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Die Welt · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 je* Nr. 43 werden sollen. Der Plan ist überklug. Etwas zu spät taucht er auf und wird dem bedauernswerten Staate, der seine alte Schuld furchtbar büsst, nicht wieder auf die Beine helfen. Wir glauben nicht, dass die sephärdischen Juden im Orient — ton spanischen Schulen daselbst sich ködern lassen und nach einer spanischjüdischen Assimilationsära in moderner Form Gelüste tragen. Die „Spanier ohne Vaterland" werden auf dem hispano-jüdischen Kongresse, der geplant ist, auf den von Regierungs wegen ausgesteckten Leim einer nationalen Verbrüderung mit dem spanischen Staate nicht gehen. Sie stehen in der jüdischen Bewegung um ein Vaterland — ohne Spanier. Heines prophetisches Wort, dass Juden noch von weit hergeholt und herbeigewünscht werden, geht in Erfüllung, Spanien bittet Juden um ihre Gunst und Heimatliebe ... Nss. Zweite israelitische Gesellschaftsreise nach Palästina, Syrien, Aegypten. Die in der zionistischen Presse wiederholt angeregten Uesellschaftsreisen nach Palästina sind, endlich verwirklicht worden. Das Fahrkartenbureau der königl. ung. Staatsbanken hat als Zentralbureau für jüdische Gesellschaftsreisen einen auch durch seine äussere Ausstattung glänzenden und durch die Fülle vortrefflicher photographischer Aufnahmen aus dem Orient sehenswerten Prospekt herausgegeben, in welchem eine Wiederholung der im April d. J. zum ersten Mal unternommenen Palästinareise angekündigt und das Programm entwickelt wird. Wir Zionisten können mit den Aenderungen dieses Programmes sehr zufrieden sein. Während die Reise im heurigen Frühjahre nur sehr wenige, auf der gewöhnlichen Reiseroute gelegene Kolonien berührte und dieser Teil des Reiseprogrammes Zionisten Anlass zur Kritik geben konnte, ist heuer auf die jüdischen Kolonien in ausgiebigster Weise Rücksicht genommen, wodurch der Wert dieser Gesellschaftsreise für zionistische Teilnehmer bedeutend erhöht wird. Solche Reisen, haben einen nicht zu unterschätzenden! agitatorischen und erzieherischen Einschlag. Wenn der Teilnehmer die Geschichte und Entwicklung des Landes kennt und auf Grund objektiver Prüfung dieser die Lage seiner Bewohner bedkigendenTatsachen die auf ihn Schritt für Schritt einstürmenden Eindrücke aufnimmt, dann wird manches schiefe Urteil über das Land und seine Juden schwinden und manche irrige Meinung, die eine antizionistische Hältung bis zur Reise hervorrief, revidiert werden. Auch der zionistische Reisende kann ungeheuer viel für sich und seinen zionistischen Kreis lernen, Die Reise zerstört manche Illusionen, raubt aber nicht Idealismus und Palästinatreue. Sie zeigt die kolossalen Schwierigkeiten der Landnahme, aber nicht die Unmöglichkeit. Wer freilich die ungeheure Grösse des zionistischen Befreiungswerkes nicht begriffen hat und ein Zaghafter, von Augenblickserfolgen Faszinierter ist., der mag durch solche Reise wankend werden in seiner Ueberzeugung und Hoffnung. Es ist ein blödsinniges Märchen, dass man aufhören müsse, Zionist zu sein, wenn man das Land kennen lernt und näher prüft. Im Gegenteile! Nach dem Prospekte zu schliessen, ist die Organisation der Gesellschaftsreisen eine sehr gute. Da die Zahl der strenggläubigen Reiseteiilnehmer begreiflicherweise bei einer solchen Fahrt nach dem heiligen Land überwiegt, ist die Verpflegung auf dem Schiffe und während der ganzen Dau^r der Reise auf streng ritueller Grundlage durchgeführt. Der Oester* reichische Lloyd stellt für die zweite Reise, die im Februar 1906 stattfinden soll, einen seiner elegantesten, schnellsten und sichersten Dampfer zur Verfügung. Das Programm ist gemeinsam mit dem Reisebureau „Tabor" aus Palästina durchberaten und aufgestellt worden, welches auch die nötigen Vorarbeiten im Lande selbst leitet. Die Reise geht am 4. Februar von Budapest mittelLs Separatzuges nach Fiume, von da mittels Separatdampfers nach Beirut. Von hier aus finden Ausflüge in die Libanongegend und ein Separatausflug nach Damaskus« statt. Nach kurzer Seefahrt nach Haifa wird der Karmel besucht, dann die Kolonien Tantura, Sichiron Jakob und zwei andere in der Nähe dieser gelegenen. Jüdische Dörfer. Die Fahrt nach Jaffa wird auf dem Schiffe zurückgelegt. Der Aufenthalt in Jerusalem dauert acht Tage, welche zur Besichtigung der Stadt, zu einer Fahrt nach dem Jordan und Toten Meere -benutzt werden,, Von Jerusalem aus geht es per Wagen zurück nach Jaffa, wobei die Kolonien Moza, : Ekron, Rechobot und die anderen nächst Jaffa gelegenen. jüdischen Ansiediungeni passiert werden.