Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „feit * W$lt" Nr. 49 Wenn eine Schätzung auf Grund persönlicher Auskünfte, die ich eingezogen habe, erlaubt ist, so dürften unter den Russen; in Krakau und Lemberg nur ein Viertel, in Wien dagegen drei Viertel Juden sein. Das würde eine Zahl von zirka 110 russischen Juden an österreichischen Universitäten ergeben. Insgesamt würde die Zahl der jüdischen Studierenden aus Russland demnach in Deutschland 655 „ Oesterreich HO / „ der Schweiz 850—1270 „ Frankreich 280— 370 Summa 1895—2405 betragen. Da nach den über die russischen Universitäten vorhandenen Daten in Russland im Jahre 1899 1757 jüdische Studierende vorhanden waren, so ergibt sich, dass die Mehrzahl der russischen Juden bisher darauf angewiesen war, sich ihre akademische Bildung aus dem Auslande zu holen. Ks ist zu bemerken, dass die vorgehenden Ziffern sich nur auf Universitäten beziehen und hinter der Gesamtzahl der Juden, welche des Studiums halber aus Russland nach den westlichen Ländern gehen, zurückbleiben, da eine grosse Zahl nicht die Universitäten, sondern die technischen Hochschulen, Handelshochschulen, Polytechniken etc. besucht. Für diese Institute sind aber irgend welche verlässlichen statistischen Angaben nicht zu beschaffen. f ribfiD*. (Für diese Rubrik Ist die Redaktion nicht verantwortlich.) An die jüdische Bevölkerung Wiens! Dienstag den 12. Dezember d. J., 8 Uhr abends, findet im Ronachersaale, L, Seilerstätte, eitle VOLKS VERSAMML UNG statt. Tagesordnung: „Die nationale Autonomie und die Juden in Oesterreich". Referent JDr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher). Jüdische Mitbürger! Durch die bevorstehende Wahlreform ist die Frage der nationalen Autonomie aktuell geworden! Erscheint zahlreich! Die Einberufer: Lucian Brunner. Richard Rappaport. Dr. Benno Straucher, Reichsratsabgeordneter und Landesausschuss Dr. Richard Wagner. Dr. Franz Ernst Weis), Hof- und Gerichtsadvokat. * A * Sonntag den 10. d. M., 107 Uhr vormittags findet im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstrasse, eine grosse Agitationsversammlung statt, bei der die Herren Schriftsteller Felix Saiten und Dr, Emil Margulies sprechen werden. Innerösterrreichisches Distriktskomitee. * * * Die Nationalfondskommissicn ersucht die Besteller von Sammelbüchsen um Geduld auf einige Tage, da in kürzester Zeit 800 Büchsen zur Versendung kommen. * * * Jüdische Toynbeehalle, Die feierliche Eröffnung findet Samstag den 16. ds. im Lokale XX.. Othmarg. 46 statt. * * Appell an die jüdische OeifentJichkeit! Die letzten Jahre haben einen grossen Aufschwung in der Kenntnis des jüdischen Volkstums hervorgerufen. Ueberall regen sich eifrige Hände, um alles, was das Leben des jüdischen Volkes anbelangt, zu studieren, zu sammeln und zu veröffentlichen. Das so lange verschmähte und verspottete jüdische Volksleben beginnt wieder einmal die Aufmerksamkeit sämtlicher wahrhaft für die Zukunft ihrer Nation besorgten und ihr Volk liebenden Juden auf sich ziehen. Man beginnt wieder die Schönheiten, die wahrhaft entzückende Naivität und' Heiterkeit herauszufühlen, die in den jüdischen Sagen und Volksliedern liegen. Doch hat sich bisher kaum eine Hand gerührt, um die zerstreuten Volksschätze zu sammeln und zu veröffentlichen. Noch unerschöpft liegen die Quellen des jüdischen Volkslebens Um diesem beschämenden Mangel abzuhelfen, hat der gefertigte Verein beschlossen, eine grosse Sammlung sämtlicher jüdischen Volkslieder zu veranstalten und in einem grossen Sammelwerke zu veröffentlichen. Wir wenden uns deshalb an die jüdische Oeffentlichkeit um Unterstützung