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Die Welt · 1905-11-24 · 47 (24.11.1905) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 47 „Me <t weit" Seite 5 Ferner waren Zustimanungsischreiben eingelaufen von Lord Rothschild, Lord Hereford, von' den Erzbischöfen von Ganter- •hury und Westninster, den Bischöfenvon London und Regon, dem Oberrabbiner, dem» bekannten FriedensvorkäTnpfer W. T. Stead, verschiedenen Parlamentsmitgliedemi und vielen anderen hervorragenden Männern der englischen Oeffentlichkeit. Präsident Wolffsohn hatte .das bekannte Tele-gramm gesandt, von Max Nordau kam folgender Brief zur Verlesung: „In England, in Deutschland,;in Frankreich haben die Führer der Gemeinden, unsere tiefen Diplomaten das Orakel verkündet, das Problem der russischen Juden rouss in Russland gelöst werden. Diel russische Regierung, Arrneti und Polizei sind offenbar derselben Meinung undi haben sich daran gemacht, die jüdische Frage in Russland -in ihrer Weise zu lösen, allerdings sehr radikal; durch vollständige' Vertilgung aller Juden, derer sie halhafi werden binnen, mit Aufwendung von höllischen; Martern vor der Ermordung. Was werden unsere Weisen nun sagen? Natürlich, sie werden reichlich Geld hergeben für die Verstümmelten, die Witwern, die Waisen, die Ruinierten, denn sie haben ein gutes Herz und eine offene Hand, wenn sie auch blinde Augen besitzen. Aber werden sie etwas tun, um solche Greueltaten, wenn s>ie in ganz Russ'lamd begangen wurden, unmöglich zu machen? Sie haben nach Kischenew Geld gespendet, aber dies hat Odessa, Kiew, Ekaterinoslaw nicht aufgehalten. Und sie werden nach Odessa) Kiew und so weiter Geld beigeben, ohne das periodische Auftreten! solcher herzzerreissender Ereignisse verhindern zu können. Ich muss mich entschuldigen, wenn ich meine eigenen Worte zitiere. Vor mehr als zwei Jahren, am 24., August 1903, sagte ich in einer Rede am sechsten Zionistenkong'resse zu Basel: „Bis jetzt war keine Spur eines strategischen Gedankens oder eines allgemeinen Planes in unserer Abwehr. Diese bestand: seit jeher nur ini vereinzelten Geplänkeln der Reiterei des St. Georg, Pfunde, Schildings, Pennys zur Front. Das ist die jüdischnationale Politik. Als jüngst das Judentum auf die blutigen Angriffe von Kischenew zu antworten hatte, wurden innerhalb weniger Wocheru 80 000 Pfund Sterling gesammelt, unsere Reichen griffen tief in die Tasche. Das Geld wurde den Leidenden übersendet, denen man sagte: „Da ist Geld! Und nun bleibet wo ihr seid und verhaltet euch ruhig.'1 Und unsere Reichen wendeten sich an unsene bewaffneten, teuflischen Freunde und sprachen zu ihnen: „So, ihr mordet, ihr zerstört Sehr gut Hier ist Geld, für die WÜtwen und Waisen zu sorgen* die Verwundeten und Kranken zu heilen und für die zerstörten Einrichtungen und geraubten Güter zu entschädigen. Nach einer kurzen Pause werdet ihr die erneuerte Einrichtung wieder zerstören, die frischen Güter wieder wegschleppen, wiederum morden, andere zu Krüppeln machen, andere Familien ihrer Ernährer berauben. Wir werden frisches Geld senden. Wir wollen sehen, wer eher ermüden wird, ihr zu morden oder wir Geld zu geben." Diese Worte sagte ich vor zwei Jahren und! 'kann sie heute nur wiederholen». Wir verdienen, die ärgsten Misshandlungen, mit denen Antisemiten Jemals uns überschütteten, wenn wir uns nach einer Greueltat, die in der modernem. Geschichte beispiellosi dasteht, auf ein Almosen! beschränken. Wahrlich, wir müssen unsere Toten beerdigen, unsere Verstüm>me!l:ten heilen, unsere Obdachlosen beherbergen, unsere Hungernden nähren, unsere Nackten kleiden. Dies ist die erste und dringendste Notwendigkeit, und fürwahr, es wird uns beinahe übermenschliche Anstrengung ein kosten, die dringendsten Bedürfnisse zu decken. Aber wenn dies geschehen ist, dürfen wir nicht innehalten, Die Würde unserer Rasse, unserer Ehre als Volk und als Männer verlangt von uns unerbittlich, dass wir die russischen Juden in eine solches PositioTi 'bringen, dass sie nicht länger dem Ruin, der Schande und einem schimpflichen Tode preisgegeben sind. Heraus mit ihnen aus der russischen