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Die Welt · 1905-12-22 · 51 (22.12.1905) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 „bi* # weit" Seite h gen ermessen zu können? Die politischen Verführer und Erpresser unter den mährischen Juden haben so viel auf dem Kerbholze., dass ihnen eine Lektion zu gönnen ist. Es ist unbillig nn'd empörend, dass immer sie leer ausgehen und nur ihre Opfer geschädigt werden. Einige Jllustrationsfakten: Jüdischen Jahrmarkthesuehern werden Marktbuden demoliert und die Waren in den Kot geworfen, so dass sie den Markt verlassen und andere Juden ihre Waren überhaupt nicht auspacken; in einem anderen Orte weist der Bürgermeister einem jüdischen Tnehhändler einen Standplatz an, der abseits vom Verkehr liegt und einen Geschäftserfolg aussehliesst; tschechische Blätter haben Boykottrubriken eingeführt, in denen sie die Kunden jüdischer Kaufleute beharrlich an den Pranger stellen und wegen Mangels nationaler Ehre beschimpfen. Selbst in Brünn, einer Stadt mit 110 000 Einwohnern, in der sieh die Juden vor einem Boykott bisher sicher wähnten, ist eine Boykottbewegiing im Gange, die nicht nur in Brünn selbst, sondern auch in der fast ganz tseheehisehen Umgebung mit teilweisem Erfolge organisiert wird. Es ist die Antwort auf die letzten Gemeinderatswahlcn. In Oeding, wo die Juden dein Diktat eines die Gemeinde beherrschenden Fabrikanten folgten, und durch ihre den Deutschen geleistete Wahlhilfe wüste Straf senexzesse gegen sich, hervorriefen, erleben wir dasselbe Schauspiel. Aber das Traurige au diesen lokalen Verj mm gen jüdischer Wähler liegt darin, dass die Reaktion auf tschechischer Seite im ganzen tschechischen Gebiete des Landes eintritt und dem nationalen Antisemitismus, der den mährischen Tschechen absolut nicht angeboren ist, stets frische Anhaltspunkte gibt. Die Saat der in einzelnen Städten von Juden forcierten deutschen Besitzstandspoiitik geht im ganzen Lande auf. Kelche Juden, die „Führer", säen den nationalen ITass, ärmere Juden des Mittelstandes ernten den Boykott, der von den Tschechen gegen sie als nationales Erziehungs- und Stärkungsmittel erprobt und wirkungsvoll gehandhabt wird. So kriegt man die jüdische Konkurrenz unter. In einer Wiener Wochenschrift hat der Keichsratsabgeordnete Dr. Stefan licht über die mährische Wahlreform einen Artikel geschrieben und auch der mährischen Juden gedacht. Einer jener unberufenen, unverantwortlichen Batgeber, die alle jüdischen Dinge in Mähren nur durch, die deutsche Parteibrille sehen und frivol von dem Deutsehsein der mährischen Juden faseln. Ein getaufter Jude, der sein politisches. Geschäft glänzend verstanden und sich vom Sozialdemokraten zum Handelskammervertreter und IndustriellenanAvalt buchstäblich hinaufgestrebert hat. Ein Mann also, dem die nationalen und wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Gesamtheit in Mähren gewaltig schnuppe sind. Er schreibt: „Der nationale Kataster hat auch die Anerkennung der Juden in Mähren als eines konstanten Elementes des Volkstums zur Folge. Der Jude, der sein Wahlrecht ausüben wird, wird Deutscher oder Tscheche sein können und müssen. Aus seinem nationalen Bekenntnisse wird ihm weder die eine noch die andere nationale Partei einen Vorwurf schmieden können, da er im politischen Kampfe nicht mehr die Reihen der Gegner verstärkt. Für die Wahlen ist es nach Einrichtung des nationalen Katasters gleichgültig, wie die eine oder die andere nationale Wahlgruppe zusammengesetzt ist, da beide nicht, mehr gegeneinander kämpfen. Der Jude wird ausdrücklich als Volksgenosse und nicht mehr, wie man oft hörte, als wertvoller Bundesgenosse betrachtet werden müssen. Man wird sich wahrscheinlich von mancher Seite gegen diese Anschauung