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Die Welt · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bi* # weit11 Nr. 50 Das Referat erstattete Dr. "NT a 1 a n "B i r n b a u in. In iuU'j-tliaJb.stiiiu'iiovr glänzender Kode, die über das Niveau von Yer^anmdungsreden weit hinausragt and durch ..im logischen Aufbau, ihre Ch^dan kenfülle und Formvollendung als ein meisterhaftes Phüdoyer für die nationale P>ew<>gu n g dei' ö1i■ r reich isehen Juden bezeichnet werden im! — , begründete der Redner die jüdischnationale Forderung. Wir müssen es uns ans technischen Gründen leider \M>;igvn. die itcuc. weiche übrigens demnächst im Druck er- -eheint, lieuie auch nur auszugsweise wiederzugeben. Es ist eine historische .Rede, der in der Geschichte der nationaljdld beben "Bewegung Oesterreichs ein. Ehrenplatz gesichert bleibt. Es ist fast überflüssig, hinzuzufügen, dass sie in der Versammlung jubelnden Beifall fand. Die Debatte nahm stellenweise einen stürmischen Verlauf. Es zeigte .-ich. dass gegen, die führenden jüdischen Sozialdemokraten, und gegen Daszynski wegen ihrer den .Iiidisehnationalen. feindseligen Haltung tiefgehende Krbiuei in)g herrsche. Da die anwesenden Sozialdemokraten remonstrierten, kam es zu s(ürmischen Auftritten. Als erster Redner sprach Herr Lue i an Brunner, der für eine Sri!jstsei>utzorganisation der Judin eintrat und die!m'Sieheuden politischen Parteien als unfähig bezeichnet, jüdische Hc-rhre und Interessen zu vertreten. Namens der Zien ist en erörterte Dr. J. Schal it ihre Haltung zur frage der Autonomie, deren Lösung* er als Erledigung des Kampfes zwischen Assimilations- und nationaler Politik be/eielniete. Aber eine blossnationale Politik ohne das zionistische ITeimstättenzicl sei Stückwerk. Die Zionisten sind für die nationale Autonomie und werden den Kampf für Me mit aller Energie mitmachen, aber ihr Endziel werden sie nieht aus den Augen verlieren. Abgeordneier Dr. S t r a u c h e r, mit stürmischem lleifall und Hochrufen begrüsst: Wir Juden im Osten der Monarchie haben -ehon längst begonnen, uns auf jüdischnationaler (Grundlage zu organisieren, und. wir glauben es unserem jüdischen Yol'Ke schuldig zu sein, seine überall gefährdete Zukunft auf nationaler Grundlage sicherzustellen. AVenn die 'Frage im Parlamente konkretere Formen angenommen haben wird, werde ieh nieht ermangeln, dort für unsere Ynjkssache einzutreten. Aber eine endgültige Löste ng der jüdischnationalen Frage und Autonomie muss in 'Verbindung gebracht werden mit einer produktiven Heimstätte für die Juden. Ohne eigenen Grund und Boden ist in der Zukunft die Yerwirkliehung der jüdisehnationalen Idee nieht möglieh. Im Sehlussap|>ell ruft er auf zur Organisierung im Zeichen der jüdischnationalen Bewegung, im Zeichen der jüdisehnationalen Autonomie! Der Sozialdemokratische Kontrarediner Dr. Horn nimmt die Sozialdemokratie gegen den "Vorwurf verstockter Judenfeindschaft in Schutz und hält die Durchführung der jüdischen Autonomie für ein T nglüek. Was bei anderen Nationen die nationale Kurie ist. werde bei. den Juden das Ghetto sein. Die überwbeende Hehrheit der anderen werden diese Kurie wie den gelben Fleck im Mittelalter biet rächten. Der rutbenisch.e Abgeordnete Prof. Komai n cz iik, der als erster im Parlamente für die nationale Anerkennung der Juden eingetreten ist. war in der Versammlung Gegenstand, herzlichster Ovationen. Fast schien es. dass weniger mehr gewesen wäre. Er erklärter habe die Anregung der jüdischen Kurie nicht aus Feindschaft gegen die Juden, aber auch nicht" aus blosser Freundschaft gemacht. Dreierlei Gründe waren massgebend : Erstens die lat sächlichen Verhältnisse, weil es fest sieht, dass die Juden trotz ihrer Zerstreuung über den ganzen Erdball überall ihre nationale Eigentümlichkeit behalten haben, also als ein < ia nzes a ufgefa sst im d