Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 49 „bi* * W*lt Seite 9 Strebens. Der sozialdemokratischen Partei kann in Galizien eine starke nationale Gruppe unter den Juden nicht in den Parteikram passen. Da sind ihre Interessen mit denen der Schlachta identisch. Daszynskis „packender* Appell an das Parlament man möge das Volk nicht wieder eine Beute der Schlachta werden lassen, soll also für die galizischen Juden nicht gelten? Sie sollen aufgeteilt werden unter den Parteien und Nationen des Landes? So leicht wird's diesmal den sieggewohnten Herrschaften nicht gehen. Die Zahl jener Juden, die sich als politische Beute der Schlachzizen- oder Sozialistenführer wohl fühlen, soll wenigstens nach Möglichkeit dezimiert werden, wenn es sich nach den jahrzehntelangen politischen und nationalen Verirrungen nicht ganz yermeiden lässt. Aber die Zeit der Hausjuden ist vorüber. Russische Studierende an westeuropäischen Universitäten. (Aus „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden".) Zu den Forderungen der russischen Juden, deren Erfüllung sie von der jetzigen Umwälzung erwarten, gehört mit in erster Linie die Aufhebung der Bestimmungen, welche die Zulassung der Juden zu den russischen Universitäten auf einen geringen Prozentsatz aller Studierenden beschränken. Diese Bestimmungen, die seit dem Jahre 1886 bestehen, hatten zur Folge, dass eine grosse Zahl von Juden soweit sie die erhöhten Kosten des Studiums an einer nichtrussischen Universität erschwingen konnten, sich auf ausländische Universitäten begaben, und zwar fast ausschliesslich auf die Universitäten des Deutschen Reiches, Oesterreichs, der Schweiz und Frankreichs. Die Zahl der an dem Universitäten genannter vier Länder studierenden russischen Juden lässt sich mit völliger Genauigkeit nicht angeben, teils weil viele von ihnen, insbesondere Frauen, nur als Hospitanten (Gasthörer) zum Universitätsbesuche zugelassen werden und dann in der Universitätsstatistik nicht erscheinen, teils weil vielfach die Heimat und Konfession der ausländischen Studierenden nicht angegeben ist. Immerhin soll im folgenden wenigstens der Versuch gemacht werden, das gesamte in bezug auf diese Frage vorhandene Material zusammenzustellen. Die genaueste Statistik liefert Preusscn. Auf den preussischen Universitäten waren im Sommerhalbjahre 1902 270 und im Winterhalbjahre 1902/03 332 reichsausländische Studierende vorhanden, die jüdischer Konfession und im europäischen Russland geboren worden waren. Neben den 332 jüdischen im europäischen Russland geborenen Studierenden gab es im W.-H. 1902/03 noch 148 christliche Studierende, die aus dem europäischen Russland stammten, die Juden machten demnach 69,2% aller aus Russland stammenden reichsausländischen*) Studierenden aus. Da die Gesamtzahl der an preussischen Universitäten studierenden reichsausländischen Juden im Winterhalbjahre 1902/03 495 betrug, ergibt sich ein prozentualer Anteil der russischen Juden von 67,0%. Neben ihnen sind in erheblicher Zahl nur noch österreichisch-ungarische Juden vorhanden, deren Zahl 105 betrug, alle übrigen Länder sind nur mti 58 Juden vertreten. Von den 332 in Russland geborenen reichsausländischen Juden studierten 14 in der juristischen Fakultät 183 „ „ medizin. „ 135 ,, „ philosoph. *) Amm. Daneben gab es noch 12 Juden, die zwar in Russland geboren, aber deutscher Staatsangehörigkeit waren, also entweder in Russland von deutschen Eltern geboren oder später in Deutschland naturalisiert sein müssen. Für die übrigen deutschen Universitäten sind ähnlich genaue Ziffern nicht zu beschaffen.