Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 „bis weit" Seite 7 T o 1 e r i e r u n g einer organisierten, noch so lloyalen Opposition. Der Verzicht darauf schien un s d a s kleinere U e b e1 fegenübe r de r s c h w eren F r s c h ii 11 e r u n g der Organisation zusein. Uni so mehr Gewicht mussten wir nun darauf legen, dass uns fernerhin von offizieller Seite keine Hindernisse bei der Betätigung territorialer Bestrebungen ausserhalb der Organisation bereitet würden. Das haben wir denn auch erreicht. Das Zentralkomitee findet gegen den Anschluss von Finzelzionisten — auch offiziellen Funktionären des Zionismus — an die Ito nichts einzuwenden und empfahl seinerseits dem A.-C. eine gleiche Haltung als w e s e n 11 i c h s t e V o r b e d i n g u n g f ü r den Eric d c n. Nach Erlangung -dieses prinzipiellen Zugeständnisses tritt an uns die Frage heran, wei wir uns nun p r a k t i s c h zur Ito stellen wollen. Da deren Tendenz und speziell ihr Verhältnis zum Zionismus zur Zeit noch nicht völlig geklärt erscheint, gedenkt die Mehrzahl der Unterzeichneten vorläufig noch nicht beizutreten. Wir wollten jedoch Jedem einzelnen d i e Möglichkeit schaffen, sich der Tto anzuschliessen, ohne deshalb des Verrates am Zionismus geziehen zu werden. Hoffentlich findet sich in naher Zeit schon die Möglichkeit, die Stellungnahme der politischen Zionisten zur Ito geueraliter zu fixieren. Der zweite Hauptpunkt der Verständigungsaktion war die P a 1 ä s t i n a f r a g e. Zur Kompensation unserer schweren Opfer in der Territorialfrage haben wir nun in diesem unsere Organisation noch näher berührenden Punkte Zugeständnisse von der anderen Seite erhalten. Der Ausschluss jeder Tätigkeit in Palästina seitens des Zionismus, soweit sie den Landesgesetzen oder den gegenwärtigen Intentionen der türkischen Behörden widerspricht, bedeutet tatsächlich das Zugeständnis der von uns geforderten „rechtlichen Garantien" in strengster Fassung des Begriffes. Wir hoffen, dass mit dieser einmütigen Stellungnahme des Zentralkomitees in der viel umstrittenen Frage der Gegenwartsarbeit einer alle Zweifel a u s s c h 1 i e s s e n d e n schärferen Fassung bezüglicher Kongressbeschlüsse bestens vorgearbeitet ist. Es war weiterhin wesentlich, Sicherheiten dafür zu schaffen, dass die Friedenspolitik des Zentralkomitees in Zukunft nicht durch die Art der Redigier ung des offiziellen Organs durchkreuzt werde. In dieser Beziehung haben wir keinen Zweifel gelassen, dass dabei die Personenfrage entscheidend ins Gewicht fällt. Vorläufig dürfte der P r c s saus s c h u s s in seiner neuen Zusammensetzung und mittels der Präventivzensur die Gewähr für die Abstellung der ärgsten. Missstäude bieten. Wir haben die bestimmte Hoffnung, dass die Hemmnisse, die der friedlichen Lösung an diesem Punkt entstehen könnten, unter allen Umständen sich werden beseitigen lassen. Nach alledem glauben wir, dass der «.Verband politischer Zionisten" zur Zeit seine Tätigkeit einstellen kann und schlagen dies deshalb unseren Freunden vor. Das heisst: d i e o r g a n is a t o r i s c h e und propagandistische Verbau d. s a r b e i t soll nun aufhören. Was der Verband aber in der kurzen Zeit seines Bestehens materiell zur Klärung der Situation in Wort und Schrift geleistet hat, wird nicht mehr verloren gehen. Die Grundsätze, die uns bei und seit unserem Baseler Aufruf geeinigt haben, werden der Tätigkeit ] e des einzelnen von uns nach w i e vor Richtung und Zieli geben. Und wo es sich um die Betätigung dieser Grundsätze für die Oesamtorganisation handelt, bleibt es n i c h t n u r e i n gutes Recht, sondern heilige P f 1 i c Ii t jedes politischen Z i o n i s t e n, s e i n e i n d i v i - Quelle