein oder haldigst werden zu wollen, und — seien wir stolz darauf — unsere Behauptung nicht leben, unsereZusage nicht halten konnten, haben wir unser 'Volk in die Separation, in ein moralisches Ghetto getriehen. Und wir können erst dann wieder aus dem Assi m ilations-Gh e 11 o heraus, erst dann n natürlichen:1 und. angenehmere Beziehungen zu den anderen Völkern kommen, wenn wir sie ein würdigeres Bild von uns kennen lehren, wenn wir sie gewöhnen, in uns ein Volk zu sehen; das als Volk auf gleichem Fasse mit ihnen leben und behandelt sein will. Redner widerlegt dann die Befürchtung, dass das neue System, wirtschaftliche Gefahren, mit sich bringen könnte und bespricht die praktischen Forderungen formulierend zunächst die nationale Wahlkurio, um dann auf das eigentliche Endziel der Autononiiebestrebungen, die kulturelle Selbstverwaltung überzugehen. Insbesondere spricht et* von der nationalen Schule. Wir müssen diese Schule haben — um unserer Individualität willen, die nun schon lange genug uns ein exotischer Reiz in fremder Kultur war und endlich wieder einmal "ein autonomes. Quantum der grossen menschlichen Geistesrepublik werden soll. Er widerlegt die Auffassung der jüdischen. Autonomie. Schule als konfessionelle Schule. Es handelt sich um nationale, nicht um eine konfessionelle Autonomie. Und das ist kein leerer Wortuntersehied, im Gegenteil, er beinhaltet den Uebergang zu einer neuen Epoche, in der die Tvul- ■tusgemein.de ihrem natürlichen, dem religiösen Zweck wieder ganz zurückgegeben und in der nationalen Gemeinde weltliche Repräsentanzen desf jüdischen Volkstums o-eschaf- ,'ir -j-,, •« . . *', * fen seih Worden. ■ o,. r,. . Der Redner schliesst mit den Worten : ..Wir wollen uns niete konfessionell absondern, wir wollen nicht der Reaktion,di{|ieii,vwir. wollen auch keine nationalen Chauvinisten sein!,Wir wollen* nichts, als unsere Art, als unsere Art. Atensch zu sein, nicht länger unterdrücken, verbergen, verwahrlosen. Wir wollen sie im Lichte1 des Tages führen, Avir wollen sie leben, wir wollen sie entwickeln, — uns und der Menschheit zu liebe. Wir sind hier aus verschiedenen Parteilagern, von verschiedenem Standpunkte, aus verschiedenen Klassen hergekommen. Nicht um uns gegenseitig abzufangen! Nicht auch um unsere politischen, sozialen und Meinungsuntersohiede zu verwischen. Wir wollen uns nicht alle in einen Sack tun, wie uns geschäftige Gegner insinuieren werden. Aber wir wollen den natürlichen Wurzelhoden für uns alle zurückerobern, das nationale Grundrecht., das uns allen vorenthalten ist, uns ersiegen.. Und wir werden siegen Freiten wir uns, dass die jüdische Politik in Oesterreich, jetzt ein grosses, der Anstrengung würdiges Ziel hat und grosszügig einsetzen kann. Die Forderung der nationalen Autonomie ist nicht von gestern oder vorgestern und wird nicht morgen oder übermorgen realisierbar sein. Die Zionisten als die bestorganisierte und agilste nationale Gruppe werden darüber wachen müssen, dass das Ziel, nicht verkleinert wird und die Bewegung nicht in einer Jagd nach jüdischen. Mandaten ausmündet. Und noch eine freund nachbarliche -Warnung: „Auf dem Rücken der zionistischen Organisation werden SonderbündJer nicht in die Höhe klettern und Privatinteressen nicht verfolgt werden/'*' N. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Präsident des VfL Kongresses Dr. Max Nordau, Paris, durch „The United Johannesburg Jewish National Frud-Club«......... .Pfd.St. 10.-- Zionistische Vereinigung, Königsberg .... Mk. 205.— Verein „Dorsche Schlom Ziontt. Hannover . . „ 205.03 „Verein Jüdischer Studenten", Berlin...... 234.05 Frau Rosa Kaufmann geb. Gutmann, Stuttgart „ 207.30 Dn Theodor Zlocisfci, Berlin........ 206 56 Jüdischer Turnverein ,.Bar Koehba", Berlin . . , 206.76 Mädchenverein „Moriah", Wien ,.....K 240.84 „ZionB, Zaleszczyki........... 240.—

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