dieses wahrhaft nationalen Zweckes. An jeden, der irgend ein jüdisches Volkslied kennt, ergeht die dringende Bitte, uns dasselbe im Urtext und womöglich mit deiü dazugehörigen Noten einzusenden. Die Namen der Einsender werden bei jedem Lied ausgewiesen werden. Auch durch eine materielle Unterstützung könnte dieses Werk besonders gefördert werden. Wir hoffen, dass wir uns nicht vergebens an die jüdische Oeffentlichkeit gewendet haben und dass jeder Jude es als seine Pflicht betrachten wird, dieses zu unterstützen. Einsendungen sind zu richten an die Adresse: „Akademischer Verein. ..Jüdische Kultur" in Wien, VIII., Langegasse 14/32". Für d. A. des akademischen Vereines , Jüdische Kultur*4: Jezechiel Hell m a n u M.Stadl c r dz. Schriftführer. dz. Obmann. * * Wien. Sonntag den 25. November erschien eine Deputation des Verbandes der israelitischen Religionslehr-er an den österreichischen. Mittelschulen, bestehend aus dem Obmann Herrn Rabbiner Dr. D .Feuchtwang, den Professoren Dr. Ad. Weiss und Dr. H. Pollak, bei dem neuen Leiter des Ministeriums für Kultus und Unterricht Herrn Baron von Bienerth, um denselben im Namen des Verbandes zu begrüssen und ihn um die Förderung der Interessen des Religionsunterrichtes und der Rcligionslehrer zu bitten, zu welchem Behüte eine Abschrift der Petition überreicht wurde, welche schon vor Monaten dem früheren Minister für Kultus und Unterricht Ritter von Harte! übergeben worden war. Der Obmann richtete an Sc. Fxzelleiiz eine Ansprache, worauf dieser in sehr freundlichen Worten erwiderte und versprach, den Inhalt der Petition genau zu prüfen und den vorgebrachten Bitten und Wünschen nach Tunlichkeit zu entsprechen. Hierauf begab sich die Deputation zu dem neu ernannten Präsidenten des k. k. n.-ö. Landesschulratcs Herrn E. von Marenzeller. um bei demselben in gleichem Sinne vorzusprechen. Der Herr Präsident empfing die Deputation in der freundlichsten Weise, richtete eine Reihe von Fragen an die erschienenen Herren, Hess sich über manche Verhältnisse des Religionsunterrichtes genau Bericht erstatten und versprach, in seinem Wirkungskreise die angestrebten Ziele und Zwecke gerne zu fördern. Montag den 27. November begab sich wieder eine Deputation, bestehend aus dem Obmannstellvertreter Prof. Dr. Ad. Weiss und dem Schrittführer Prof. Dr. H. Pollak zu dem gewesenen Unterrichtsminister R. v. Härtel, um demselben anlässlich seines Scheidens aus dem Amte den vollsten Dank des Verbandes zu überbringen und ihm einen heiteren Lebensabend zu wünschen, wobei Prof. Dr. \Ve;ss herzliche Worte sprach. Fxz. v. Härtel erwiderte, dass ihn diese Kundgebimg sehr freue, sprach sich bei diesem Anlasse über das Wirken der isr. Relieionslehrer in höchst anerkennenden Worten pus und bat seine!'' Dank und Gruss den anderen Herren zu übermitteln. w # * An die Redaktion der „Welt", Wien. Hochgeehrter Herr Redakteur! Die schrecklichen Nachrichten aus Russland haben auch uns, meiner Frau und mir, die Frage nahegelegt, wie man gegen derartige Schandtaten am eindrucksvollsten protestieren könne. Was bis jetzt in dieser Hinsicht in Versammlungen etc. geschehen ist, scheint uns, so lobenswert es an sich auch sein mag, seinem Zwecke doch wenig zu entsprechen, weil jede Aktion vereinzelt bleibt und zu wenig in die Oeffentlichkeit dringt. Nun ist es doch in unserem Volk alter Brauch, beim Heimgang eines Bruders den Trauermonat, die Schek;schim, zu beobachten. Sollten wir nicht das gleiche auch für unsere gefallenen russischen Brüder tun? Wir, meine Frau und ich, machen daher in aller Form den Vorschlag, dass jeder Jude, gleichgültig, ob Zionist oder