beimndelt werden \ nässen. Der zweite Grund war ein Gefühl der Gerechtigkeit, Und dann liege die Anerkennung und Behandlung der Juden als eigene Kation im Interesse der Juden und iSTiehtjuden. Jedem Juden solle es ^vobl freigestellt werden, sich zu irgend einer Kation zu bekennen, aber es dürfe keinem verwehrt werden, sich zur eigenen. Nationalität zu bekennen. Das Eintreten im Parlamente für die Autonomie könne nur von Erfolg sein, wenn die Juden selbst die Werbearbeit energisch betreiben. Die Hauptarbeit müssen die Juden leisten, er sei bereit, ihre Sache im Abgeordnetenhause weiter zu verfechten. Herr B i c h. a r d K a p p a. p o r t, dessen inhaltsreiche Itede für die Autonomie infolge der vorgerückten Zeit nieht die gebührende Beachtung fand, polemisierte zunächst gegen die jüdische Sozialdemokratie und erörterte die Vorteile der nationalen Autonomie der Juden. Sekretär F 1 e ischer (Union) hält die Versammlung mit Rücksicht auf praktisehpolitische Zwecke für verfrüht und darum verfehlt. Der Gedanke der jüdisehnationalen Autonomie dürfe nicht in die Oeffentlichkeit treten, als der Gedanke einer einzelnen politischen Gruppe, sondern er bekommt nur Wert und Bedeutung, propagiert von der gesäratösterreieinsehen Juden schaff. Für grosse politische Versammlungen sei die Frage noch nicht spruchreif. Eine einheitliche Behandlung und eine einheitliche Plattform ist notwendig. Kerlner regt eine Kooperation aller politischen, nationalen, sozialen Gruppen der österreichischen Juden an und wünscht in!ensivsie Aufklärungsarbeit. Dr. W e i s e n g r ü n schlägt folgende Resolution vor: . J) i e a in 12. D e z e m b e r 1005 i m K o n a c h e r s si a 1 e t a g e n d e j ü d i s e h e AI a s s e n v e r s a m m 1 u n g e r- 3c 1 ä r t s i c h f ii r d i e n a t i o n a 1 e A u t o n o m i e in 0 e s t e r r e i c h u nd f o r d e r t Ii i e r b e i auf Gr r u n d d o s i n d i v i d u e 11 e n R e c h t es d e r S e 1 b s t b o - ■s t i m in u n g sowie der unlen g b a r e n g e i s t i - g o n E i g e n a r t des;j ü d i sehe n V o 1 k e s f ü r d i e s e s die n a t io n a1e Gle i c h be r e c h t i g u n. g m i t allen österreichische n 2f a t i o n o n." Die Resolution wurde unter stürmischem Beifalle mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. IST-ach einem kurzen Sehhissworte des Referenten wurde die denkwürdige Versammlung geschlossen. Wie weite jüdische Kreise die Angtelegenhqit d!er nationalen Autonomie bereits erfasst hat, zeigen die Telegramme und Begidissungsschreiben, die aus allen Kronländern eingelaufen waren und in oft leidenschaftlicher Weise die nationalen Grundrechte für die Juden fordern. Von Kultusvorständen, Ter ei neu, Einzelpersonen waren fast dreihundert Zustimniungskundgebungen eingelaufen, von denen manne hunderete Unterschriften tragen. Die Versammlung muss das Signal zu einer Massenbewegung sein. Nationale Juden Oesterreichs, erhebt euch! Auf zur Agitation, auf zur nationalen Arbeit! Das russische Hilfswerk. Das Hilfswerk. Bis zum 1. 'd. M. ergaben die Sammlungen für die russischen Juden beim hiilisverein der deutschen Juden mehr als I1/, Mill., beim Frankfurter Komitee 675 000 Mark, bei der Alliance Israelite in Paris 11A Millionen Eres, und bei der Israelitischen Allianz in Wien 500 000 Kronen. Eine gleiche Summe soll bereits in Ungarn aufgebracht worden sein. In England ergaben die Sammlungen bis jetzt 78 750 Pfund. Es steht jedoch bei der grossen Erregung, welche die blutigen Ereignisse in Russland hervorgerufen haben, mit Bestimmtheit zu erwarten, dass die christliche Beteiligung noch grosse Dimensionen annehmen wird. Eine gewaltige Bewegung hat sich der .luden Amerikas bemächtigt. Die Wohlhabenden bringen gleich zu den Meetings ihre Scheckbücher mit. Das von Major Weaver

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