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Die Welt · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „w* # weit" Nr. 44 Geschlossenheit, in der Organisation aller verfügbaren jüdischen Kräfte die Stärke und den sichersten Schutz der Juden sieht. Sie und die anderen Juden Deutsehlands, die den Verband deutscher Juden für nützlich und notwendig halten, werden sich vom „Israelit^ und seinen Hintermännern nicht beirren lassen, Nss. Rubrik für Diskussion. Die Stellungnahme der „Welt" zu allen Fragen des Zionismus ist durch die Kongressbeschlüsse und den Aufruf des Präsidenten des A.-C. festgelegt. Sie bleibt aber weiter jeder sachlich vorgebrachten Meinung offen und gestattet selbstverständlich gerne eine Diskussion in richtigen Grenzen. Wir führen dafür diese besondere Rubrik, wo auch alle inoffiziellen Meinungen zum Ausdruck gelangen können. * * * Offener Brief an den Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees Herrn D. W o I f f s o h n, Köln a. Rh. Berlin, den 27. Oktober 1905. Sehr geehrter Herr Präsident! Döe Worte, die Sie in der Schlussrede auf dem Kongresse gebraucht haben: „Scholaum, Scholaum, lerochauk weUk o r u w'\ geben mir das Recht, mich heute an Sie als den Präsidenten alller Zionisten zu wenden. Der Friede, den wir im Zionismus so dringend brauchen., ist durch diesen Kongress nicht gebracht worden und die auf den Kongress folgenden Ereignisse haben die Spannung zwischen den einzelnem Richtungen, das Misstrauenzueinander, ja die offene Feindschaft zwischen früheren Gesinnungsgenossen nicht gemildert, sondern in Deutschland zumindest haben die Gegensätze, die vor dem Kongresse gering waren, eine ausser ordentliche Zuspitzung erfahren. Es ist klar, dass der leidende Teil hierbei der Zionismus ist. Darum muss der Friede, wenn irgend möglich, wiederhergestellt werden. Wir rechnen hierbei in erster Reihe auf Sie, da Sie in gleicher Weise bei allen Parteien Vertrauen, Ansehen und Liebe gemessen. Die Aufgabe, die zu übernehmen ich Sie bitten möchte, ist, wie mir scheint, keine scirwere, wenn; erst die Situation klargestellt worden ist. Vor allem möchte ich bemerken, dass, wenn Sie von anderer Seite informiert sind, meine Freunde, Männer wie Klee, Zlöcisti, Gronemann, Simonsohn, Jeremias sowie ich selber seien „Verräter und Meuterer'', derartige Anschuldigungen auf uns und Aussenstehende lächerlich wirken. Sie, der Sie uns alle seit Jahren kennen, werden selbst ohne lange Beteuerungen unsrerseits wissen, dass wir alle ohne Ausnahme Zionisten sind. Wir erstreben jedoch einen grossen, starken Zionismus, der die gesamte Judeinheit umfasst, der keine Ketzerrichterei treibt, der Dissidenten nicht ausschliesst und der an den Aufgaben, die die gegenwärtige Judennot aufgibt, nicht mit fest verbundenen Augen vorübergeht. Um diese Ziele mit Verständnis zu verfolgen, ist es nötig, dass innerhalb des Zionismus einflussreichen Männern von einseitiger, unheilvoller Wirkung der Boden abgegraben wird. Der einzelne kann diese Aufgabe schlecht erfüllen, der Zusammenschiuss Gleichgesinnter dagegen vermag viel. So entstand auf dem Kongresse der Verband politischer Zionisten. Nicht gegen Sie, sondern fü r Sie, Marinorek und Oreenberg wollten wir arbeiten. Wir sagten uns: Sie sind an die Kongressbeschlüsse gebunden, Sie können und dürfen gegen den Willen der Majorität nichts unternehmen. Aber wir sind unverantwortliche Männer, wir müssen uns bemühen, Ihnen die Situation weiter zu erhalten, die Herzl gehabt hat, «in« starke, zuverlässige und treue Majorität, die nicht von gewissen Männern beherrscht wird, die stets bereit sein werden, Ihnen, wie einist unserem Herzl, Charkows zu