Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.'44 90t& weit Seite 13 der hiesigen Ehenusloge an Herrn Lazarus erstattete derselbe in der Loge ebenfalls einen Bericht über den letzten Kongress. Während Herr Lazarus lediglich das Tatsachenmaterial vorführte, hatte Herr Dr. Klee* aus Berlin eine kritische Würdigung der Resultate des Kongresses übernommen. Der Abend schloss mit einigen markigen Ausführungen des Herrn Dr. Moses aus Mannheim, auf die wir nur deshalb nicht ausführlicher eingehen, weil sie in seinem Aufsatz in der „Rundschau" enthalten waren. Den Rednern wurde lebhafter Beifall gespendet. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Ins zwei Mooiaten soll die A 1 i e n B i 11 in England in Kraft treten, und vom Staatssekretär für das Inland wurde bereits ein Komitee vom fünf Mitgliedern unter dem Vorsitze des Unterstaatssekretärs Mackenzie Dalzell Chalmers und W. Haidane Porter als Sekretär ernannt, welches über die Art der Durchführung beraten und entsprechende Vorschläge, wie das Gesetz in den verschiedenem Häfen im Wirksamkeit zu bringen ist, erstatten soll., Ein Korrespondent des „Jewish Chronicle" hatte Gelegenheit, von dem Sekretär des Komitees«, Porter^ in einem kurzen Gespräch über das auszuarbeitende Regulativ Aufschluss zu erhalten. Darnach] wird das Komitee keine öffentlichen Beratungen abhalten, aber es werde die Meinungen! verschiedener Autoritäten einholen» und auch bei der Beratung des Regulativs« die jüdischen Interessen im Auge behalten und darauf hinwirkein, dass der jüdischen Einwanderung möglichst wenig Schwierigkeiten bereitet werden. Das Staatssekretariat habe versprochen, sieb womöglich! die Mitwirkung verschiedener jüdischer Vereinigungen zu sichern, und dem- •gemäss sei Mr. Leonhard L. Cohen eingeladen worden, den Sitzungen beizuwohnen. Ausser dem Jewish Board of Guardians werden» zweifellos auch der Jewish Board of Dgiputies und das russisch-jüdische Komitee befragt werden. Bei Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen werde darauf Rücksicht genommen wenden, dass die Sitzungen des Einwanderungsgerichtes nicht an jüdischen Feiertagen stattfinden, und dass die Trennung von Familien' bei Zurückweisung eines Mitgliedesy wie es nach dem amerikanischen Einwanderun&sgesetze manchmal vorkommt, möglichst vermieden werde. Indem der „Jewish Chronicle4 dieses Interview und die Aussichten für eine gerechte Durchführung der Bill sehr günstig beurteilt, weist er noch auf einige andere Uebelstände im amerikanischen Einwanderungsgesetze hin und macht Vorschläge, dieselben im englischen zu vermeiden. So sei zu hoffen, da$s die Sitzungen des Einwanderungsgerichtes öffentlich sein werden, da es sich in Amerika gezeigt habe, da£s bei den nichtöffentlichen der Einwanderer im Nachteile sei. Ferner sei zu 'Wünschen, dass die Bevollmächtigten der jüdischen Wohltätigkeitsvereine zu den Sitzungen des Tribunajlis Zutritt erhalten, um dem' Einwanderer, der in einem fremden Lande fremden Verhältnissen und einer ihm meist unbekannten Sprache gegenüberstehe, mit Rat und Tat beistehen können. Schliesslich) möge die Verzögerung von Rekursen gegen. Zurückweisungen, deren Erledigung in Amerika oft durch Monate verschleppt werde, durch Bestimmung einer Frist hintangehalten werden. Mit Recht ist die Ansicht des „Jewisli Chronicle" über die Einwanderung nach Australien nicht günstig, indem mit einigen Einwänden auf manche Schwierigkeiten, die entstehen könnten, hingewiesen wird. Zunächst wird daran erinnert, dass Westaus traHiem bereits einmal das Ziel eines grossen Einwanderungsplanes war, als die Heilsarmee 5000 Familien zur Gründung einer Kolonie dorthin zu bringen versuchte, Dieser Plan misslang und es äst daher auch für eine jüdische Einwanderung zweifelhaft, ob wirklich Platz für tau sende wäre. Uebrigens erwäge die Heilsarmee noch immer eine Massenauswanderung nach Australien. Ferner werde das Einwanderungsgesetz ciioi uerentn, wie ein jüngst vorgekommener, auch in der „Times" erörterter Fall zeige. Dazu konimt noeh die lange und teure Reise, die jedenfalls ein Hindernis einen Massenein wände ru-ng bildet. Der „American Israettte" bringt und glossiert einen Artikel des Herausgebers des „War Cry", des offiziellen Organs der Heilsarmee,, über das jüdische Viertel in New York, das derselbe gelegentlich! eines Streiks der jüdischen Kleidermacher durchstreifte. Es ist bemerkenswert, dass ein Beobachter, bei dem eine Vordngenornmenheit für die Juden ausgeschlossen ist, sich lobend über den Gesamteindruck des Ghettos ausspricht. Hervorgehaben wird das ruhige, nüchterne Benefrrneji der jüdischen Arbeiter, das Fehlen von Bier- und Schnaps-lokalen und das Ueberwiegen von Södawasserständen. Trotz der durch die Dürftigkeit der Bevölkerung bedingten unsanitären Verhältnisse sah er wenig Schmutz. Reinlichkeit der Person ist die Regel, das Gegenteil die Ausnahme. Die wirtschaftlichen Zustände in den grossen Werkstätten, die Lohnyerhältnisse findet der Verfasser so schlecht, dass amerikanische Arbeiter nicht fähig waren, siezu ertragen. 