wehren. Schliesslich wird durch, den nationalen Kataster nur sanktioniert, was bisher in deutsch bürgerliehen Kreisen Mährens als selbstverständlich galt. Gerade in den letzten Wochen haben die Juden im deutschen Lager unter überaus schwierigen Verhältnissen gekämpft und trotz terroristischer Drohungen sich nicht von dem freien Bekenntnisse zum deutschen "Volke abbringen lassen. Die Wahlsiege der Deutschen in Brünn und soeben in (iüding sind hierf ür glänzende Beweise." Satz für Satz unwahr und entstellt. Es ist nicht wahr, class ein nationaler Kampf in Mähren nach den Katasterwahlen aufhört, dass den Juden aas ihrem „nationalen*1' Bekenntnisse kein Vorwurf mehr gemacht werden wird, dass sie als Volksgenossen ausdrücklich betrachtel: werden, class deutscdibürgerliehe Kreise Mährens dies schon bisher taten und dass die mährischen Juden bei den letzten Wahlen ein „freies" Bekenntnis zum deutschen Volke abgelegt haben. Das Gegenteil von all dem trifft zu. Wer es bestreitet, lügt, bewusst oder in Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse im Lande. „Mit stiller liesignatkm ziehen die Deutschen .Mährens, aus Wunden blutend, die; nicht so rasch vernarben könne]], sich auf ihre nationalen Schutzfesten zurück" —. so jammert Dr. Licht. Wir nationalen Juden aus Mahren wünschen seinen vKonnationalen" viel dl tick auf dem .Rückzüge, den zu decken die Juden leein, aber gar kein Interesse haben. Und die Blutung zu stillen, die Vernarbung zu beschleim.igen, die nationalen Sehntzfesten den Deutschen zu verteidigen — dazu besteht auf unserer Seite wenig Lust. Wir gehen daran, zur. Abwechslung einmal auch de]). Juden nationale Schutzwerke zu errichten und sie vor dem verderblichen Einflüsse fremdnationaler Betätigung zu bewahren. Unsere nationale Sehntzwehr lieisst nationale Autonomie. Sic wird aufgeführt werden und gelingen, wenn auch die mährischen Juden zur politischen Keife und nationalen Einsieht sieh em;porsehw i ngen, d ie iii den östl iehen Kronl ändern des Landes den Juden eigen ist. ihre heutigen politischen Führer und. Verführer mögen hundertmal nichts davon wissen wollen! M o y a v ii s. Rothschild contra Zionismus. Öffentlich und feierlich hat sich der Londoner Rothschild gegen den Zionismus und sein eigenwilliges Kind, das unter Z a n g w i 11 s Vormund>chaft steht, gegen den Territorialismus, erklärt. Im Kampfe mit solchen Gegnern ist auch der starke Roths e h i 1 d nicht am mächtigsten allein, und deshalb eilten ihm die Herren Samuel Montagu, David L. A 1 e x a n d e r, N. S, Joseph, Claude G. Montefiore, Leonard L. Cohen, Stuart M. Samuel zuhilfe, lauter Namen von gutem Klang, lauter Leute von unanzweifelbar ehrlicher Ueberzeugung und Gesinnung. Könnte man nur ebensosehr die Originalität der Herren loben! Man kann es aber nicht. Die Rüstung dieser antizionistischen Kämpen ist so alt und rostig, dass sie schon längst in ein Geschichtsmuseum hineingehört hätte. Aber nicht die Waffen der Rothschild und Genossen sind das heute Beachtens- und Beredenswerte. Wichtig und interessant ist allein der Zeitpunkt dieser Waffenerhebung. Sie erfolgt in dem Augenblicke, da die Juden der ganzen Welt das Unglück ihrer rassischen Brüder beweinen und diesem Unglück durch grossartige Geldsammlungen zuhilfe kommen. Der Londoner Rothschild spielt in dieser Hilfsaktion mit edlem Anstand und freigebigster Hand die erste Rolle und ferne sei es von uns, ihm dafür die Anerkennung vorzuenthalten. Wir billigen auch seinen eben veröffentlichten warmherzigen Appell, die Hilfsaktion für die Opfer der russischen Barbarei zu unterstützen. Nur damit, dass er diesen Appell in erster Linie an die Zionisten und Hoisten und zugleich gegen

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