bereiten- Damit wir dieses Ziel jedoch erreichen, müssen wir absolut freie Hand haben, vorzugehen, wie es uns nach langen Beratungen untereinander als das richtigste erschienen ist. Das heisst, wir müssen Konzessionen, von der Gegenseite erhalten. Auch hier gilt das Prinzip „Do ut des". Was wir in Deutschland bisher geleistet haben, war die Agitation, Wenn viele von uns jetzt nicht oder nicht so stark agitieren werden, so liegt darin wahrlich keine Obstruktion, keine böse Absicht, sondern die einfache technische Unmöglichkeit. Es ist in einem Lande, in dem Zeitungen bestehen, nicht möglich, über den Zionismus heute zu sprechen, ohne den VII. Kongress zu erwähnen. Ich kann aber als politischer Zionist, wenn ich nicht ein Opfer meiner Ueberzeugung bringen will, nur so sprechen, dass kein Aussenstehender hierdurch veranilasst werden kann, der zionistischen Organisation beizutreten. Wie kann dem nun abgeholfen werden? Dauernde, endgültige Hilfe kann hier nur ein Kongress bringen, der die unseligen Freiburger Beschlüsse wieder ausmerzt. Was aber schon vorher geschehen kann, ist folgendes: Zwei Momente vor allem sind es, die die Trennung bedingen : 1. Die Frage der Schaffung einer ausserpalästinensischen Autonomie; 2. die Palästinaarbeit. In der ersten Frage ist unser Standpunkt der, dass wir darin ein wichtiges Mittel zur Erreichung unseres Endzieles sehen, weil hierdurch 1. ein Teil jüdischer Proletarier im Laufe der Entwicklungen in bessere Lebensbedingungen gebracht und dadurch unser Volk gekräftigt wird; 2. das jüdische Selbstbewusstsein gehoben wird; 3. die Juden den Befähigungsnachweis 'liefern können, dass sie in der Lage sind, sich selbst zu verwalten; 4. eine alijüdische Tat hier vollbracht werden kann, eine Sache, an der Kol Jisroel mitarbeitet. Hierdurch wird dus Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt, die Indifferenten werden aufgerüttelt, neue Kreise dem jüdischen Volksgedanken gewonnen werden. Nun hat aber die starke Opposition im zionistischen Lager gezeigt, dass das Verständnis für diese Gesichtspunkte innerhalb des Zionismus kein allgemeines ist. Sobedauerlich diese Erkenntnis für uns ist, so müssen wir daraus doch denselben ScMuss ziehen, den Herzl in seiinetn Brief an Sir Francis Montefiore gezogen hat: Gegen eine starke Opposition d^rf ein derartiger Plan vom Zionismus nicht durchgeführt werden. Muss er darum aber überhaupt unterbleiben? Wir antworten darauf mit einem entschiedenen N e ii n, das um so entschiedener wird, wenn wir sehen, dass die Aussichten gut sind, ein derartiges Unternehmen zu finanzieren. Ein alter Wunsch scheint sich jetzt zu verwirklichen: es bildet sich eine Kooperativgesellschaft, d. h. nicht die Ito allein soll die ZangwMlschen Pläne ausführen, sondern eine Kooperation der Ito, des Hilfsvereines, der Logen, der Ica vielleicht, grosser amerikanischer Vereine und anderer Gesellschaften. Naturgemäss hätte in dieser Koalition der Zionismus eine führende Rolle spielen müssen, das Zusammenarbeiten mit den grossen Hilfsgesellschaften hätte sie uns näher gebracht — in Frankfurt a. M. auf der Auswanderungskonferenz war ein schöner Anfang gemacht — und hätte auch für unser Palästinaziel selbst im gegebenen Moment ein einmütiges Zusammenarbeiten ermöglicht. Das ist jetzt selbstverständlich völlig ausgeschlossen. Wir kommen nicht mit einem Ultimatum zu Ihnen, wir muten I h n e n n ii c h t z u, gegen die Kong ress b e Schlüsse zu handeln. Warum aber darf sich kein freier Verband von Zionisten bilden, der freiwillig auch diese neue Last der Arbeit für das jüdische Volk auf sich laden will? Warum

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