'Der „Jewish Comment" bringt einen interessanten Aufsatz von A. M. Sakolski über die jüdischen Wohltätigkeitseinrichtungen in New York und deren Programm für das kommende Jahr. Die jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen haben sowohl an Ausdehnung als auch an Mannigfaltigkeit zugenommen, indem neue Methoden zur Verbesserung der sozialen und sanitären Lage eingeführt und alle verbessert wurden. Für die nächste Zukunft ist ebenso wie in den. -letzten 50 Jahren das Problem jüdischer Wohltätigkeit in New York und den grösseren Städten eng verknüpft mit der Einwanderungsfrage, Die Tatsache, dass von den 100 000 jüdischen Einwanderern, die nach Amerika kommen, über 75 Prozent sich innerhalb der Grenzen von Gross- New York ansiedeln,.steigert den Notstand, der den Einwanderer in der neuen Heimat gewöhnlich erwartet. So kommt es, dass den jüdischen Wohltätigkeitsvereinen in New York die Hauptaufgabe zufällt. Die Million Dollars, die die United, Hebrew Charities und andere jüdische Vereinigungen jährlich ausgeben, wird hauptsächlich) dazu verwendet, dem Einwanderer über den schweren wirtschaftlichen Kamp fim ersten Jahre hinwegzuhelfen. Ferner trachtet man dem Ueberangebot von Arbeitskräften in New York und den anderen grossen Städten, durch-eine gieichmässigere Verteilung auf Plätze mit besseren Arbeitsbedingungen und Erschliessung neuer Berufszweige abzuhelfen* Das Industrial Removal Office hat im letzten Jahre über 8000 Leute von New York in die verschiedenen Distrikte geleitet und man hofft, deren Zahl in diesem Jahre zu verdoppeln. The Jewish Agriculturail' and Industrial Aid Society, jetzt im fünften Jahre ihres Bestandes, hat bereits mehr als 2000 jüdischen Ackerbauern durch ihre Hilfe den landwirtschaftlichen Betrieb ermöglicht und im kommenden Jahre sollen wenigstens 200 Ghettofamliein auf dem Lande angesiedelt werden. Interessant ist es, dass die Bestrebungen zu einer Art Selbstregulierung, einem selbständigen Verziehen der jüdischen Einwohner des übervölkerten East End in günstigere Bezirke in Brooklyn und Broux, das im letzten Jahre eingesetzt hat. unterstützt werden. Bereits jetzt sind viele ehemals ganz jüdische Strassen im East End mit den schlechtesten sanitären Verhältnissen von Italienern besetzt, während andrerseits im Harlem¬ und Broux-Distrikt, die bis vor einigen Wochen kaum einen jüdischen Bewohner hatten, viele Ghettostrassen existieren. So beginnt sich das Problem der Uebervölkerung langsam zu lösen, denn wenn auch ein weiterer Zuzug; in diese Bezirke zu gewärtigen ist, so werden doch die Lebens- und sanitären Verhältnisse nie so schlimm werden, wie im alten East End. Doch dieselben haben bereits durch ihr jahrelanges Bestehen eine besorgniserregende Ausbreitung der Schwindsucht und anderer ansteckender Krankheiten hervorgerufen, gegen welche schleunigst Massregeln ergriffen werden müssen. Das Montefi'ore Hörne, das grosse jüdische Spital, genügt schon längst nicjit mehr den gesteigerten Ansprüchen und daher ist ein modernes und grosses jüdisches Sanatorium in der Nähe New Yorks, dessen Errichtung geplant wird, ein dringendes Bedürfnis. Ein anderer Zweig der jüdischen Philanthropie befasst sich mit der Besserung jugendlicher Verbrecher, deren Zahl in den Massenquartieren zugenommen hat. So ist eine grosse Erziehungs- und Besserungsanstalt mit einem Fassungsraum für mehrere tausend Zögiiiinge im Bau und dürfte bald der Benützung übergeben werden. Bedeutenden Erfolg haben die Institutionen, die sich der Erziehung widmen, zu verzeichnen. The Educational Alliance, der grösste) derartige Verein, erteilt Unterricht in englischer Sprache und veranstaltet gut besuchte Kurse über amerikanische Geschichte, Gesetzgebung und sonstige Einrichtungen. The Young Men's Hebrew Association, The New Era Club und die Davidson Society vereinigen ihre Tätigkeit zur Verbesserung der sozialen Lage der jüdischen Einwanderer. Besondere Vereine und Schulen sorgen für handelswissenschaftlichen und gewerblichen Fortbildungsunterricht, so die Baron de Hirsch Trade School und das Hebrew Technical Institute, die beide stets mit Anmeldungen überhäuft sind. Endilich gibt es Schulen für Mädchen, in denen Handarbeiten, Klefdernähen, Stenographie usw. gelehrt werden. Durch ein vorzügliches Zusammenarbeiten aller Wohlfahrtseinrichtungen wird eine zielbewusste und erfolgreiche Tätigkeit bewirkt, so dass dieselben selbst den enorm gesteigerten) Ansprüchen eines jährlichen Zuwachses von» 100 000 Hilfsbedürftigen genügen können. Die letzte Nummer des; „Rozvoi", des in Pardubitz ersehenen den Orgames der: .tschechischnationalen Jutctem, b£-