Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 flbie * w^it" Nr. 51 über die Erhaltung öffentlicher Volksschulen, da* vor ciniireM Tagen im preussischen Abgeordnetenhause zur ersten Lesung gelangte. Das Gesetz, welches die preussischen Juden zu Staatsbürgern minderer Kategorie stempelt, indem es ihre Parität mit Katholiken und Evangelisehen auf dem Gebiete der Pflichten peinlich durchführt, bezüglich der "Rechte aber ebenso rücksichtslos vernachlässigt, wird l>ei der bekannten Zusammensetzung des berüchtigten Junkerlandtages zweifellos -durchdringen und so ein markantes Beispiel für die staatsbürgerliche Zurücksetzung der Juden in Deutschland schaffen. Das Prinzip der konfessionellen Schulen wird für "Niehtjnden konsequent ausgebildet, während die jüdischen Volksschulen auf legislativen Schleichwegen der Auflösung überantwortet, ihre Lehrer ohne viel Federlesen? aufs Pflaster gesetzt und die jüdischen Schüler in die fremdkonfessinnellen Schulen getrieben werden. Die Schnl lasten werden den Syiuigogengc mein den aufgehalst, während ihre Eechte beschnitten rmd der jüdische "Religionsunterricht bagatellisiert wird. Jüdische Lehrer dürfen an christlichen Schulen nicht tätig sein, wahremd gleichzeitig die Zahl der Judenschulen nach der Willkür der Kommunalverbände und Schuldeputationen beliebig vermindert werden kann. Wenn es Simultanschulen gehen wird, werden sie katholisch-evangelisch, niemals oh ristlich-jüdisch sein. Die Juden werden in dem Gesetzentwürfe mit so absichtlicher Geringschätzung nnd Ungerechtigkeit behandelt, dass die einmütige Gegnerschaft aller jüdischen Gruppen, deren es nach politischen, religiösen und beruflichen Nuancen in Deutschland sehr viele gibt, nicht wundernehmen kann. Freilich, die sogenannten Liberalen, die dogmatisch an den Grundsätzen alten Freisinns festhalten nnd in der Bekämpfung jüdischkonfessioneller Schulen das Endziel aller Schulpädagogik und Schulpolitik erblicken, sehen für ihre Grossgoineindon auch in dem Zerrbilde der Paritätschule oder in der fremdkonfessionellen Schule ihr Ideal. Aber gewiss ist. class sehr viele jüdische Väter ihren Kindern lieber eine jüdische Erziehung in jüdisch-konfessionellen Schulen angedeihen lassen werden als eine auf Gewissendrang beruhende, entjudende Erziehung in ausgesprochen katholisch und tendenziös oder evangelisch geleiteten Schulen. Wenn der preussische Staat die jüdischen öffentlichen Schulen gesetzlich unmöglich macht, dann bleibt noch der Ausweg jüdischer Privatschulen, deren Gründung und Erhaltung kleineren Gemeinden allerdings sehr schwer fallen wird. Das preussische Sehn laut erhalkmgsgesctz aber drängt auf dieses Aushilfsmittel. Der Gesetzentwurf ist als ein offenkundiger Holm auf die Gleichberechtigung der preussischen Juden ein Charakter ist isches Zeichen der Zeil. "Nss. ribäi)«. (Für diese Rubrik Ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Dr. Max Nordau, Paris..........Pfd. St 10.— Advocate Morris Alexander, M. A. L, L. D. I. P. of Cape Town........... , 10.— Mr. M. L. Genussow of Cape Town .... „ 10.— Dr. Theodor Herzl sei. durch Verein ,,Tifereth Zion", Buenos Aires, gesammelt von Herrn Charif.................. „ 10.02.00 Verbindung „Makkabäa*. Budapest, durch Teilzahlungen in der „Welt" ....... K 253.17 Todestag des Josef, Sohn des Sef Richter, Kolomea................. i44.97 Zwi bar Arich David Ginzberg durch seinen Sohn Ber Ginzberg. Meseritsch (Polen) . „ 252.