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Die Welt · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bie * w^it" Nr. 45 der Versammlung auszuschliessen und trotzdem diese durch gehässige Bemerkungen provoziert und die Parole „Haut die Zionisten" ausgegeben worden war, wurde das Referat ruhüg angehört. Als aber Gg. Hartmann das Wort ergriff, um gegen die Beschuldigungen, die der Aufruf des Proponentenkomitees enthielt, zu protestieren, änderte sich die Sachlage mit einem Schlage. Die Pro-ponenten Herren Hofbauer vom Vorstandstisch und Pappenheim von der Misrachwand machten den ruhigen Verlauf der Versammlung durch ihr Lärmen geradezu unmöglich. Der letztere attackierte den Redner unausgesetzt mit Beschimpfungen nach christlichsiozialer Art, während ersterer, der in letzter Zeit öfters in jüdischen Versammlungen philosemitische Anwandlungen bekommt, semer Wut über die Zionisten freiem Lauf Hess. Es war ein Vergnügen für Götter, zu sehen, wie diese beiden Gabboim dem Auikrni das Signal gaben, die Redner niederzubrüllen. Leider sollte es dabei nicht sein Bewenden haben. Die geringsten Beifallsrufe der ,,Neologen" wurden zum Anlass genommen, auf diese loszuschlagen, so dass wiederholt Siehe rheiitswacbe eingreifen musste. Als dann die „Positiven" zu Worte kamem, wurde es sofort still; die beliebten Lozelech wollte man sich nicht entgehen lassen. Geradezu unbeschreiblich war das Toben der „Gesetzestreuen44, als am Schluss der Versammlung, die ein vorzeitiges Ende fand, die Zionisten das Lied „Hatikwah" an> stimmten. Man muss es gesehen haben, in welch brutaler Weisel in der Talmud Thora von gläubiger Seite auf die wehrlosen Juden der Minorität losgeschlagen wurde, wie man die — Juden aus dem Gotteshause hinauszerrte. Es kann unseren Gesinnungsgenossen nur angeraten werden, falls sie wieder in diese Gesellschaft gehen, für ihre persönliche Sicherheit Sorge zu tragen. Wie der ,,S c h 1 o i m H o i r" diese Pflicht auffasst, davon legt die Gastfreundschaft im der konstituier enden Versammlung dieses Vereines beredtes Zeugnis ab. Bemerkenswert ist, dass von zionistischer Seite viele Orthodoxe der Versammlung beiwohnten, die aber als solche nicht anerkannt wurden, weil sie zu einem anderen Sprengel gehören. Wien. (Verein „Theortor Herzl", Wien, VIII. Lange- Rasse 14, I. St.) Wahlen: Phil. N. Weidler, Präses; jur. M. Gold, Vizepr.; ehem. A.Felix, Schriftf*; ing. M. Epstein, Kassier; jur. L. Goldhammer, Bibliothekar. Wien. Am 5. d. M. fand im zionistischen Kongressbureau unter grosser Beteiligung die konstituierende Versammlung des literarischen Vereines „Jehudah Halevy" statt. Ausschuse: Präses H. Schächter, Vizepr. A. Muschel, 1. Schriftführer (Landessprache) Ch. S. Neumann, 2. Schriftf. (hebräisch) Is. S. Gross, Kassier H. Rechert, Biblothekar L. Dichter, Zeitungsverweser G. Birken, Beiräte stud. phil. Is. Barbag und L. Spandorf. Wien. (Verbindung jüdischnationaler Hochschüler aus der Bukowina „Herzlonia" in Wien.) Chargenwahl. Exp. Akad. B. Delfinger. Präs.; med. M. Fleschner, Vizepräs.; acad. comm. M. Neuberger, Schriftf. Wien. (Lese- und R*dehalle jüdischer Hochschüler. IX., Grün«thoryasse 34) 28. Oktober XXIII. Plenarsitzung, Der Vorsitzende med. H. S c h 1 e s i n er e r hielt dem dahingeschiedenen Förderer Herrn Dr. O. Kokesch einen warmen Nachruf. Hierauf erfolgte der Rechenschaftsbericht. Das Ergebnis war folgendes: Präses phil. E. Kleinmann, 1. Vizf-präs. jur. R. R o s n e r, 2. Vizepräs. med. H. V. K 1 e i n, 1. "Schriftf. jur. H. Hochwälder, 1 Schriftführer jur. J. Nebenzahl, 1. Kassier fxp. S. Herz, 2. Kassier phil. G. Kreisler, Zeitungsverweser phil. J. Silberschlag, Bibliothekar jur. E. S a c h e r, Haurverweser techn. Ph. Po Hak. Brünn. Die jüdische Lesehalle und Volksbibliothek in Brünn ei öffnete am jüngstverflossenen Sonntag, 29. Oktober, ihr VII. Vereinsjahr. Der leider sehr unzureichende Vortragsraum war wiederum schon fast eine halbe Stunde vor B^inn des Vereinsabendes gefüllt, so da?s abermals über 150 Einlasssuchende abgewiesen werden mussten und nur ungefähr die gleiche Zuhörerzahl Einlass fand; trotz dieses regelmässigen MaFsenbesuch.es und trotz der mit den jedesmaligen Massenabweisungen verbundenen sehr unerquicklichen Auftritte ist in der so reichen und grossen Judengemeinde Brünn noch immer k^ine Aussicht, endlich doch einen geeigneten Vortragssaal für die Veranstaltungen der Jüdischen Lesehalle zu erlangen! Der diesjährige Eröffaurgsabend brachte einen sehr