Stellung n a h m e z u h e t o n e n u n d zur Geltung z u b ring e n. In diesem Sinne bitten wir alle politischen Zionisten, von vorstehenden Ausführungen Kentnis zu nehmen und uns huldigst ihre Zustimmung zu erklären. Falls wir binnen acht Tagen keinen besonderen Bescheid erhalten, werden wir annehmen, dass unsere Fntsohliessungen allseitige Billigung gefunden haben. Mit Zionsgruss ergebenst Dr. Adler. Gronemann. Dr. Jeremias. Dr. Kalmus. Dr. Kjec, Zum jüdisch-rumänischen Gemeindekongress in Fokschani. Endlich haben auch die rumänischen Juden das Hülels.che Wort beherzigt: „Wenn ich nicht selbst für "mich bin, wer ist dann für mich?" Wohl war es schon rechte Zeit, denn die Wogen der Anarchie in den jüdischen Gemeinden schlugen zu hoch auf und so waren Lehrer und Rabbiner, Schule und Synagoge der Willkür der kleinsten Beamten ausgeliefert. Die wiederholten Angriffe der rumänischen liberalen oder konservativen Regierung gegen alle jüdischen Institutionen waren nur durch die Furcht augeregt, dass ihr die .luden nicht über den Kopf wachsen mögen. fs ist sehr seltsam bei unseren! Volke, dass uns unsere Feinde so stark überschätzen, als wir selber unsere Kraft unterschätzen. Wenn die rumänisch-jüdischen Lehr- und Wohlfahrtsanstalteu bisnun so vogelfrei gewesen und die Juden Rumäniens jedes Bürgerrechtes bar sind, so lag es nur an dem Mangel einer strammen Organisation. fne solche zu schaffen wurde oft versucht, doch bisnun noch niemals erzielt. Die Uneinigkeit und Disziplinlosigkeit verursachten, dass auch demjenigen ein solcher Versuch missglüekte, der auf eigene Faust andas .Werk der Selbsthilfe ging und sich mit der Regierung in Unterhandlungen eiuliess. Mancher, der vergebens nach Mitarbeitern spähte und allein es wagte, an die Regierung Forderungen zu stellen zur Verbesserung der Lage der Juden in Rumänien, ist von seinen eigenen Brüdern als Verräter ihrer guten Sache verschrien, worden. Nun scheint es besser werden zu wollen. Der letzte Oemeindekongrcss. der vorigen Donnerstag in Fokschani seine Arbeit beschlossen hat, hat das besondere Verdienst, eine rechtliche Vcrtreterscliaft der rumänischen Juden geschaffen zu haben. Wenn ihm sonst nichts geglückt wfre als dies allein, so haben die nO Vertreter niler grösseren Oemcind.cn Rumäniens in. der allzu knapp bemessenem Zeit, die sie in fokschani friedlich beisammen sasseu, ein schönes Stück Arbeit verrichtet. Wir wollen diesmal nicht pessimistisch sein, wiewohl uns die langjährige böse Erfahrung die vollste Berechtigung dazu gäbe, und zuversichtlich hoffen, dass alle Bestimmungen, die die auf diesem Kongresse gewählte Vcrtreterscliaft zu treffen für richtig finden wird, von allen Juden Rumäniens anerkannt und befolgt werden. Die zionistische Schule, durch welche die meisten rumänischen Juden gegangen sind, wird sie gründlich gelehrt haben, was eine zentralisierte Organisation zu schaffen imstande ist und was für Uebel die Zersplitterung der Kräfte heraufbeschwören kann. ..Frobert die Oeineindcstubcn!" hat uns unser Herzl in Oesterreich zugerufen. Baut sie aus. stellet sie fest auf, würde er den rumänischen Juden zurufen, weilte er noch in unserer Mitte. Auch dem strengsten Zionisten ist es nicht gestattet, sieh von dieser Arbeit auszuschliessen, denn sie bildet einen der wichtigsten Punkte der zionistischen Oegenwartsarbeit. Grosse Pflichten liegen der neugewähltcn Vertreterschaft oh. Als rechtliche Repräsentanz der 300 000 entrechteten Bürger wird sie sich nicht mehr begnügen fürfen, bloss für Schule und Gotteshaus zu sorgen, sondern! auch in mannhafter Weise vom Parlament und König die Menschenrechte zu fordern. Sie muss sich die Worte Nordaus zum Bewusstsein führen: „Fs