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Die Welt · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43 „iSie & v/W Seite fi berühren zu müssen; -der Zionismus betrachtet sein Ziel) als die „einzige (endgültig e) — füge ich hinzu —) politische Lösung" der Judenfrage, und die -Ito» das ihrige als die „einzige (temporä r e) politische Lösung" der Judenf ragle.; Sie haben im Grunde niohts miteinander., gemein. Nur dass die politischen Ziomisten es für;ihre heilige Pflicht halten, i m Z i o n i s m u s eine Kooperation mit der Ito anzubahnen, damit unsere Bewegung wicht bei der' gf'ö^zflgii^sten.' nationalen. Gegenwartsarbeit völlig ausgeschaltet werde, und andrerseits bei d e r 11 o mitzuarbeiten, damit diese stets nationales Gepräge bewahre und nicht im philahÖtrepischen Sande sich verlaufe. Von alledem abgesehen — Sie werden keinem Zionisten verwehrein1 können, einer gutjüdi&chen Bewegung ausserhalb des Zionismus anzugehören, , sofern diese die zionistische Bewegung! selbst nicht angreift' oder ihr Endziel bekämpft. Daran könnte auch keim Beschltiss eines L.-K., des Delegierten tages oder gar des D.-Ketwas ändern; wir sind der Organisation, nur für unser Tun und Lassen i n der Bewegung verantwortlich. Und dieser Verantwortlichkeit sind wir uns voll bewusst; denn wir sind fest entschlossen, der alten (Fahne und) der Pietät gegen Herzl unverbrüchliche Treue zu wahren, komme was da kommen mag, mag man in der Bewegung noch so schwer gegen den alten Geist sündigen und uns, die wir ihm ehrlich zu dienen' glauben, noch so arg befehden. Wir bleiben fest bei der-Stange, werden aber nach aussen unsere Aktionsfreiheit zu wahren wissen. Verzeihen Sie die Freimütigkeit im Interesse der Sache. Ich bitte Sie jedenfalls um Antwort. Genehmigen Sie, verehrter Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten' Hochachtung. Mit Zionsgruss Ihr ergebenster Dr. Jeremias. Köln, 16. Oktober 1905. Hochgeehrter Herr Doktor! In Beantwortung Ihrer Zuschrift vom 13. ds. will ich zur Aufklärung der von mir vorgeschlagenen Resolutionen bemerken, dass ich Ihre Verwunderung über die vierte Resolution nioht recht verstehe. Diese Resolution ist eigentlich nichts anderes als die konsequente Schlussfolgerung aus der Resolution Nr. 1. Die einzelnen Organisationen und« offiziellen Vertreter derselben sind streng genommen* gar nicht in der Lage, in anderer Weise ihrer Unterwerfung unter die Kongressbeschlüsse Ausdruck zu verleihen, da ja die äussere Politik lediglich in der Hand des engeren Aktionskomitees ruht. Aber auch sachlich ist diese Stellungnahme allein konsequent Wenn man auf dem Standpunkte steht, dass die Autonomie ausserhalb Palästinas ein politisches Mittel zur Erlangung unseres Zieles darstellt, dann muss dieses Mittel sich in d^n Händen unserer Organisation befinden, wenn es» irgend welchen Zweck für uns haben soll. Ich kann daher wohl verstehet, dass inan innerhalb der zionistischen Bewegung eine Agitation nach dieser Richtung entfaltet, um eine Aenderung der Kongressbeschlüsse zu erzielen. Eine ausserhalb der zionistischen Bewegung; stehende Organisation kann eine solche Unternehmung nicht als Mittel eines ihr selbst fremden Zweckes schaffen. Für diese Organisation ist daher die Schaffung einer solchen Autonomie ein selbständiges potlitisobes Ziel. Die Divergenz dieser beiden politischen Strömungen rriuss zu unheilvollen Konflikten führen. Es ist demnach selbstverständlich, dass ich prinzipiell den Standpunkt vertrete, ' dass ein organisierter Zionist der Ito nicht früher beitreten darf, als bis unzweifelhaft feiststeht, dass die Ito lediglich ein philanthropisches Unternehmen ist oder dass sie zielbewusst ihre Tätigkeit nur als Vorarbeit für die Erreichung des zionistischen Ideals betrachtet. Einen Zwang1 