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Die Welt · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 46 „Ol* # W*lt'f Seite 15 Oesterre'icbisch-Uiiga'rischen Union statt. Es wurde einstimmig beschlossen, die vom der Allianz •eingeleitete Hilfsaktion in allen Kreisen der Bevölkerung wirksam zu fördern, damit den nach vielen Tausenden zählenden 'Unglücklichen Familien der Ermordeten und wirtschaftlich Ruinierten in ausgiebigster Weise Hilfe gebracht werden könne. Berlin, 13. Ncvember. Für die tu tleidenden russischen Juden hat die A 11 i a n c e I s r a e 1 i t e Universelle am 7 d. M. 100 000 Frcs. au das Komitee ni Petersburg, am 8. d. M. 60 000 Frcs. am das Komitee in Odessa teliegraphisch überwiesen. Ihre Sammlung für die Opfer der schmählichen Verfolgungen erbrachte in Paris allein 500 000 Frcs. Das Bankhaus Meyer Cohn, Berlin W., nimmt Beiträge für die Sammlung der Alliance entgegen. — Am 8. d. M. fand eine ausserordentliche Sitzung des Zentralkonititees der Alliance .statt, in welcher der Qeheime Kommerziell rat Ludwig Max G o 1 d b e r g e r in Berlin zum Mitgliede des Zentralkomitees kooptiert wurde. * * * Verehrliche Redaktion der „Welt" Wien. Ich bin nicht schriftstellerisch veranlagt und habe mich bisher daran nicht versucht. Wenn ich nun trotzdem aus meiner Reserve heraustrete und diese Zeilen an die Oeffentlichkeit richte, so ist das empörte Gemüt die Ursache, die mich hierzu veranlasst. Die furchtbaren Greuel, welche an unseren Brüdern in dem barbarischen Russland verübt werden, müssen selbst dem Ruhigstem das Blut in Wallung bringen, und wahrlich, das 20. Jahrhundert kann stolz darauf sein, das finsterste Mittelalter weit üb er troffen zu haben. Das grosse Europa, welches angeblich so weit in der Kultur vorgeschritten ist, dieses grosse, gebildete Europa sieht diesem Treiben mit verschränkten Armen zu, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken, geschweige energische Schritte zur Unterdiriickunfg derselben zu unternehmen. Allerdings, es handelt sich ja bloss um Juden, die wohl Menschenrechte für sich nicht in Anspruch nehmen dürfen. Wenn es sich um Nichtjuden handeln würde, dann würde man schon im Namen der Zivilisation Schritte unternommen haben. Angesichts dieser traurigen Tatsache tritt au uns Juden weit mehr als früher die Pflicht heran, uns zu organisieren, um endlich einen Flecken Erde für uns zu gewinnen, den wir;ils unsere Heimat betrachten können. Es kann und darf keinen Juden geben, der diese Organisation 'nicht fördert und nicht unterstützt, sonst wird er zum Verbrecher an seinem Volk und an seinem Stamm und trägt die Verantwortung mit bei Wiederholung solcher Ereignisse. Unter solchen Verhältnissen Assimilant zu sein ist wahrhaftig kein Ehrentitel. Da bin ich viel stolzer darauf, Jude zu sein, als mich Völkern anzubiedern), die mächtig genug wären, solche Erscheinungen zu verhüten, und es nicht tun. Ich lese soeben,, dass Lord Rothschild die reichen Juden bei sich empfing, um Massnahmen zur Linderung der Not zu treffen. Eine .sehr anerkennenswerte Tat, aber wäre nicht viel Unglück verhütet worden, wenn diese Mächtigen ihre Mittel zur Organisation der Judenheit im Sinne Dr. Herzls verwendet hätten? Dieses furchtbare Unglück kann mit Geld nicht gutgemacht werden» Aber vielleicht werden dieselben jetzt einsehen, dass es nur einen Weg gibt, und dieser ist der Zionismus, d. h. eine öffeiitLichrech11 ich gesicherte Heimstättte i\\r die Juden zu schaffen. Ich appelliere auch an die gesamte jüdische Presse, in diesem Sinne zu wirken und nicht ihren Stolz und Befriedigung darin zu finden, wenn philanthropische Taten zu verzeichnen sind, oder wenn hie und da ein Jude zu Würde und Auszeichnung gelangt. Veröffentlichen Sie gefälligst diese Zeilen, falls Sie glauben, dass sie hierzu geeignet sind, und von Herzen wird es mich freuen, wenn dieselben einen bescheidenen Erfolg aufzuweisen haben werden. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung Heinrich B e u 11 e r. K o hin, 8. November 1905. Politische Rundschau. Der Wiener Universitätsrummel. der bedenkliche Dimensionen anzunehmen drohte, ist vorüber, die Universität wiederöffnet, der Friede zwischen dem argbedrängten Rektor und der racheschnaubenden alldeutschen Studentenschaft besiegelt, obwohl die Dinge auf des Messers Schneide standen und die Schliessung der Universität unvermeindlich schien. Ueber Nacht fömlich kam der Waffenstillstand zustande. Die Deutschnationalen, die an dem Rektor ihr Mütchen kühlen wollten und zu einer ernsten Kraftprobe sich rüsteten, hatten an ihren Abgeordneten wieder einmal starke Rückendeckung und erzwangen durch ihre Intervention und Drohung mit parlamentarischen Repressalien den maskierten Rückzug der akademischen Behörden. Es ist ein fauler Friede, den der Sukkurs der Berufspolitiker da zeitigte. Die deutschnationale Studentenschaft, der nach solchen, wenn auch zweifelhalfen Siegen immer der Kamm schwilt, hat nur für das Wintersemester Pardon gewährt, im Sommersemester kann die Hetze gegen fremdnationale Professoren und Studenten frischfröhlich beginnen. Die alldeutsche Jungmannschaft betrachtet die Aula als ihre politische Arena und Erziehungsstätte, wo sie sich national ausleben und politisch entfalten kann. Es bleibe dahingestellt, ob es im Interesse der Universität und ihrer Kulturideale gelegen ist, wenn der anmassenden Einmischung schüchtern entgegengetreten wird, wie es geschah. Die jüdischen Stunden entbehren so einflussreichen Schutzes, sie sind auf die Gerechtigkeit der Universitäbbehörden und aufsichselbst angewiesen. Selbstwehr ist ihr stä: ksler Schutz, Einigkeit und trotziger Mut ihre beste Waffe. Ein Gutes hat die Woche der Studentendemonstrationen gebracht : sie hat den Widerstand der Nichtdeutschnationalen geweckt und organisiert. Der demütigende Kotau vor deutschnationalen Trutzgesängen wird mit frech provozierender Selbstverständlichkeit nicht mehr verlangt und ohne schärfsten Widerstand nicht mehr geduldet werden. Damit ist's ein für allemal zu Ende. Zwei jüdische Studentengruppen sind ihrer alten Taktik und Denkart treu gebLieben: die sich deutschfreisinnig und sozialdemokratisch nennenden Assimilanten. Wie immer bei deutschnationalen Aktionen, waren die Deutschfreisinnigen ausgeschaltet. So war es bisher bei der Schillerfeier, beim Hochschultag, kurz überall, wo die „reindeutsctie" Studentenschaft „nationale" Arbeit leistet Man kann über die parasitäre Existenz dieses liberalen Häufleins zur Tagesordnung übergehen. Und es geschieht in allem und überall. Es sind Marodeure ohne Gefolgschaft und Bedeutung. Auf der Bildfläche erschien als freie Organisation wieder nach Jahren die jüdisch-sozialdemokratische Studentenschaft, fühl«.

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