Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 „bie * weit" Nr« 46 sich sehr erhaben über die Vorgänge in und vor der Universität Der Wahlrechtskampf über alles! In einer zu 90Prozent von Juden besuchten Versammlung, zu der es ohne die Aulakrawalle nie gekommen wäre, haben sich die Ueberreifen und Ueberklugen eine Resolution zusammengekleistert, in der sie die Chauvinisten aller Nationen verdonnern. Da sind sie, die anationaien Juden, in ihrem Elemente, wenn sie in den antinationalen Phrasen, jede nationale Emotion als Chauvinismus denunzierend, so recht nach Herzenslust herumplätschern können. Gönnen wir ihnen das Piäsirchen! Aus solchen in verbohrtem AntiChauvinismus machenden Resolutionen spricht deutlich die tödliche Verlegenheit der national geschlechts- und gesinnungslosen jüdischen Marxisten allen nationalen Fragen gegenüber, in denen das Hin- und Herpendeln zwischen nationalen Lagern schwer möglich ist. * * * Die Wahlmännerwahlen in Südmähren, die vor einigen Tagen für die Ersatzwahl eines Reichsratsabgeordneten der fünften Kurie stattfanden, habeninGöding und Nikolsburg Resultate gehabt, die den Verlust des deutschen Mandates zur Folge haben dürften. InGöding sind zahlreiche jüdische Wähler der Wahl ferngeblieben und haben so die Wahl sozialdemokratischer Wahlinänner ermöglicht. Die Tatsache ist gerade in Göding von nicht zu unterschätzender Bedeutung und lässt für die kommenden Reichsratswahlen die Schwenkung der mährischen Juden im Sinne strenger Neutralität erhoffen. Wie in vielen anderen Städten standen bisher die Juden in Göding unter der Fuchtel reicher jüdischer Grossindustrieller, die mit ihrem deutschnationalen Beamtenstabe den „deutschen* Charakter des gemischtsprachigen Ortes einfach erzwangen. Die wirtschaftliche Uebermacht gestattete ihnen den extremdeutschen Sport politischer Erpresser. Der jüdische Mittelstand musste parieren und trug die Konsequenzen. Es scheint, dass die Ereignisse nach dem Brünner Volkstage sehr vielen mährischen Juden die Köpfe zurechtgesetzt haben. Es ist gut so. Ihre Interessen kann es nicht berühren, ob aus dem Wahlkampfe der deutschnationale Bauer oder der tschechischnationale Advokat siegreich hervorgeht. Sie haben von beiden gleich wenig zu erwarten, gleich viel zu fürchten. Auch in Nikolsburg sind in der politischen Judengemeinde sozialdemokratische Wahlmänner gewählt worden. Dies ist nicht nur auf das Konto der politischen Einkehr der südmährischen Juden zu setzen, sondern auch der Zusammensetzung der Khillos zuzuschreiben. Besonders einige Judengemeinden bekommen immer mehr und mehr das Grpräge proletarischer Kolonien. Die reichen Juden verlassen das alte Ghettoviertel, Handel und Verkehr spielt sich in der Christengemeinde ab und meist proletarische Existenzen, jüdische und christliche, bleiben der spottbilligen Quartiere wegen zurück. Nichts kann den unaufhaltsamen Niedergang dieser politischen Judengemeinden schärfer kennzeichnen als das rapide Sinken des Wertes aller Baulichkeiten und von Grund und Boden, das eben aus dem geschäftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruche dieser Gemeinden resultiert. Nicht aller, aber der meisten. Auch politisch verlieren sie, wie diese Wahlmännerwahlen zeigen, ihre alte Bedeutung. Sie sind nicht mehr verlässliche Vorposten der deutschen Hegemonie im Lande und werden den deutschen Wahlmachern noch manchen Strich durch die politische Rechnung machen. Auch da zeigt sich, dass es in Mähren Abend werden will mit der deutschen Herrlichkeit. Der Verband deutscher Juden hat in der Vorwoche in Berlin seine erste Hauptversammlung abgehalten. Es ist bemerkenswert, dass über 300 Vertreter aus allen Teilen Deutschlands erschienen waren, die 163 Gemeinden vertraten. Die Ziffern kennzeichnen am besten die Notwendigkeit und Nützlichkeit der neuen Organisation. „Die Not der Zeit hat den Verband geschaffen,* so hat der erste offizielle Redner begonnen. Aber die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Gesamtorganisation hat erst die zionistische Agitation gebracht. Und so bedeutet dieser neue Verband einen starken moralischen Erfolg der deutschen Zionisten. Ein Redner anerkannte dies in vollem Umfange, als er sagte, dass die zionistische Bewegung die Judenheit wieder belebt, den Indifferentismus gebannt und den assimilatorischen Geist verdrängt hat Der grosse Fortschritt dem alten, Abwehrzwecken dienenden Zentralverein gegenüber beruht darin, dass der Verband die erste positiv jüdische Organisation ist, die eine auf autonon er Grundlage stehende Vertretung aller deutschen Juien bedeutet. Freilieh, der deutschnationale Gedankengang, der deutschen Assimilanten eigentümlich ist, kehrt in den Reden immer wieder, „Das Herz ist weit genug, gleichzeitig Jude und Deutscher zu sein* — ein Rabbiner leistet sich diesen Satz und schliesst seinen Vortrag über „Judentum im Lichte moderner Kritik* mit den Worten: „Drei Sterne sollen dem Verbände deutscher Juden voranleuchten: Treue zum Bekenntnis, Treue zum Vaterlande, Treue zur Menschheit!" Das ist der alte Singsang reichsdeutscher Protestrabbiner. Die Zionisten können sich mit der Tatsache der Verbandsgründung als unbestrittenem Teileffekt ihrer Prop »ganda begnügen. Die Not der Zeit, die den Verband gegründet, wird ihn auch national machen. Kommt Zeit, kommt Rat. Nss. Mitteilung des Aktions-Komitees. Die wegen der russischen Vorgänge verschobene Sitzung des A -C. und des Board beginnt Sonntag den 19ds. in Köln. (Für diese Rubrik Ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Briefmarken für den Nationalfonds. Folgende liesinnungsgeno ssen haben für d s n Nationalfonds Briefmarken gespendet: Wien : R. M., W. Deutsch, Wasziczek, M. Ehrlich. Rustschuk: J. S*mo. Anvers: Dr. L Herz. Drohoby cz : M. Horowitz. PumKura: T. Ivorzuiul. Mä.h r.- Weisskirchen: St. E. Gross. Delatyn: ß. Bloch. Neustwttin: Frl. R Freundlich. Stanislau: M. Tannenbaum, „Akiba", J. M<*ncz*l. Czernowitz: D. V. P i s e k : G. Weiner. O s i j e k : M. Abrahamsohn. Krak au: Distriktsbu eau. J a w o r z n o : Ohne Namen. Radautz: E. Kornblüh. Rzeszow: M. Buchbinder, Personale der Firma S. Jeczower. Olmütz: Gebrüder Spitzer. New York: Frl. F. Sterling. Allen Spendern besten Dank und Zionsg r u s s! D i e Phil a t eli e - A b t e i 1 u n g der Nationalfondskommission. Brierkasten der Philatelie-Abteilung : Itzkany, J, Brings. In der Nummer vom 30. September ausgewiesen. Küssow, S. A. Häusler. Die Marken werden sortiert und an Händler oder Sammler verkauft. W. Deutsch, Wien. Für Ihre schöne Sammlung besten Dank. J. L. Rustschuk. Sendung verspätet eingelangt. Herzlichsten Dank.