— Jüdischer Bildungsverein „Raschi". Am 5. Dezember 1905 fand unter zahlreicher Beteiligung die konstituierende Versammlung dieses Vereines statt. Die vom Proponentenkomitee vorgelegten Statuten wurden mit einigen Abänderungen genehmigt. Die regelmässigen Lehrkurse beginnen anfangs Jänner 1906 im Vereinslokale, I/., Glasergasse 24, I. Stock, wo auch die bedeutendsten Journale und Zeitschriften aufliegen. Beitrittserklärungen der ordentlichen Mitglieder (Monatsbeitrag 60 Heller) und der Gönner (Jahresbeitrag K 10.—) nimmt entgegen Alfred Meissner, IX., Porzellangase 24 a. Der Bielitz-Bialaer Jüdische Turnverein feiert Sonntag den 31. Dezember 1905 in den Saallokalitäten des Hotel Kaiserhof in Bielitz sein siebentes Stiftungsfest. Entree K 2.— pro Person. Familienkarten nur für Mitglieder (3 Personen) K 5.—, sind nur im Vorverkauf erhältlich. Musikkapelle des k. u. k. Infanterieregiments Edler v. Krieghammer Nr. 100. Vorverkauf bei Herrn Ig. Löwentberg, Bielitz und bei Herrn Jakob Better in Biala. Beginn präzise halb 9 Uhr. Das Reinerträgnis ist für die Opfer der russischen Judenverfolgungen bestimmt. Familienkarten sind nur bei Herrn Jakob Better in Biala erhältlich. * * * Ich und nieine Frau als Kinderlose wären bereit, einen oder zwei Knaben, vier bis fünf Jahre alt, von den Waisenkindern Russlands, aus besserem Hause, gut erzogen, anzunehmen. Ich bin Kaufmann des Mittelstandes, kein reicher Mann, aber will diese Mizwoh haben. Kolomea, 17. Dezember 1905. Jakob K r a n z und Frau. Freitag den 22. Dezember beim Abendgottesdienst im Tempel, XV., Turnergas.se 22, Chanuka-Ansprache. Samstag den 23. Dezember nachmittags halb 5 Uhr im Bethause XIII.. Penzingerstrasse 132, Chauukapredigt. Der „Humanitäre Frauenverein Krankenpflege" veranstaltet wie alljährlich unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte am 15. Jänner 1906 im Prachtsaale des Hotel Continental eine Wohltätigkeitsakademie mit darauffolgendem Tanzkränzchen!. Die Musik wird von der Militärkapelle des k. k. Infanterieregimentes Nr. 6 besorgt. Karten sind zu haben bei der Präsidentin Frau Dr. Amalie Blech, IL, Rembrandtstrasse 9, Komiteeobniann Herrn J. Rosenberg, IL, Vorgarteristrasse 195, Cafe Augartenbrücke, IL, Obere Donaustrasse Nr. 47, und bei sämtlichen Komiteemitgliedern. * * * Hilfsaktion. Infolge des Appells Sr. Ehrwiirden des Herrn Professor Dr. Kurrein, Rabbiner in Teplitz, sowohl in der „Jüdischen Volksstimme" als auch in der Trauerrede für die ermordeten russischen Juden, die verwaisten jüdischen! Kinder in die Familien, aufzunehmen, erklärten ihre Bereitwilligkeit hierzu: Herr Postoffizial Siegmund Kolliner und Frau und Herr Rudolf Bender und Frau in Teplitz, beide zur Aufnahme je eines Mädchens an Kindesstatt. Berichtigung. Dem Motiveiibericht der politischen Zivilisten Deutschlands war die Unterschrift des Herrn Gronemann irrtümlich beigefügt. Herr Gronemaim hatte, obwohl in der Sache selbst übereinstimmend, aus äusseren Gründen seine Unterschrift zurückgezogen. * * * ACHTUNG, JUDEN! Wer auf körperliche Tüchtigkeit Wert legt, Wer einsieht, dass der beste Schutz der persönlichen Sicherheit in der Selbstverteidigung liegt. Wer die befreiende Wirkung des Vertrauens in die eigene Kraft erkennt. Der m e 1 d e seinen Beitritt als ausübendes oder förderndes Mitglied zum I. Wiener Jüdischen Turnverein L, Mölkerbastei Nr. 5. H e r r e n t u r neu: Montag und Donnerstag 7—9 Uhr abends.; Dainentur nen: Mittwoch und Samstag 7—9 Uhr abends. K i H) d e r t u r n e n. Zionistisches Seminar des Vereines zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl", Wien, VIIL, Laiigegasse 14. Das Programm unseres Seminars für die Zeit vom 20. bis 30. De-