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Die Welt · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bie # W$lt" Nr. 44 die heissesten Kampfhähne werden den Windmühlenkampf um theoretische Begriffe einstellen, wenn unsere imposante Einigkeit in Gefahr gebracht wird. Niemand von ihnen wird es aus Verantwortlichkeitsgefühl vor dem Volke wagen, sich der Feindseligkeit gegen wertvolle Kräfte schuldig zu machen. Palästina, der Magnet unserer Herzen, zieht uns wohl mit unwiderstehlicher Kraft an, aber ein Ge wirr von Hindernissen trennt uns noch von unserem Ziele. Die erste dieser Barrikaden können und müssen wir selbst unserer Leitung aus dem Wege räumen. Das irt die Gleichgültigkeit eines grossen Teiles unseres eigenen Volkes, desse n Kraft wir notwendig brauchen. Unsere Arbeit muss also Hand in Hand gehen mit dem Stieben der Leitung, dem noch manche schwere Lösung übrig bleibt. Der Kritik sei aber gleich eine Vorkritik vorausgesandt. Der Führer kann gerade so weit, als das Volk ihm Kräfte gibt. Unsere Zuversicht auf die Führung ist gross. Befriedigen wir denn auch die Zuversicht auf uns und bitten wir jetzt und später das jüdische Volk, doch nicht die Sonne mit dem eigenen Recken aufzuhalten. Unsere Leitung aber ist von dem heiligen und Schauer der Verantwortlichkeit erweckenden Gefühl getragen, dass Juden von ^Südafrika wie von Australien, von Holland bis nach Amerika und bis China voll neuen nationalen Glaubens auf ihre Erfolge harren, über die das Glück das Füllhorn seines Segens schütten möge! J. Upfimny. Beschlüsse des VII. Kongresses, Jede Landeszentrale ist verpflichtet, ein Nationalfondsbureau einzusetzen, welches die Aufgabe hat, in jedem Orte des Landes, wo Juden wohnen, Nationalfondskommissionen, beziehungsweise Kommissäre zu bestellen, welche für den Nationalfonds die erforderliche Arbeit zu leisten haben. 2. Jeder zionistische Verein ist verpflichtet, mindestens 5 Prozent der Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen dem Nationalfonds abzuführen. 3. Es ist Pflicht eines jeden Zionisten, sich zugunsten des Nationalfonds selbst zu besteuern; selbst die Dürftigsten sollen so im Laufe eines Jahres wenigstens 1 Krone, 40 Kopeken, respektive den entsprechenden Wert in ihrer Landesmünze dem Nationalfonds zuwenden. 4. Alle jüdischen Zeitungen werden aufgefordert, aufklärende Artikel über den Nationalfonds zu bringen, ihre Leser zu Sammlungen für den Nationalfonds anzueifern, selbst Spenden entgegenzunehmen und sie auszuweisen. 5. Die zionistischen Organe haben dafür zu sorgen, dass Kultu.svorstände und Rabbiner bei allen rituellen Anlässen Zuwendungen für den Nationalfonds veranlassen. 6. Es ist Pflicht eines jeden bemittelten Zionisten, in seinem Testamente den Nationalfonds zu bedenken. Zum jüdischen Nationalfonds. Unberührt von den stürmenden Fragen, welche in den letzten Jahren in den zionistischen Kreisen aufgeworfen "wurden, ist nur der Nationalfonds geblieben. Es freut uns, konstatieren zu können, dass viele Gesinnungsgenossen den Nationalfonds jene Würdigung zukommen Hessen, welche er verdient. Es ist T'emperamentsache, wie diese dem Nationalfonds gegenüberstehen. Alle diese Anschauungen sind uns recht, aber wir wünschten, dass jeder Jude eine solche besässe. — Indessen gibt es noch Millionen von Juden, die weder wissen, dass es einen Nationalfonds gibt, die, wenn sie schon den Namen gehört haben, nicht wissen, was er bedeutet, und Millionen, die noch nicht einen Heller demselben gewidmet haben. Wir können den meisten keine Schuld geben, Schuld an diesem Uebelstände sind wir Zionisten und die jüdischen Blätter. Sprechen wir ganz unbefangen, als ob