Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316177--47465-3342338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 44 l9bl* # WtHM Seite 7 sollen wir als politische Zionistennicht in diese Koalition eintreten dürfen? Für das eine Ziel verbinden wir uns mit den anderen Vereinigungen, so wie oft genug Parteien sich zu bestimmten Zwecken koalieren, ohne ihre Sonderstellung aufzugeben. Ich glaube, dass so dreierlei erreicht wird: Erstens wird die Befürchtung gewisser Herren, dass sie etwas Antizionistisches damit tun, zerstört, zweitens wird dadurch den Zionisten die Möglichkeit gegeben, einem Uebemvuchern rein philanthropischer Gesichtspunkte entgegenzuwirken, drittens wird ein Platz für den offiziellen Zionismus reserviert, wenn dieser vielleicht nach Jahren einmal einsehen sollte, welchem Fehler er auf dem VII. Kongresse begangen hat, und dann selbst einen Anteil an dem Territorialwerk erstrebt. Dann könnte der Kongress, wie er heute eine Palästiniakoinmission wählt, auch eine Territorialkoanmission wählen, der der Verband politischer Zionisten seine Stelle einräumen wird. Damit dies alles erfolgen kann — und wie Sie sehen, sind dies durchaus loyale Ansichten, die nichts von Aufruhr oder Revolution an sich haben — ist es nötig, dass wir in dieser Arbeit nicht gestört werden. Dr. Bodenheimer wie Mr. Greenberg haben das Zusammengehen mit der Ito für illoyal erklärt. Das ist unvorsichtig gewesen. Unser Vorgehen wird erst illoyal, wenn Mitglieder des A.-C. oder gar dieses selbst es dazu stempein. Der Kongress hat es nicht verboten, also ist es erlaubt. Verbietet nun das A.-C. es uns, dann gibt es neue Erbitterung, neue Konflikte und neue Verluste für den Zionismus. Darum ist dies unsere erste Bedingung, dass das A.-C. erklärt, dass der Zionismus zur Ito und zu der eventuell zu bildenden Koalition keine Stellung einnimmt, d. h., d a s s jeder Z i o n i s t oder eine j ed e Gruppe von Zionisten (ausser den offiziellen Organisationen, wie Landsmannschaften, Ortsgruppen etc.) k as freie Recht erhält, für den Zamgwillschen Plan einzutreten . JM'u A .seitens der Zione-Zionisten uns diese Konzession gemacht, dann ist ein wichtiger Streitpunkt, wenn auch nicht beseitigt, so doch in seiner Schärfe ganz wesentlich herabgemindert. Der zweite Punkt, der für uns von absolut gleicher Wichtigkeit ist, ist die Palästinafrage. Jedwede Kolonisation mit mangelnder rechtlicher Basis ist geeignet, den Zionismus zu schädigen, indem die notwendigen Misserlfolge auf die Rechnung des Zionismus kommen werden. Darum verwerfen wir sie. Wir verlangen demgemäss, dass die Palästinakommission eine Denkschrift ausarbeite, in der dargelegt wird, was sie in der Zeit bis zum nächsten Kongresse zu tun beabsichtigt ar-ci mit welcheni Geldmitteln dies geschehen) soll, insbesondere wie weit beabsichtigt wird, den Nationalfonds hierzu zu verwenden. Ich hoffe, dass der Inhalt einer derartigen Denkschrift schon durch die begrenzten Gelkimittel, die wir zur Verfügxr g haben, beruhigend für meine Freunde ausfallen und den Frieden erleichtern wird. Drittens: Nachdem durch einen Zufall verhindert worden ist, dass die Bankstatuteii geändert werden konnten, bitten wir dringend darum, in Erwägung zu ziehen, ob die Aenderu ig bis zum achten Kongresse verschoben werden kann. Der Grund ist der, dass wir der Bank die Möglichkeit der Kooperation mit anderen Gesellschaften in der Territorialfrage gerne wahren wollen, ohne dass hierzu1 eine neue kostspielige Statutenänderung notwendig ist. Doch ich spreche hier ganz Ueberflüssiges, denn Sie selbst habeni oft genug die Gründe, die gegen eine Aenderung