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Die Welt · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 „bis # Welt" Seite 3 Gesinnung; wir kannten aber auch sein edles Herz, kannten ihn als aufrichtigen, ehrlichen und treuen Freund und deshalb sind wir von seinem Verluste doppelt schwer getroffen. M. B. Das Leichenbegängnis, In düsterer, trüber Stimmung, die der kalte, nasse Herbstvormütag nur noch steigerte, versammelte sich Montag den 23. Okt am Zentralfriedhof eine stattliche Zahl von Zionisten und Freunden des Verstorbenen, um ihrem geliebten Gesinnungsgenossen und treuen Freunde Dr. Kokesch das letzte Geleite zu geben. Leider war es nicht möglich, alle zionistischen Vereine vom Ableben unseres wackeren Führers rechtzeitig zu verständigen, und viele, die die Todesnachricht nicht aus der Zeitung erfahren konnten, mussten sie erst nach dem Begräbnisse erfahren. Nichtsdestoweniger war die Zahl der Anwesenden eine beträchtliche, die mit tränenerfüllten Augen sein Grab umstand. Ausser den Mitgliedern des A.-C. und des Landeskomitees sowie vielen anderen langjährigen Zionisten erschien die „Kadimah" korporativ; unter den Gästen waren Sr. Ehrw. Herr Rektor Dr. Schwarz, Hr. Lektor Fried mann und unser bewährter Freund Herr Rev. H e c h 1 e r sowie mehrere Berufskollegen des Verstorbenen. Das Zeremoniell eröffnete in glänzender Weise unser Freund Herr Oberkantor Don Fuchs, Seitenstettentempel, worauf Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang eine tiefempfundene Trauerrede hielt. Er schilderte in beredten Worten die glänzenden Eigenschaften des Verblichenen als treuen Sohnes und Bruders, der nach langem, schwerem Kampfe sich zur Freude seiner Angehörigen eine angesehene Lebensstellung errungen hatte, so dass sie mit Stolz und Befriedigung ausrufen konnten: ♦d^m *itt?K -p-n Er ging hierauf zur Würdigung seiner Verdienste um seine Familie, das ganze jüdische Volk, das er in sein Herz geschlossen und für dessen Wohl und Befreiung er unermüdlich gearbeitet hat, über. Er wies darauf hin, dass der Verblichene einem unsterblichen Ideale gedient hat, einem Ideale, das uralt wie unser Volkstum ist und nicht schwinden wird aus unserer Mitte, solange es gute, treue Juden geben wird. Er ward deshalb ein vnK "nan wie der Vers weiter lautet, ein Liebling seiner Brüder, des jüdischen Volkes, das seinen Verlust tief beklagen muss4 Hierauf sprach im Namen des Aktionskomitees Herr Dr. Leopold Kahn: Leidgenossen! Zionisten! Freunde! Noch ist der alte Schmerz über den grossen Toten aus den Reihen unserer Gesinnungsgenossen nicht gestillt, und schon wieder stehen wir vor einem frischen Grabe, und den wir da hinabsenken, "nserenFreund und Gesinnungsbruder Dr. Oser Kokesch, nicht lange ist es her, dass er noch kraftvoll, gesundheitsstrotzend u-.iler uns wandelte und im Kampfe für die Rettungsidee des jüdischen Volkes als einer der ersten mittat und mitfocht. Schon als Schüler der Mitteilschule boten sich seinem empfänglichen Gemüt in den achtziger Jahren in Brody die grausen Bilder der vor den Pogromen flüchtenden russischen Juden mit all den Leidem des ewig wandernden, heimatlosen Ahasver. Und schon damals dämmerte in seinem jugendlichen Geiste der Gedanke auf, dass dieser schmachvolle Ausnahmszustand, in welchem sich das jüdische Volk befindet, nur bei Erlangung einer gesicherten Heimat iim alten Hebräerlande schwinden könnte. Dieser Gedanke verdichtete sich in ihm zur Ueberzeugung, der er sein ganzes, leider nur zu jäh abgeschnittenes Leben hindurch treu geblieben war. Als Kadimahner pflegte er dann auf der Hochschule das Zionsideal