wir nicht Parteimänner wären. Kann es anders als von hervorragendem Nutzen sein, wenn das jüdische Volk als solches ein Vermögen besitzt? Ist es den Juden der ganzen Welt bekannt, dass. jede Aktion, auch die, bei der es sich, um Erkämpfung von idealen Gütern handelt, ohne Erfolg bleibt, wenn nicht Geld da ist, um die geeigneten Verfügungen zu treffen? Kann ein Jude der ganzen Welt behaupten, dass der Zweck des Nationalfonds, Land in Palästina und Syrien zur Ivoionisierung von armen Juden zu kaufen, ein verfehlter, utopistischer, unjüdischer, unwürdiger ist? Kann ein Jude in der ganzen Welt sagen, dass ihm eine jährliche Spende an den Nationalfonds ein solches Opfer bedeutet, dass er es nicht bringen könnte? Wtenn er lesen wird, dass die Proleten Galiziens und Kusslands die häufigsten Spender sind, muss er sich angesichts der Heller-Spenden nicht sagen, dass auch er dies Opfer bringen kann, ohne es auch nur zu empfinden? Warum also fragen wir, gehen wir im Nationalfonds so langsam vorwärts? — Weil die Mehrzahl unserer Gesinnungsgenossen noch nicht ihrer Pflicht bewusst ist. Zionist h e i s's e n, ist leicht, Zionist s e i n, darum handelt es sich. — Wie, Zionisten verkehren in jüdischen nichtzionistischen Kreisen, und1 bringen auch nicht einen Kreuzer für den Nationalfonds? Sie verdienen, und besteuern sich nicht für den Nationalfonds? Sie haben Verwandte und Bekannte, und diese wissen noch nichts vom Nationalfonds? Und es gibt Zeitungen, jüdische, in welchen das Wort „Nationalfonds"'4 noch nie gedruckt erschien? Alles mögliche ist ihnen interessant genug, die kleinsten Nebensächlichkeiten finden Aufnahme. Man bringt Artikel über antisemitische Gemeinidewahlen, darüber, da.ss die Japaner und General Stössel Juden sind, über Dekorierungen, langatmige Auseinandersetzungen über strittige Mischnasteilen, aber über den Nationalfonds wurde und wi$d kein Wort verloren. Das alles muss besser werden. Jetzt ist der Nationalfonds legalisiert, seine ungefährdete Existenz gesichert, und nun wollen wir darangehe]!, mit aller Kraft dem Fonds zu schnellerem Wachstum zu verhelfen. Wir rechnen dabei auf die werktätige Mithilfe der Gesinnungsgenossen und auf die pflichtgemässe Arbeit der Landeszentralen, um die Beschlüsse des VII. Kongresses zu verwirkliehen. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es für die planmäßige, einheitliche Arbeit, für die pünktliche und prompte Erledigung der Agenden des Nationalfonds von gröstem Vorteile ist, wenn jede Landeszentrale einen Nationalfoiidskommissär ernennt, der sich ausschliesslich der Entwicklung, der Kontrolle und der Leitung des Nationalfonds in seinem Lande annimmt. Wir müssen dieses Postulat mit aller Energie vertreten, denn der Verkehr sowohl mit den Parteien, als auch mit dem Zentralbureau oder der Bank gewinnt dadurch an Promptheit und Einheitlichkeit, und die Agenden stehen unter der Verantwortlichkeit der einzelnen Person. An der Spitze unserer Aktionen stellt die Selbstbesteuerung. Jeder Zionist muss zu dem Resultate kommen, dass seinGesellschaftskreis identisch sei mit jenen, die er zur Selbstbesteuerung für den Nationalfonds bewogen hat. Zu schämen hat sich der, welcher dem Nationalfonds nichts gibt, nicht der, welcher zu Agenden auffordert. Drum können wir ohne Scheu die Steuer für den Nationalfonds einheilen. Wohlgemerkt: Es soll eine Steuer sein, geadelt dadurch, dass wir selbst aus eigenem, aus unserem Gefühle der jüdischen Gemeinbürgschaft heraus, uns diese Steuer auflegen. Aber gerade weil sie uns nicht unter dem Zwange der Gewalt, sondern weil sie von unserem Gewissen auf er-

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