Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türks Strasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und unverlangte Manuskripte weder zurückgesendet noch aufbewahrt. Preist der Anzeigen: laut aufli«0«nd«M& Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abend» geschlossen Einzelne tiucnmera 80 Keller. RcmifiCtiPiliefi" Oastarrsieh-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: BJO£liyo|JI Olöü. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3,45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R, 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechealand, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs, 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli, 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85, Nr. 44. Wien, 3. November 1905. — 5. Marcheschwan 5666. 9. Jahrgang. Zur Sitzung des engeren Aktionskomitees. Das jüdische Volk konnte bei allem Heldenmut und aller tapferen Grösse seiner Seele den rastlosen, ewig andringenden Sturm feindlicher Uebermacht unmöglich ertragen. Mit gedrücktem Gemüt, unter allerlei schwerem Mangel geht es seinen geschichtlichen Gang derzeit nach irgend einem sehnsüchtig herbeigewünschten Rettungsorte, wie eine geschlagene Truppe sich stumpf und unwillig auf der Strasse ihres Rückzuges bewegt, während die Auserlesensten noch die notwendigsten Dienstleistungen versehen. Dieser notwendige Dienst wird von der Nachhut versehen, welche den nachdrängenden Feind abzuwehren und aufzuhalten hat, und von der Führung, welche aufmuntert und die kürzesten und besten Wege zu einem geschützten Sammelorte zu finden weiss. Beide Arten dieses Dienstes werden im Judentum versehen. All die zahllosen Abwehr- und Unterstützungsvereine sind es, welche es verhindern, dass ein ungehinderter Angriff heillose Verwirrung in unsere Massen trage. Wir freuen uns, an Allianzen, den grossen Kolonisationsvereinen, Hilfsvereinen bis zu den feinsten Abzweigungen dieser Art eine verdienstvolle Phalanx der Starken zu besitzen, durch deren geschlossene Reihe das Unglück aufgehalten und verkleinert wird. Aber sie selbst gestehen zu und die klarschauende Vernunft bestätigt es, dass die Kräfte der Nachhut vor dem Angriff immer mehr versagen und dass die Führung eilig und umsichtig weiterstreben muss, auch wenn der neueste Glücksfall in Russland unsere Lage besser, nicht aber gut macht. Haben nicht schon viele Länder starke Verfassungen und noch stärkeren Antisemitismus? Mit einem Blick, in einem Satze kann festgestellt werden, wer die Führung in Händen hat. Nur eingefressene Schäden in unserem Volke, deren Keime in der Schule bemitleidenswerter politisch Blinder gepflegt wurden, konnten dem zionistischen Aktionskomitee die machtvolle Unterstützung des jüdischen Volkes zum Teil entziehen, obwohl es statt der Parole des Zuwartens und des Erfolges des Zugrundegehens den einzig annehmbaren und von Vernunft, Wissenschaft und politischer Erfahrung unerschütterlich getragenen Plan der nationalen Sammlung im eigenen Lande brachte. Die bange Frage nach der Zukunft des jüdischen Volkes wird weder von seinen Gemeindeverbänden noch von seinen Unterstützungsvereinen noch von den fürsorgenden Zentralen seiner Wanderung beantwortet werden. Dort kann man nur eine Auskunft über die Gegenwart einholen. Die Zukunft wird aber auch bei uns wie bei allen anderen Völkern nicht von unseren Verwaltungsbehörden gemacht, die mit den gegebenen Verhältnissen rechnen, sondern von der Vertretung des ganzen Volkes, welche über die Pläne auserwählter politischer Führer zwecks Förderung des wirtschaftlichen und nationalen Fortschrittes entscheidet. Diese Vertretung des ganzen Volkes hatten wir Juden bis jetzt nur in Basel und London und ihre Führer und Untergebenen zugleich, welche von allen unseren Politikern allein Bedacht auf die Zukunft haben, sitzen im zionistischen Aktionskomitee. Es ist also ein weihevoller Moment, da sich die Erwählten der Erwählten, das engere A.-C, unter Wolffsohns Vorsitz versammeln, um nicht nur ihre erste Sitzung, sondern auch ihre nachdrückliche Tätigkeit zu eröffnen, nachdem die Energie des Präsidenten alle Formalien in kurzem in die Wege geleitet hat. Nicht nur die Augen unserer organisierten Hunderttausende sind mit brennenden Blicken auf die Tätigkeit der Herren gerichtet, sondern auch die Masse scheuer Verschämter im Judentum, die noch nicht Zionisten sind, weil sie mit einem Endchen falschen Stolzes an ihre Vergangenheit gebunden sind, erwarten von hier aus Worte und Taten der Befreiung unseres Volkes. Sie alle blicken voll guter Hoffnungen in die Zukunft. Weiss doch jeder, dass unsere obersten Vertreter eine grosse Summe männlicher Tüchtigkeit und Erfahrung repräsentieren und dass Wolffsohn, Herzls bester Freund, von dem unvergänglichen jüdischen Staatsmann ein unschätzbares politisches Erbe übernommen hat Wohl harren schwerwiegende Aufgaben unserer Führung. Zwischen den jüdischen Patrioten endgültigen Frieden zu schaffen, wird ihr wohl bald gelingen. Auch