können wir jedoch in dieser Hinsicht nicht ausüber«, und muss es iedem Zioinisten überlassen bleiben, ob er1 trotzdem der Ito als Mitglied beitreten will. Anders verhält es sich mit zionistischen Organisationen und deren offiziellen Vertretern. Ich würde es als einen groben Verstoss gegen die Disziplin betrachten,, wenn diese durch ihren Beitritt zur Ito eine Politik betreiben würden,, welche den Kongressbeschlüssen widerspricht. . Besten Dank für Ihren freundlichen Brief und Ihre Auseinandersetzungen, die ja viele schätzenswerte Gedanken enthalten. Mit Zionsgruss Ihr ergebenster ■■■ ■ •. Dr. B o d e n h e i m e r. . ]: *• * Posen, 17. Oktober 1905.; 5 Hochgeehrter Herr Präsident! . .; Ich knüpfe hauptsächliich an einen Punkt Ihrer Erwiderung aii, den Sie 'besonders betonen, während ich ihn in Ihrem Aufrufe fast übersehen hatte. Sie meinen, dass der Beitritt zur Ito nur dann statthaft wäre, wenn diese sich auf philanthropischer, nichtpolitischer Basis aufbaue. Wir müssten also verlangen,, dass das neue Unternehmen alles politischen Beiwerkes entkleidet werde und rein philanthropischeiii Charakter wahre. Und dies, nachdem von zionistischer Seite ein jahrelanger Kampf gegen das Unwesen und den Unwert der Philanthropie geführt worden, nachdem Jahr und Tag an die Wohltätigkeits- und Koloniailgesellschaften immer von neuem der Appell gerichtet wurde, dass sie nationalpolitisches Salz in ihre breite Bettelsuppe tun sollten. Wir traten all diesen Vereinen bei, nicht um unser Geld loszuwerden, sondern um Geist von unserem Geist in sie zu verpflanzen, neuen Wein in die alten Schläuche zu füllen. Gottlob, es war nicht umsonst! Das geräuschvolle Drängen unserer Genossen und das stille Wirken unserer Idee hat es zu Wege gebracht, dass wohltätige Gesellschaften und Einzelpersönlichkeiten sich zu einer imposantem Hilfsaktion zusammenfinden wollen, die offenkundig dem Bedürfnisse nach mehr politischem Tun, nach grosszügigem Wirken für das Volksganze entspricht. Ja sogar von jener Seite wird auf die Mitarbeit der Zionisten der grösste Wert gelegt — vergi den Briefwechsel Zangwill-Timendorfer — und kein Zweifel, gerade unsere Mitwirkung könnte die grosse Aktion vor dem Hinabgleiten ins Philanthropische! bewahren. Und nun sollen wir die Ausschaltung aller Politik, die Beschränkung auf Philanthropie zur Bedingung des Mittuns machen! Und die Förderung aller politischen Ambitionen der Ito soll ein Vergehen gegen die Parteidiszipiin bilden! Muss man nicht unwillkürlich an die Szene denken, da Josua, eifersüchtig um den grossen Lehrer besorgt, Moses aufforderte, Eldad und Medad die prophetische Geberde zu verbieten; aber Moses antwortete: „Was gäbe ich drum, wenn das ganze Volk Gottes prophetisch wäre, wenn der Ewige sieinen Geist über sie alle kommen. Hesse!" Welcher Segen, wenn unser Geist, der Geist weitausschauender Volkspolitik, über sie alle, Ica und Alliance, Esra und Geulah, käme! Damit schliesse ich für heute. Ich würde bitten, mir auch hierauf freundlichst recht bald Bescheid zu geben. Vielen Dank im voraus. Mit Zionsgruss Ihr Sie hochschätzender Dr. Jeremias. 7 ~ Köln, 20. Oktober 1905, Sehr geöhrter Herr Doktor! In Beantwortung Ihrer Zuschrift vom 17. d. M. beehre ich rraichy zu erwidern, dass Sie vollkommen recht haben, wenn Sie annehmen, dass die territorialistische Organisation auf philanthropischer Grundlage schwerlich lebensfähig sein würde. Sie würde dasselbe .Schicksal erleben, welches die Organisation der Cho^ewe Zion betroffen hat. Es ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen, dass dieser Weg beschritten wird, da die ZustimmUngskundgebungen von nichtzionistischer Seite fast durchwegs den phiilanthropiischen Gesichtspunkt betonen. Auch das

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