zeitgeroässen Vortrag nebst einem sehr hübschen Violinkonzert und weckte lebhaften Beifall, Als TYxt des Vortrages wählte der Vortragende, welcher auch das vorige Vereirsjahr eingeleitet hat -- und zwar mit einem begeisternden Nachruf an unseren edlen Vorkämpfer Theodor Herzl — folgenden, vor kurzem in der „Welt" zu lesen gewesenen Satz: „Sollten wir, die wir Ti t a n e n a r b e i t zu leisten haben, nicht auch trachten, unsGott ähnlich zu g e s t alt en?" Das Mittel hiezu sei die Erfassung und Betätigung des mosaischen Geistes: .Reiß das Herz und rein der Wandel!" und als Vorbild aus jüngster Zeit besprach der Vortragende die vor 44 Jahren bei Chicago gegründete Stadt .Zion Citch", deren 10.000 christliche Einwohner Schweinefleisch, Alkohol, Tabak und giftige Arzneien vollständig meiden. Der nächste Sonntag bringt eine Vorlesung ued Liedervorträge. Brünn. (Jüdisch-akademische Lese- und Redehalle.) Die Wahlen für das laufende Semester ergaben folgendes Resultat: Präses ing. E. Stern, Vizepräs. ing. L. Fall, 1. Schriftf. ing. E. Stark, 2. Schriftf. ing. Schindler, 1. Kassier ing. E. Ta u b er, 2. Kassier ing, H. Aufrecht, Bibliothekar ing. R, Ripper, Zeitungswart ing. E. Wasservogel, Revisoren ing. A. Eis 1 er, mech. R. H a y e k, ing. H. W e b e r. Brünn. (Unterstützungsverein für mittellose jüdische Techniker in Brünn.) 21. Oktober Generalversammlung. Wahlen : Präses ing. R, Bergor, Vizepräs. ing. E. S t e r n, Schriftf, ing. A. Buchwalde r, Kassier ing. L.Fall, Beisitzer ing. E. Berg er, ing. E. Lindner, ing. E. Grätzer. Czernowilz. (Jüd.-akad. Leseverein „Emunah".) Chargenwahl : Jur. J« Sachter, Präses, jur. J. Raschkes, Vizepräses, jur. J. Wagner, Schriftführer. Zsleszczyki. 15. Oktober Generalversammlung. Vorsitzender Herr A, L. Lagstein Bericht über die Vereinstätigkeit, und zwar über die Gründung einer hebräischen Schule und des Vereines „Safa Berura" und über den bereits eingezahlten Betrag für die Eintragung des Vereines ins Goldene Buch. Gewählt: A. L. Lagstein, Präses, F. Seidmann, Vizepräses, E. Glaser, Schriftführer, S. Harnik, Schriftführerstellvertreter, M. R o t k o p f, erster Kassier, A. Gottfried, zweiter Kassier, «L Gross, Oekonom; ausserdem die Herren : D. Kr a t z, D. H a r n i k, M. Epstein, L. Lindner, M. Halpern und E. Werner. Ueberdies wurden in die neugebildete Nationalfondskommission die Herren M. Epstein zum Obmann, S. H a r n i k zum Obmann Stellvertreter, Ch. Se i dm a n n zum Schriftführer und M. Freundlich zum Kassier gewählt. Frankfurt. (Frankfurter Zionist. Vereinigung.) In d^r am 10. v. M. stattgefundenen Generalversammlung wurden gewählt: 1. Vorsitzender J. L. Goitein, % Vorsitzender H. Friedländer, Kassier B. Stern, Schriftführer J, Hacken broch, Beisitzer Dr. jur. Elias, Ing. J. Feing o 1 d, Dr. med, J. Feuchtwange r. — Zu Beginn der Versammlung am 31. Oktober gedachte der erste Vorsitzende Goitein des verewigten Dr. Kokesch. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Die „Arbeiterzeitung" in Wien vom 31. Oktober bringt in dem auf dem Parteitage erstatteten Berichte der Gesamtexekutive über die Affäre der galizischen Separatisten folgende offizielle Darstellung: „Wir hatten uns in der Gesamtexekutive auch mit der Frage der Zulassung einer neuen Gruppe zu beschäftigen. Am I. Mai 1905, an einem Tage also, wo die ganze Arbeiterschaft ihre Verbrüderung feiert, fühlte eine Anzahl von Leuten das Bedürfnis, sich von der polnischen Sozialdemokratie loszusagen und sich als besondere „Jüdische sozialdemokratische Paitei Galiziens" zu konstatieren. Sie wendeten sich an uns und verlangten die Anerkennung als nationale Gruppe. Wir konnten aber durchaus nicht zu der Ueberzeugung gelangen, dass eine organisatorische oder sonst eine Notwendigkeit vorhanden wäre, eine derartige Gruppe zu schaffen. Wir haben deshalb die Anerkennung dieser neuen nationalen Gruppe abgelehnt, natürlich in der Meinung, sie würden nun wieder zurückkehren und mit den übrigen Genossen Galiziens weiterarbeiten. Allerdings erklärte uns der Vertreter dieser jüdischen Sozialdemokratie schon vor Eingang in die Diskussion, dass, was immer wir beschliessen, sie sich nicht abhalten lassen werden, sich als selbständige Gruppe zu konstituieren.'4 Die Separatisten haben, wie der Bericht dann mitteilt, an den Parteitag appelliert, jedoch mit Rücksicht auf das politische Moment und auf die bevorstehenden Wahlrechtskämpfe die Berufung zurückgezogen. Es

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