Hölle! Geben wir ihnen ein neues Heim mit Sicherheit des Lebens und der Ehre in Palästina und den Nachbarländern. Sie benötigen es, sie rufen darum zum Himmel, und es ist sicher möglich, wenn es auch sehr schwer ist. Wenn die Juden der freien Länder diesem gerechten Zwecke nur die Hälfte des Geldes, welches sie ausgeben, indem sie das, was nicht zu verbessern ist, vergebens zu bessern trachten, widmen würden, wäre jeder Jude, dessen blutiger Körper nun in den Strassen Odessas liegt, im Besitze seines eigenen Weinberges, gewesen, unter seinem eigenen Feigenbäume zum Segen für sich selbst, seine Familie und sein altes, neues Land und zum Stolze jener Juden in den anderen Ländern, die es ihm ermöglicht hatten, ein freier und glücklicher Landmann zu sein, Juden der alten und neuen Welt! Lasst die entsetzliche Lehre der letzten Tage nicht wiederum für euch verloren gehen." Israel Z a n g w i 11 schrieb: „Nichts würde mich von Ihrer Versammlung abhalten als die strenge Vorschrift meines Arztes, dass wenn ich zu Ihrer Versammlung gehe, ich meiner eigenen nicht werde beiwohnen können. Gleich gebunden, wie ich mich fühlte, sowohl für den Zionismus als auch für den Territorialis-mus und tatsächlich ist für mich der Zionismus nur eine Form' des Territorialismus — so sehe ich mich doch gezwungen, meine Kräfte für die Versammlung zu sparen, für die ich morgen abends als Redner angekündigt bin. Meine zionistischen Freunde werden mit Freuden hören, dass bei unserem Meeting in der! Great Assernbly Hall ein langer und wichtiger Brief von Joseph Charnberlain an Max Langermaiiu zur Verlesung gebracht werden' wird, .in welchen! er wiederum unserem verstorbenen Führer Dr. He-rzi Worte der höchsten Wertschätzung widmet." Claude G„ Montefiore bedauert, am persönlichen Erscheinen verhindert zu sein und beklagt mit dem Juden jeder religiösen oder politischen Schattierung die grausamen Vorfalle in Russland. Oswald J., Simon schreibt, er bleibe der heutigen Versammlung nicht vielleicht deshalb fem, weil er nicht Zionist sei, denn -in dem gegenwärtigen Momente müssen alle Differenzen schwinden und! Zionisten und Nichtzionisten gemeinsam für die armen, verfolgten Brüder in Russland eintreten. Aehnliche Briefe und Telegramme waren ausserdem von Prof. IsraelGollancz, Miss, Carmel Goldsmid, der Tochter des verstorbenen Obersten Goldsmid, und vielen anderen eingelaufen und wurden bei der Verlesung mit lebhaften Beifallskundgebungen begrüsst. Besonders der Brief Nordaus und das Telegramm Wolffsohns wurden mit Begeisterung aufgenommen. Der Vorsitzende begrüsste sodann die Versammlung, indem er auf die traurige Veranlassung zu derselben hinwies. Der erste Impuls sei natürlich, mit Geldmitteln das unsägliche Elend zu lindern zu versuchen. Aber trotzdem die Spenden reichlich einlaufen, werde es allgemein immer mehr klar, dass das Spenden von Geld nicht genüge. Man müsse als gute Juden und logisch denkende Männer etwas zu tun trachten, um eine Wiederholung solcher schrecklicher Ereignisse zu verhüten. Die Ueberzeugung, dass im Zionismus allein die Lösung dieses Problems gefunden werden könne, greife immer mehr und mehr um sich. Mit einer Aufforderung zur Einigkeit in der jetzigen schweren Zeit schloss der Vorsitzende seine Begrüssungsredei und erhielt Dr. Gaster das Wort, der mit lautem Beifall begrüsst wurde. Dr. G a s t e r beantragte folgende R e s o 1 u t i o n: „Diese Versammlung bringt ihr tiefstes Entsetzen und ihre Entrüstung anlässlich der Metzeleien und Schandtaten, die unsere Brüder in Russland zu erdulden hatten, zum Ausdruck. Sie verpflichtet alle, praktisch ihre Sympathie mit den Opfern brutaler Leidenschaften zu zeigen und hat das feste Vertrauen, dass die Zivilisation dieses letzte Unglück, das das Judentum beiallen hat, allgemein verurteilen wird. Die Versammlung ist der festen Ueberzeugung,, dass unser Volk nicht eher vor der Wiederholung solcher Katastrophen gesichert ist, bis nicht für das jüdische Volk eine rechtlich gesicherte und öffentlich anerkannte Heimstätte in Palästina erlangt ist."

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