*) Der Aufenthalt in Aegyp'feri* umfasst die Besichtigitng Von Alexandrien tihd Kairo. Auf der Rückfahrt wird-Korfü besiucht. Wir'sehen, dass auf die*-. ^olqnien:,diesmal. «me4tf> Rftclssjctet genppmen. ist. Galiläa korhnit im Reiseprpgramim aller^ng^ zu .kurz. Doch, ist die Bereisuhg dieses Teiles Palästinas für elfte grosse Reisegeseilschaft mif gros&en Sch^ dk die'jüdischen Kolonien abseits . von den,. Haiuptverkehrsstrasseni ^- und an die feält sich, natünlick di^ ^i^rqiitej.^^legen-^md. iJVian kann, den Gesellschaftsreisen st^ts .wachsenden Erfolgend däuerhdesr Melfesse jüdischer Kreise .Voraussagen.' Sie werden eifiiö segensreiche,1 stähdigö 'Einrichtung werden und auif .diepraktische JBaläsrfcinaarbeit betfruchtend wirken. Wie ein starker. JVSjagnei; ,.$^bt. JMsehe*; ^hn^tefl-d die . volkstreuen Jü&ii aller Länder an. N.ich;t alsi Touristen^ die nur Vefgiittgung siicften: lind von e]'nier':'i:~w^iteni Reise erzählen wollen, gefoen die) Teilnehmet - dieser Gesellischäf tsreisen nach Palästina» semdern als» vollbewusste Juden iwollea sie das Land der jüdischen Hoffnung,. und . Zukunft: betreten, . - mit jüdischen Augen .seine Entwicklung . und seine Bewqhner schauen. Ob sie Zionisten sind oder nicht, sie werden dann um so sicherer Treue' bewahren dem Volk und seiner uralten: Heimat. Fine Palästinareise ist nicht nur-eine unvergessliche Erinnerung fürs ganze Leben, sie ist mehr noch Trostspenderin und Mutbringerini in dem Kampfe, der unserer in den Golusländern harrt. Wer halbwegs kann und wahrhaft national ist, wird ohne langes Zaudern und Zweifeln die herrliche Reise mitzumachen bestrebt sein. Ivri. Rubrik für Diskussion Die Stellungnahme der „Welt" zu allen Fragen des Zionismus ist durch die Kongressbeschlüsse und den Aufruf des Präsidenten des A.-C. festgelegt. Sie bleibt aber weiter jeder sachlich vorgebrachten Meinung offen und gestattet selbstverständlich gerne eine Diskussion in richtigen Grenzen. Wir führen dafür diese besondere Rubrik, wo auch alle inoffiziellen Meinungen zum Aasdruck gelangen können. Ein Briefwechsel über die Ito. Posen, 13. X. 1905. Hochgeehrter Herr Präsident! . . Schon jetzt fühle ich mich auch gedrungen, meiner Verwunderung über die vierte der von Ihnen angekündigten Resolutionen Ausdruck zu leihen. Ich gestehe offen, dass es mir, sowohl was die Sache selbst als was die Begründung betrifft, unbegreiflich ist, wie Sie. Ihren Standpunkt halten wollen, wenn mir auch erklärlich ist, wie Sie psychologisch dazu gelangt sein mögen, Einmal nimmt der Entstehungsmodus der Ito viele aprioristisch gegen sie ein, und dann weckt vor allem die Sorge,, die Ito könnte; wenn erfolgreich, uns viel! Wind aus den Segeln nehmen, den Wunsch der Abwehr und Hemmung. Aber selbst wenn mau von solchen, halb unbewussten Antipathien' ausgeht,, muss man: doch .unausweichlich zu dem Schlüsse kämmen,; dass . solche Stimmungen und Befürchtungen nicht.t die moralische; -und t ■ organisalionsirechtliche Handhabe geben, um den. > Zionisten; :#e- Mitarbeit am » der ito zu - Verbieten. Unsere .Organisation; ißtkein Polizeistaatin dein von oben her die Parole :ausg#geben/. werden, kann: „Die ganze Richtung passt uns nicht!" ,;iDas... habpn. Siei; besser': herausgefühlt als alle,,bisherigen,Jt Sie die Begründung,, dassj die Ito ,ni.it politischen,,; nicht mit philanthropischen Mitteln), der, ^Judennat; steuern wolle Mnd> also uns von unserem Endziel - ablenken; könne. , >. Aber - ich bitte, was > hat denn die Ito .mit .uns. .zu^seh^ffen? ,!. Der., Kpngress hat in schärfsten jFpr.m erklärt dass>. alle; extrapalästinensischen Landprojekte nichts niit ihm zu sCrhafferik habend, und die Jto hat beschlosseiny .dass.^ie zuTnijZionismus, ^0iie Stellung nimmt. Demnach laufen Zionismus upd Ito nebeneinander^ her, ohne sich je *) Im ,^isch<>n - le Zion ,soll,> zu Ehrews dier, Qäste ein grosses Volksfest'rarr^^ert wenjen.. ,,•,:,>,/•. i;,,;7 ..;

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