mit der ganzen Kraft und Wärme seines Herzens und als, nachdem er sich einen Beruf und Lebensstellung geschaffen, der „Judenstaat4' erschienen war, war wieder er es, der in Gemeinschaft mit seinem Freunde, welcher ihm auch in den letzten Stunden beigestanden, unseren verewigten Führer Dr. Herzl in die Bewegung hineinzog. Als nun dieser dem Zionismus die grossartige Weltorganisation geschaffen, arbeitete Dr. Kokesch an dem Ausbau dieser Organisation und an allen Aufgaben, welche immer neu an die Bewegung herantraten und ihre Lösung forderten, emsig, rastlos und frohgemut durch acht Jahre, die schönste Zeit seines Lebens. Diese füllte ihn aber auch ganz aus. Sie wurde die einzige Quelle .seiner winzigen Freuden, der einzige Gegenstand seiner Sorgen und seines Kummers. Und auch in den letzten Tagen seines Lebens, in seinem letzten Willen unterliess er es nicht, der Institutionen derselben zu gedenken und seine Ratschläge für die Organisation noch über das Grab hinaus zu erteilen! Wir, die wir im engeren Verkehr und brüderlicher Mitarbeit mit ihm waren, haben unausgesetzt Gelegenheit gehabt, seine unerschöpfliche Liebe, Hingebung, aber auch seine seltene Arbeitsfreudigkeit und Ausdauer zu bewundern, die gleichwohl mit einer geradezu überwältigenden Bescheidenheit gepaart waren. In allen Stürmen und Schwanktingen, die die Bewegung mitzumachen hatte, blieb er immer stark, unentwegt :md von strenger, folgerichtiger Gesetzlichkeit. Er war ein ganzer Mann, edel, gut und hilfreich, hatte offenes Herz und offene Hand, soweit es seine bescheidenen Mittel erlaubten, allen Freunden und Akademikern gegenüber, die sich an ihn nie vergeblich um Hilfe wendeten und denen er noch in seinem Testament ausdrücklich Schulderlass gewährte, in seinem Testamente, welches mit den Worten beginnt: „Ich verzeihe allen denen, die mir im Leben unrecht getan, und bitte auch mir zu verzeihen, wenn ich jemand unbewusst gekränkt habe." An diesen Ausdruck echt jüdischer Sanftmut und Friedensliebe, die an den Tanaiten Hille1! gemahnt, knüpfte er die Bitte, dass ihm, der, soviel er konnte, für die Befreiung des unglücklichen jüdischen Volkes mitgearbeitet, in der Erinnerung der Freunde ein bescheidenes Plätzchen erhalten bleiben möge. Nein, edler Freund, du hast zu wenig verlangt! Wir sind dir mehr, viel mehr schuldig, und im Namen des zionistischen Aktionskomitees und unseres Freundes und Präsidenten, der dir durch mich die letzten Grüsse sendet, rufe ich dir aus gebrochenem Freundesherzen zu: Gleich deinen Schwestern beweinen auch wir in dir einen Bruder, ein Vorbild der Gesinmmgstreue. Wir werden stets deiner gedenken und für unser gemeinsames Ideal gleich dir kämpfen und arbeiten, und wenn die Weltgeschichte das zweitausendjährige Unrecht an deinem, an unserem Volke gesühnt hat und unser Ideal erreicht sein wird, dann werden auch spätere glücklichere Generationen der Mühen gedenken, die du für sie geleistet. Friede deiner Asche! Herr ftp witsch nahm im Namen dps Landeskomitees Österreichs Abschipd von dpm Vorcforhonen als einpm d^rjpnigpn, die das meiste zur Entsfphnng und Entwicklung der osWrei^iccriPn Organisation beigpfrngfpn habpn. Dipse Organisation wolle nicW ruhen, nicht ra.ct«n, bis es ibr pinst durch fortgesetzte unermüdliche Arbeit im friste des Verbliebpnpn gelingen wprde, seine OebeinemiHenendesunvprge^lichengrosspn Fuhrers nach der erreichten freien Heimait überzuführen. Herr Kremenezky sprach im Auftrage der deutschenLandsmannschaftherzlieheWorte des Abschieds. Herr med. Deutsch als Präses der „Kadimah"

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