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Die Welt · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Njs. 44 „bie & weit" Seite 3 legt worden ist, um so mehr haben wir die Verpflichtung, sie pünktlich und regelmässig zu entrichten. Auf dem VII. Kongresse wurde beschlossen, dahin zu wirken, dass kein Zionist in seinem Testamente des Nationalfonds vergesse. Soll dies kein leerer Beschluss sein, so muss es unsere Sache sein, durch persönliche Kücksprache mit unseren älteren Freunden dieses Gebot der zionistischen und jüdischen Pflicht zum Bewusstsein zu bringen. Es ist wahrlich keine Erbschleicherei und auf der anderen Seite keine Enterbung, wenn jeder Jude einen kleinen Teil seines Vermögens dem Nationalfonds überlässt, welcher mit seinen Tendenzen und seinen Bedürfnissen jedes andere jüdische Zweckvermögen in den Schatten stellt. Wie ernst man eine Sache nimmt, das erkennt man erst an dem Masse der Opfer. Wer für die Freiheit nur Gedichte macht, ist noch kein Freiheitsapostel; Körner und Arndt sind dichtend in die Schlacht gegangen und haben ihr Leben als Wahrheitsbeweis für die Echtheit und Tiefe ihrer Gefühle angeboten. Wir wollen ja viel weniger. Wir wollen nur, dass diejenigen, welche bewusste Freiheitsträger Israels sind, nicht nur die Begeisterung der Rede zeigen, sondern auch bereit sind, einen kleinen Teil ihres Vermögens unserem Fonds zuzuweisen. Und materielle Opfer sind von allen die leichtesten. Wir verlangen \on jenen, welche die Freiheit und die Existenz der Juden wollen und wünschen, nur ein kleines Quentchen von dem Vermögen jedes einzelnen. Eine kleine Summe von jedem, für die grosse Freiheit aller. Wjer da noch zögert, der verdient den Golus! — Und alle unsere Zeitungen müssen mittun. Sie müssen aufklärende und agitatorische Artikeln über den Nationaifonds bringen. Sie müssen Beträge in Empfang nehmen, ausweisen, an die Bank abführen. Wir sind gerne bereit, den Zeitungen Material und Artikel zur Verfügung zu stellen und sie in allem zu informieren. Die Zeitungen mögen orthodox oder freijüdisch sein, zionistisch oder nicht zionistisch, sepharclisch oder asenkenasisch, j ü d i s e h sind sie alle, und j ü d i s c h ist auch unser Nationalfonds. In diesem Punkte darf es keine Gegnerschaft geben, und wie der unxeligiöseste Jode einmal jährlich, am Jörn Kippur die Wieihe der Religion erfasst, so soll der Nationalfonds das sein, das von allen gekannt, von allen in seiner Bedeutung gewürdigt, von allen unterstützt wird. Die Nationalfondismarken, -Büchsen, -Sammelbögen, Telegrammblankette, Briefmarkensammlungen werden mit vollem Interesse der weitesten Verbreitung zugeführt werden. Diese alten bewährten Mittel wollen wir aushauen und in Ländern einführen, welche bisher diese Mittel oder eines von ihnen nicht verwendet haben. All dieses aber erfordert wie gesagt, Aufstellung eines Nationalfondskommissärs für jedes Land und strenge Pflichterfüllung von Seiten aller Beteiligten: Ernst und tiefe LTeberzeugung. Dias Bureau für den Nationalfonds, IX., Türkenstrasse 9, ist die Kontroll- und Zentralstelle für die Agenden des Nationalfonds und dorthin sind Wünsche, Beschwerden Anregungen etc. zu richten. Und so fordern wir nochmals alle, die Interesse an der Selbsthilfe des Judentums haben, auf, uns durch Wort, Schrift und Tat zu unterstützen. Der Palästinenser hat die Pflicht, den Nationalfonds zu pflegen, weil er Palästina lottifft. der Teu*i'orialist, weil es sich um Ankauf eines Territoriums handelt, der Nationalist, weil er Nationalgut ist und der Kosmopolit, weil er mithilft, armen Menschen die Menschenwürde zu verschaffen. Alle umfasst er, und alle müssen mitarbeiten!! Kol Jisroel! Ben Hug. Sehr geehrte Kollegen! Tief erschüttert habe ich Ihnen heute im Namen des Aktionskomitees die traurige Nachricht Ton dem am Samstag den 21. Oktober in Wien Dach lau gern schweren Leiden erfolgten Ableben unseres hochverehrten Kollegen Herrn Dr. Oser Kokesch mitzuteilen. Die Beerdigung fand am Montag den 23. Oktober statt. Da es mir leider nicht mehr möglich war, rechtzeitig nach Wien zu kommen, habe ich unsere Kollegen, die Herren Dr. Leopold Kahn und Oskar Marmorek, beauftragt, dem Verblichenen im Namen des Aktionskomitees die letzten Ehren zu erweisen und unseren grossen Schmerz am Grabe zum Ausdruck zu bringen. Der Tod unseres Freundes reisst eine unausfülibare Lücke in unsere Organisation» Dr. Kokesch hat unsere Bewegung mitgeschaffcn und ihr ununterbrochen bis in seine letzten Tage mit unermüdlichem Eifer und rastloser Hingabe in leitender Stellung gedient. Der Zionismus war ihm zur Lebensaufgabe geworden, der er seine ganze Kraft gewidmet hat. Sein Name ist mit der Geschichte unserer Bewegung unauflösbar verknüpft und wird allezeit in ehrendem Gedenken gehalten werden roxsrv „Gott tröste uns unter all denen, die um Zion und Jerusalem trauern.' Oktober 1905. Köln am Rhein, Tiscnrl 5666. payid Wolffsohn. Dr. Oser Kokesch. i Noch klafft die Wunde, die der Tod des Führers unserer Bewegung geschlagen hat und schon wieder ist der Zionismus von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Der besten einer ist dahin. Oser Kok esch ist nicht mehr. Obgleich dem Sachkundigen schon vor mehr als einem Jahre das Schicksal des damals noch blühend aussehenden Mannes nicht zweifelhaft war und obgleich wir ihn seither unaufhaltsam hinschwinden sahen, hat uns sein Abgang tief bestürzt und erschüttert. Gibt der Mensch doch schwer verloren, was er schwer vermissen wird. Es war ein mühevolles und wenig freudiges Leben, das am Sabbat den 21. Oktober 1905 um '%1 Uhr nachmittags im Rudolfinerhause zu Wien seinen Abschluss fand. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, bekam Kokesch schon früh den ganzen Ernst des Lebens zu kosten. In jungen Jahren verlor er seinen Vater und nur durch rastlose Arbeit und eifriges Streben gelang es ihm unter harten Kämpfen, seine Rechtsstudien an der Wiener Universität zu vollenden und sich allmählich zu einer geachteten Stellung emporzu-

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