**) Mari kann jedoch annehmen, dass die ausserpreussischen Universitäten unter den gesamten Studierenden denselben Prozentsatz russischer Juden haben wie die preussischen Universitäten/4**) Da die Oesamtzahl der Studierenden im Winterhalbjahre 1902/03 für Preussen 18 207, für Deutschland 35 857 betrug, so würde hiernach die Zahl der in Deutschland studierenden russischen Juden auf 655 zu berechnen sein. , In der Universitätsstatistik der Schweiz ist nur die Oesamtzahl der ausländischen immatrikulierten Studierenden ohne genauere Angabe ihrer Staatsangehörigkeit verzeichnet. Es gab im Sommersemester 1903 unter 4786 immatrikulierten Studierenden 2539 53,1% Ausländer. Von den (in obigen Zahlen einbegriffeneil) 1336 immatrikulierten weiblichen Studierenden waren nicht weniger als 1024 90,4% Ausländerinnen. Der Fakultät nach entfielen von den ausländischen (männlichen und weiblichen) Studierenden auf Protestant. Theologie 43 kathol. Theologie 137 Jurisprudenz 344 (darunter 16 weibl.) Medizin 971 (darunter 762 weibl.) Philosophie 1044 (darunter 246 weibl.) Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dass unter den ausländischen (männlichen und weiblichen) Studierenden ein Drittel bis die Hälfte russische Juden sind, was eine Zahl von 850 bis 1270 russischer Juden an schweizerischen Universitäten ergeben würde. In Frankreich waren auf den Universitäten am 15. Jänner 1903 557 Studierende aus Russland vorhanden, die Konfession derselben ist nicht angegeben. Von ihnen studierten Protest. Theologie 1 Jurisprudenz 32 Medizin 169 Pharmazie 4 Philosophie und Literatur 351 Angaben darüber, an welchen einzelnen Universitäten die Russen studierten, fehlen. Nur für die gesamten an französischen Universitäten: studierenden 2045 Ausländer (1537 Männer und 508 Frauen) findet sich die Mitteilung, dass davon die Mehrzahl nämlich 905 Männer und 336 Frauen, In Paris studieren. Die in Paris studierenden 336 ausländischen Frauen machen damit 54,8% der gesamten in Paris studierenden 612 Frauen aus, während unter den an allen französischen Universitäten studierenden 1933 Frauen der Prozentsatz der Ausländerinnen 37,9% beträgt. Insgesamt sind unter den 31 277 an französischen Universitäten studierenden Männern und Frauen 6,55% Nichtfranzosen. Der Anteil der Juden unter den russischen Studierenden dürfte auf die Hälfte bis zwei Drittel und die Zahl der russischen Juden au französischen Universitäten demnach auf 280 bis 370 zu schätzen sein. In Oesterreich waren im Durchschnitt des Winterhalbjahres 1901/02 und des Sommerhalbjahres 1902 276 Studierende aus Russland vorhanden und zwar 85 in Wien, 148 in Krakau und 30 in Lemberg, 13 an den anderen Universitäten. In Krakau und Lemberg studieren zahlreiche Christen aus Russisch-Polen und machen unter den Russen sicherlich die Majorität aus. **) Wir kennen meist nur die Gesamtzahl der reichsausländischen Studierenden, die im Durchschnitte des Winterhalbjahres 1902/03 und des Sommerhalbjahres 1903, z. B. an den bayrischen Universitäten München, Würzburg und Erlangen 340 (davon 258 in München), an den badischen Universitäten Freibur^ und Heidelberg unter Berücksichtigung nur der aus europäischen Staaten stammenden Reichsatisländer 237 betrug. ***) Anrn. Der Universität Berlin, welche sehr viele jüdische Studierende aus Russland anzieht, stehen im nichtpreussischen Deutschland die Universitäten München, Heidelberg, Freiburg mit relativ starkem Prozentsatz von russischjüdischen Studierenden gegenüber.