sprechen, dargelegt. Zu diesen drei Wünschen, von denen die beiden ersten derart sind, dass jede Konzession unsrerseits vollkommen ausgeschlossen ist, komirmen noch eine grosse Reihe anderer, deren Bedeutung geringerer Natur ist. Das Gewähren dieser Wünscn* würde die Arbeitsfreudigkeit meiner Freunde erhöbeni und würde vieli dazu beitragen, neben dem äusseren Frieden auch die innere Aussöhnung zu fördern. Es handelt sich wm olgemdes: Wir wünschen, dass für das offizielle Parteiorgan „Die Welt4' eine aus Mitgliedern der verschiedenen Parteirichtungen zusammengesetzte Presskommission eingesetzt werde; ferner dass auch in der neu einzurichtenden Verwaltung der gesamten! Partei und in deren Berliner Bureaus Männer unserer Richtung Gelegenheit zur Mitarbeit finden. Wir wollen so aucn äusserlich dartun, dass uns jede Obstruktion fernliegt, wir vielmehr nach wie vor bereit sind, nach besten Kräften, überall wo es uns möglich ist, für den Zionismus zu arbeiten. Selbstverständlich beanspruchen wir auch das Recht, frei für unsere Auffassung des Zionismus innerhalb und ausserhalb der Partei einzutreten und Gesellschaften, Klubs oder Vereine von Gleichgesinnten zu gründen. Wie weit wir von diesem Rechte Gebrauch machen werden, wird von rein lokaLn Momenten abhängen. Ich glaube Ihnen aber persönlich versichern zu1 können, dass die Finger einer Hand ausreichen werden, um die Zahl der Orte in Deutschland zu bestimmen, \n denen die Notwendigkeit zu diesem Schnitte sich ergeben könnte. Sehr geehrter Herr Präsident! Wenn Sie diese unsere Mindestforderungen ruhig und ohne Voreingenommenheit prüfen, dann werden Sie finden, dass sie alle ohne Verletzung der Kongressbeschlüsse von Ihnen wie vom A.-C. genehmigt werden können. Uns liegt nichts ferner, a iL s auf Sie einen ungesetzlichen Druck ausüben zu wollen, aiber die Verweigerung dieser Konzession wird grossen Schaden stiften, wenrn selbst, wie ich annehme, die meisten von uns auch in diesem Falle sich Ihren Beschlüssen fügen werden. Es würde sich eine Verbitterung bei sehr vielen einstellen, die gefährlicher als der offene Bruch sein würde. Und das können Sie so wenig wir irgend einer von uns wolle-n. Die Annahme unserer Bitten dagegen würde Ihnen viele alte erprobte. Zionisten zu begeisterter Mitarbeit für die zionistische Organisation wiede*bringen. Die deutschen Zionisten, die fierzl, solange er lebte, stets treu gewesen waren, werden eine gute und absolut zuverlässige Stütze auch für Sie als Präsidenten sein. Ich schreibe ihnen dies alles, ohne Auftrag meiner Freunde, als einzelner dem vom mir verehrten, Ich kann ruhig sagen, geliebten Freunde von Theodor Herzl. Ich weiss aus vielen Briefen und Unterhaitungen jedoch, dass die hier entwickelten Ansichten von meinen sämtlichen Freunden geteilt werden und dass die Gewährung der von mir angegebenen Forderungen von ihnen einmütig aufgenommen werden wird, wie ich es Ihnen dargelegt habe. Nehmen Sie deshalb meine Vorschläge an und Ihr Wunsch, dass Friede den Nahen und den Fernen kommen möge, wird zur Wahrheit werden. Ich verbleibe mit vielen verehrungsvollen Grüssen und in der Hoffnung, dass Ihr Präsidium unserem Volke das Ziel des Zionismus verwirklichen werde, Ihr sehr ergebener Dr. C i t r o n. Eine deutsche Drohung. In Leipzig ist unter dem Titel „Der nationale Besitzstand in Böhmen" ein Buch des Prager Universitätsprofessors Rauchberg erschienen, in welchem der Verfasser auch den Anteil der Juden an den nationalen Verschiebungen während der letzten Jahre ausführlich bespricht. Seine Darlegungen sind ein wertvoller Beitrag zur Psychologie der Deutschfortschrittlichen Böhmens. Sie erhalten stark