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Die Welt · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 50 „bie # weit" Seite 7 werden kann. Durch die Ausnutzung dieses Momentes könnten wir uns eine politische Position erringen, die unsere ökonomischen Interessen schützen wird und uns befreien vom der „Gnade" des Polenklubs mit seinen jüdischen Schleppträgern, Wir könnten einen jüdischen Klub mit jüdischen A t> g e o r d n e t e n haben, die uns allein Rechenschaft schuldig sein und unsere Interessen werde vertreten: m ü s s e n. Jeder jüdische Verein, jede Gruppe und Gemeindevertretung habe die Pflicht, Massenversammlungen einzuberufen, in denen dje einhellige Resolution gefasst werde: „Juden sind nichts anderes als Juden u n d f o r d -e r it, dass ihre nationalen Rechte a ji e rk an n;t w e rd e n." KjX Politische Rundschau. Das bisherige Tempo der jüdischnationalen Bewegung in Oesterreich ist kaum befriedigend. Nicht nur die politische Unreife der österreichischen Jaden, ihr Unverständnis in allen grossen und kleinen Fragen des nationalen und sozialen Lebens sind zu überwinden, sondern auch ein Machtfaktor, dessen retardierende Tätigkeit nach aussenhin weniger sichtbar ist, hemmt auf Schritt und Tritt, Die jüdischnationale Bewegung in Oesterreich wäre mit den Trümmern der Assimilationspolitik und mit dem noch immer fortwirkenden Gesetz ihrer Beharrlichkeit ohne die geheimen und offenen Widerstände der liberalen Presse längst fertig geworden. Diese Presse, die nach dem Antisemitenjargon unter dem Sammelnamen „Judenpresse" bekannt, verhasst, und verachtet ist, wird yon Juden, aber nicht für Juden gemacht. Man erkennt heute „Judenblätter" daran, dass sie der Jadenfrage gegenüber Totschweigetaktik üben. Wenn Lebzelter oder Wagenschmiede irgendwo zu einem Kongresse sich versammeln und das Klagelied über den Niedergang ihrer Berufe anstimmen, wenn in hohen Kreisen eine Skandalaffäre sich ereignet oder demoralisierende Gerichtsverhandlungen die Sensationslust des Lesepublikiims kitzeln, fehlt es nie an Raum. Ganze Spalten werden mit den nichtigsten Schmockereien angefüllt. Die Juden frage und alles, was Juden bewegt und trifft, wird in ein paar Nolizchen abgetan. Sie bringen nur, was im Interesse der Berichterstattung unbedingt notwendig ist. Keine Zeile mehr, keine Reflexion, keine Polemik. Dazu raffen sie sich nur auf im Kampfe gegen den Antisemitismus, den sie schüchtern und widerwillig;! nach den alten Regeln einer jämmerlich .zusammen-:; < gebrochenen Abwehrpolitik führen...i In;mderX Frage der nationalen Kurien verfahrend diese :"^Jud£n~ :. blätter" nach oben gezeichneter!;,!Manie^ -.-.sWenn. sonst irgend ein journalistisches»i S^hnilffei!^!;das»! iin»: ' den Couloirs des Parlaments- /tageia©® M*aeh Neuig" keiten jagt, irgend eine......iinch._sn_jLUibedeutende und unwahrscheinliche Kombination aufschnappt, flugs werden den nichtsahnendeäiVt^eHn eeitfürfiteirfe airil inhaltslose Interviews aufgetischt. In dpr Frage deij jüdischnationalen Autonomie, die int Paulame^ ges(?hrii't|terit'."wurde und das politische1Interesse der , ösfömchischlen;: .Juden lebhaft. tangiert, wenn auch , noch, .nicht ^nuge'nd erweckt,' herrscht f:;Schweigen im. , lib^t'aleri'61ät!erfwaiäe. Die jCidisdien1 Zeitung^ un^ ^pür^ligte^!' die iri der ^Verhetzung der öster- . reicliföäieri\ 'Natröharitateri' UM; in J der1' Zerfahrenheit [ det mribröster'r^ sdioh so viel Ualieil . angestiftet hslbäti, häböh leider "die Macht, die judischnatfonale Bewegung;adfeühkltehJ tihd in ihrer Ehtwickllung^ zti; heWimehi Ahet';die judfsctihätiohale Agitä1-' tidri- ' Ä^'^ä^1 VölrMlsct uh^ Öet iöMritß(iheh! :iyieinuri!g/'! als ob diese Bewegung weitere Beachtung nicht verdiene, endlich energischer entgegentreten, als es bisher geschah. Die Versammlungstätigkeit muss reger werden, die Agitation von Mann zu Mann in ihr Recht eingesetzt werden. Dann werden nicht die Judenblätter die angeblich jüdische Politik machen, sondern jüdische Blätter ohne Dividendenzwecke und Pauschaliensucht wirkliche jüdischnationale Interessen vertreten, * * * Wes Geisteskinder die antisemitischen Studenten im Deutschen Reiche sind, haben sie in einer grossen Studentenversammlung in Berlin bewiesen, in welcher die Wahlen in das Direktorium der akademischen Lesehalle vorgenommen wurden. Es kam auch zu einer Diskussion über die Greueltaten in Russland. Sie war kurz, aber lehrreich. In den Aeusserungen des studentischen Antisemitismus offenbarte sich ein erschreckender Grad von Gefühlsroheit und politischer Verwilderung. Es sind Argumente aus der Gosse, Meinungen, welche den Gedankengängen der rohesten Stammgäste von Wirthausbeiseln und Schnapsläden entsprechen. Nur einige Stichproben: Die Juden haben durch ihre Anmassung die Massakers provoziert; selbst wenn sie wahr wären, können sie nicht weiter tragisch genommen werden; die jüdische Ausbeutung hat das russische Volk zur Verzweiflung getrieben — und so weiter in dieser Tonart. Die Proteste der jüdischen Studenten gegen solche studentische Meinungs¬ und Gefühisäusserungen wurden mit höhnischem Lachen beantwortet und mit den Rufen: „Den russischen Juden ist Recht geschehen!* Als dann ein jüdischer Redner diese Haltung deutscher Akademiker an den Pranger stellte, unterbrach ihn der Vorsitzende, ein Doktor, unter frenetischem Beifall der Studenten mit der Bemerkung, er unterlasse den Ordnungsruf, weil die Ausführungen des jüdischen Redners seitens der Versammlung „wohl nur von der heiteren Seite aufgefasst wurden". So spricht der Pöbel in Wichs und Cerevis. Wie soll e*\st das ungebildete Volk sich äussern? Und dann staunen wir Juden, dass angesichts der an Juden verübten Bestialitäten die christlichen Kreise ruhig und mitleidlos bleiben und nichts unternehmen. Sie begleiten ja die kulturschändende.;;; [Tätigkeit der Hooligans mit ihren stillen Sympathien! Die Studenten in Berlin tun es offen.in schadlosem Zynismus. Ihre jüdischen Kollegen, die sie ani;iMenschenpflicht und Zivilisationswürde zu erinnern wagten, haben gemeinen Hohn statt Mitleid mit den Opjfern,i brutalen Hass statt sittlicher Entrüstung geerntet.. Und aus diesen Kreisen rekrutieren sich einst die, Verwaltungsheamten, Richter, Lehrer. Wahrlich, glänzende Perspektiven für die Juden im Westen, wenn die JBlüte des „deutschen Edelvolkes" auf solch sittlichem Niveau steht! Nss. Eine Wiener Massenversammlung für die nationale Autonomie der Juden. liii Roiiachersaale :faiid am 12. Dezember eine von 2()0Ö Juden aller Partei Schattierungen und Berufekreise besuchte1 "-jüdische Volksversammlung statt, welche sich zu einer erhebenden Ivtandgöbung für die nationale Autonomie der österreichischen Juden gestaltete. Den Vorsitz führte Dr. E i c h a r d "W!" a g n e r, der in seiner Eröffnungsrede darauf hinwies, dass die Versammlung nicht einem Proteste gegen: die liuegerei gelte/sondern eine Frage der Existenzbüfe'ehtig-uhg und Existenzsichenrng der jüdischen Nation in 'Oesterreich' betreffe! \ M!!jJ> hfl! . ü >>'■■:■ if! ■ H' i; V>w h;" l; < ' :■ ' ' ' ■ ■

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